Wolf wagt sich ins Toggenburg vor

Wanderer haben im Churfirstengebiet einen Wolf fotografiert. Es ist der erste gesicherte Nachweis der Tierart im Toggenburg. Die Herdenschutz-Fachleute sind besorgt. In der Region habe es viele Nutztiere – auf engerem Raum als etwa im Sarganserland.

Adrian Vögele
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Ein Wolf, fotografiert am vergangenen Freitag im Obertoggenburg. (Bild: Amt für Natur, Jagd und Fischerei St. Gallen)

Ein Wolf, fotografiert am vergangenen Freitag im Obertoggenburg. (Bild: Amt für Natur, Jagd und Fischerei St. Gallen)

WILDHAUS. Zwei Berggänger haben am vergangenen Freitagmorgen am Fuss des Frümsel im Obertoggenburg einen Wolf entdeckt und aus Distanz fotografiert. Es ist der erste Fotonachweis der Raubtierart in der Region. Überraschend kommt er nicht: Im vergangenen Jahr war bereits deutlich weiter nördlich ein Wolf aufgetaucht. Im Grossraum der Stadt St. Gallen – in Heiden und Untereggen – riss er einzelne Schafe. Im März dieses Jahres dann wurde in Urnäsch die Präsenz eines Wolfs anhand eines gerissenen Rehs nachgewiesen.

Dominik Thiel, Leiter des St. Galler Amts für Natur, Jagd und Fischerei, nimmt an, dass es sich beim jetzt fotografierten Wolf um ein Jungtier aus dem letzten oder vorletzten Jahr handelt. Ob es aus dem Calanda-Rudel stammt, ist unklar, ebenso, ob es sich immer noch im Toggenburg aufhält oder inzwischen weitergezogen ist. In den vergangenen Monaten seien immer wieder Hinweise aus der Bevölkerung nördlich des Sarganserlandes auf die Anwesenheit eines Wolfs eingegangen, sagt Thiel. Nicht nur aus dem Toggenburg, sondern auch aus der Region Werdenberg. «Es ist darum gut, dass wir nun einen Fotonachweis haben.»

Viele gemischte Herden

Der Kanton hat Alpbewirtschafter und weitere Beteiligte sofort über die Sichtung des Wolfs im Toggenburg informiert. Markus Hobi, der Leiter des Landwirtschaftlichen Zentrums Salez, zeigt sich besorgt über die Nachricht. «Das Toggenburg ist reich an Nutztieren.» Die Situation sei anders als im Sarganserland, wo man inzwischen einige Erfahrung mit Herdenschutzmassnahmen gesammelt habe. So gibt es im Toggenburg nebst Schafalpen viele kleinere, gemischte Nutztierherden, etwa mit Kühen, Kälbern und Ziegen. «Wie der Wolf darauf reagiert, wissen wir nicht.» Noch unklar sei auch, ob sich diese gemischten Herden beispielsweise mit Hunden schützen liessen.

Massnahmen für den Notfall

Die Herdenschutz-Fachleute sind jedenfalls bereit, sofort einzugreifen und den betroffenen Tierhaltern oder Alpbewirtschaftern zu helfen, sollte der Wolf Nutztiere angreifen. Zu den Notfallmassnahmen, die schon im Sarganserland angewandt wurden, gehören der Bau von Pferchen und Umzäunungen mit Elektrodraht sowie die Installation von Blinklampen.