WOLFHALDEN: «Ich würde mich in Grund und Boden schämen»

Spendenaufruf für ein zweites Kind – die Aktion eines Ehepaars aus Wolfhalden gibt zu reden. Der aussergewöhnliche Weg zum zweiten Kind wirft in den sozialen Medien hohe Wellen. Viele zeigen kein Verständnis.

Alexandra Pavlovic
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Für ein Kind unternehmen einige Personen alles. Das Appenzeller Paar hat ihre Mitbürger um Spenden für eine künstliche Befruchtung gebeten. (Symbolbild einer befruchteten Eizelle) (Bild: GAETAN BALLY (KEYSTONE))

Für ein Kind unternehmen einige Personen alles. Das Appenzeller Paar hat ihre Mitbürger um Spenden für eine künstliche Befruchtung gebeten. (Symbolbild einer befruchteten Eizelle) (Bild: GAETAN BALLY (KEYSTONE))

«Frechheit!», «Keine Spur von Scham», «Ich würde mich in Grund und Boden schämen» - der Tenor in den sozialen Medien auf den Spendenaufruf eines Ausserrhoder Paars ist eindeutig. Und auch die Teilnehmer in unserer Leserumfrage - rund 70 Prozent - würden dem Ehepaar kein Geld für ein zweites Kind spenden. Viele sind der Meinung, dass, wenn es nicht auf natürlichem Wege klappt, das so zu akzeptieren ist.

Bei den Kommentaren in den sozialen Medien liest man ähnliches. So kann eine Userin zwar den Wunsch nach einem Baby nachvollziehen, dennoch findet sie die Aktion des Paares den falschen Weg. Es gebe auch andere Möglichkeiten, den Kinderwunsch zu erfüllen – beispielsweise eine Adoption. Dies würde nicht die Welt kosten und schliesslich gebe es genügend Waisenkinder auf der Welt.

Viele können auch nicht verstehen, wieso das Ehepaar mit einem gesunden Kind nicht zufrieden ist. «Sie haben ja ein gesundes Wunschkind. Auch anderen ist es vergönnt, nur eines zu bekommen. Wieso kann man nicht mal zufrieden sein?», schreibt etwa eine Frau auf Facebook. Eine andere findet, «dass diese Würgerei gewaltig in die Hosen gehen kann.» Ein Herr ist ebenfalls der Meinung, dass das Paar froh sein soll, ein gesundes Kind zu haben. «Ich würde mich in Grund und Boden schämen mit so einer Aktion.»

«Würden besser das Haus verkaufen»

Was vielen zudem sauer aufstösst, ist, dass das Ehepaar weder einen Kredit aufnehmen noch in der Familie nach Geld fragen will für ihr Vorhaben. Stattdessen verteilen sie Briefe in den Briefkästen der Region. «Auch ich habe Wünsche, die etwas kosten. Aber so etwas würde ich nie machen», meint eine Userin auf Facebook. Eine andere findet es unverschämt, dass das Ausserrhoder Paar sich offenbar nicht zu schade ist, bei Fremden nach Geld zu betteln. «Wenn ihnen ein zweites Kind so wichtig ist, dann würden sie besser das Haus verkaufen und hätten danach genug Geld.» Die eigene Kinderplanung ist für die meisten Familiensache und sollte nicht durch verschiedene Gemeindemitglieder finanziert werden.

Nur wenige unterstützen den Spendenaufruf der Ausserrhoder. Für einige geht es durchaus in Ordnung nach Geld zu fragen. «Es wird für so viele Dinge um Spenden gebeten. Fragen dürfen sie doch.» Es sei jedem selbst überlassen, ob man Geld geben wolle oder nicht.

Zu hohes Risiko

Die Frage nach den Kosten lösen Emotionen aus. Für viele ist es daher unverständlich, dass das Ehepaar die hohen Kosten für ein weiteres Kind ausgeben will. Dies auch, obwohl es keine 100-prozentige Garantie gibt, dass es klappt. Für ihr erstes Wunschkind haben die Ausserrhoder gegen 70'000 Franken ausgegeben. «Wenn die Kosten für den Eingriff so ein schwerer Rucksack sind, wie soll denn die Familie mit zwei Kindern das teure Leben tragen mit all den obligatorischen Versicherungen?», fragen sich einige.

Andere sind der Meinung, dass nicht gekauft und konsumiert werden soll, wenn man die Mittel dazu nicht hat. Abgesehen von den Kosten, die auf die Familie zukommen, finden viele eine Schwangerschaft mit über 45 Jahren einfach ein zu hohes Risiko.