WOHNUNGSBAROMETER: Günstiger wohnen im Toggenburg

Seit Anfang Jahr werden freie Wohnungen in der ganzen Schweiz immer günstiger. Im Kanton St. Gallen sind die Mietzinse besonders tief. Es kommt allerdings darauf an, in welcher Region man wohnen möchte.

Sina Bühler
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Blick auf Wattwil: Im Toggenburg sind Wohnungsmieten und Immobilienpreise vergleichsweise günstig. (Bild: Urs Jaudas)

Blick auf Wattwil: Im Toggenburg sind Wohnungsmieten und Immobilienpreise vergleichsweise günstig. (Bild: Urs Jaudas)

ST. GALLEN. Wer in der Schweiz eine Wohnung mieten will, muss seit Februar weniger dafür ausgeben als noch in den Monaten davor. Dies hat das Vermietungsportal Homegate mit Hilfe der angebotenen Wohnungen berechnet. Der Trend gilt für fast die ganze Schweiz, trotzdem liegen die zurzeit verlangten Mieten in den meisten Kantonen immer noch höher als vor einem Jahr. Mit einigen Ausnahmen: in Luzern, Aargau, Solothurn, Genf, Waadt und St. Gallen sind sie tiefer. In St. Gallen beträgt der Unterschied im Vergleich zu Mai 2015 0,53 Prozent.

See-Gaster am teuersten

Ist es damit leichter geworden, eine günstige Wohnung im Kanton zu mieten? Die Antwort hängt davon ab, in welcher Region gesucht wird. Wie die kantonale Fachstelle für Statistik weiss, gibt es die günstigsten Wohnungen im Toggenburg. Eine Dreizimmerwohnung kostet hier durchschnittlich 991 Franken. Sechs und mehr Zimmer sind für 1704 Franken zu haben. Am höchsten sind hingegen die Mieten im Kreis See-Gaster. Drei Zimmer kosten hier 1286 Franken, sechs und mehr Zimmer gibt es um die 2237 Franken. Der kantonsweite Durchschnitt liegt bei 1154 Franken (3 Zimmer), beziehungsweise 1910 Franken (6 und mehr Zimmer). Diese Zahlen sind zwar erst vor kurzer Zeit veröffentlicht worden, beziehen sich aber auf eine Erhebung, die zwischen 2012 und 2014 stattfand. Dieselbe Zeitspanne deckt das Bundesamt für Statistik ab, was die Verhältnisse in etwa vergleichbar macht. Sie zeigen: Die Mietpreise im Kanton St. Gallen sind im schweizweiten Vergleich tief. Im ganzen Land kosten Dreizimmerwohnungen durchschnittlich 1280 Franken, grosse Familienwohnungen 2402 Franken.

Die Fachstelle für Statistik ermittelt auch den Leerwohnungsstand. Vor einem Jahr lag er bei 1,79 Prozent für den ganzen Kanton. Neuere Zahlen gibt es bisher keine. Damals standen Rheintaler Wohnungen mit 2,41 Prozent besonders häufig leer. Im Sarganserland mit 0,85 Prozent dafür besonders wenig. Liegt die Leerwohnungsziffer unter einem Prozent kann man bereits von einer Wohnungsnot sprechen.

Wohneigentum wird teurer

41,2 Prozent der St. Gallerinnen und St. Galler wohnen aber nicht zur Miete, sondern sind Wohnungs- oder Hausbesitzer. Die höchste Eigentumsquote hat das Toggenburg mit 51,1 Prozent, vor dem Rheintal (50,3 Prozent) und dem Sarganserland (47,7 Prozent). Am häufigsten zur Miete wohnen hingegen die Hauptstädter: Im Wahlkreis St. Gallen ist die Quote der Eigentümer mit 29,6 Prozent am niedrigsten.

Wie die St. Galler Kantonalbank in ihrem Immobilienmarktbericht schreibt, sind die Preise für Eigentumswohnungen im ersten Quartal 2016 überdurchschnittlich stark gestiegen. Heute zahlt man für eine einfache Eigentumswohnung 9 Prozent mehr als noch im Vorjahr. Im mittleren Segment sind die Preise um 5 Prozent gestiegen, im oberen Bereich stagnieren sie. Im Vergleich zur restlichen Schweiz ist das Angebot an Eigentumswohnungen im Kanton gross – und dazu bezahlbar.

Über eine Million für ein Haus

Auch bei den angebotenen Einfamilienhäusern sind die Preise gestiegen: In rund 70 Prozent der St. Galler Gemeinden kosten Häuser inzwischen mehr als eine Million Franken. Vor einem Jahr galt das nur für 60 Prozent der Gemeinden. Viel Geld für ein eigenes Häuschen zahlt man vor allem im Linthgebiet und im Wahlkreis St. Gallen. Es kostet in beiden Regionen durchschnittlich 1,2 Millionen Franken. Viel weniger müssen Kaufwillige im Toggenburg ausgeben. Speziell in Hemberg und Lichtensteig, wo es noch Häuser unter 750 000 Franken gibt. In Bad Ragaz liegen die Preise mit 800 000 Franken nur knapp höher, die Preise sind hier aber besonders stark angestiegen – innerhalb eines Jahres um zehn Prozent. In Buchs scheint diese Welle gerade vorüber: Vor zwei Jahren noch war ebenfalls ein Preisanstieg von zehn Prozent zu beobachten, jetzt sind es nur noch drei Prozent.