WOHNEN: Wer bauen kann, zieht zu

In zwei Dritteln der St. Galler Gemeinden gab es in den letzten Jahren mehr Zu- als Wegzüger.

Katharina Brenner
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Katharina Brenner

katharina.brenner@tagblatt.ch

In den Gemeinden des Kantons St. Gallen lebt es sich gut. Das dürften sich die zahlreichen Zuzüger gedacht haben, die in den vergangenen Jahren in den Kanton gezügelt sind. Aber auch innerhalb des Kantons wird gern gezügelt (siehe Ausgabe vom 18. Februar). In rund zwei Dritteln der Gemeinden hat es zwischen 2012 und 2015 mehr Zu- als Wegzüger gegeben. Der Schweizer Durchschnitt liegt bei 68,8 Prozent. Das geht aus einer Studie des Immobilienunternehmens Wüest Partner auf Grundlage von Zahlen des Bundesamts für Statistik hervor. «Grundsätzlich ist es positiv zu bewerten, dass es im Kanton St. Gallen mehr Zuzüger als Wegzüger gibt», sagt Boris Tschirky, Präsident der Vereinigung St. Galler Gemeindepräsidentinnen und Gemeindepräsidenten (VSGP). Ob ein Zuzug im Einzelnen positiv zu bewerten sei, hänge mit dem jeweiligen Individuum zusammen. Ganz generell seien steuerkräftige Zuzüger beliebt. Nicht jede Gemeinde im Kanton werbe um neue Einwohner, sagt Tschirky. Das hänge jeweils von der Positionierung der Gemeinden ab; jede bringe andere Voraussetzungen mit. Die eine sei eine Arbeits-, die andere eine Wohngemeinde, in der einen gebe es noch viel Bauland, in der anderen wenig.

Bauland ist beim Zügeln ein massgebender Faktor. Zumindest erwähnen Vertreter derjenigen Gemeinden, die eine hohe Zuzügerquote haben und eine vergleichsweise geringe Wegzügerquote, Bautätigkeiten. Dazu gehören Sargans, Kaltbrunn und Rüthi. «In den Jahren 2010 und 2011 wurde in der Gemeinde rege gebaut», sagt Richard Steiner, Leiter des Kaltbrunner Einwohneramts. Daraufhin seien viele Personen in die Gemeinde gezügelt. Diese Entwicklung sei inzwischen abgeflacht, grössere Bautätigkeiten seien nicht geplant. Auch die Gemeindepräsidenten von Rüthi und Sargans führen die hohe Zuzügerquote auf Bautätigkeiten zurück. Buchs gehört ebenfalls zu den Gemeinden mit hoher Zuzügerquote. Stadtpräsident Daniel Gut sagt, Buchs prosperiere seit einigen Jahren. Grund dafür sei die gute Infrastruktur, die Schulen, die Fachhochschule, die Nähe zum Fürstentum Liechtenstein und ein attraktiver Steuerfuss. «Als Regionalzentrum zu wachsen, ist unser strategisches Ziel.»

Unterschiede zwischen den Gemeinden sind gross

Die Zu- und Wegzügerquoten sagen nichts über Geburten und Todesfälle aus. Es geht deshalb nicht um eine zu- oder abnehmende Wohnbevölkerung, sondern rein um die Umzugsbewegungen. Die Quoten geben jeweils an, wie viele Personen gemessen am Mittelwert der Wohnbevölkerung in den Jahren zwischen 2012 und 2015 in eine Gemeinde gezogen oder aus ihr weg gezogen sind. Dazu zählen Personen, die innerhalb des Kantons gezügelt sind, aber auch solche, die aus einem anderen Kanton oder aus dem Ausland nach St. Gallen gekommen sind. In manchen Gemeinden, in Rorschach etwa, sind die Zuzüger- und die Wegzügerquote hoch, hier gibt es folglich eine hohe Fluktuation. Die Unterschiede zwischen den Gemeinden sind gross (siehe Texte rechts). «Allein von der Geografie her ist der Ringkanton sehr heterogen», sagt VSGP-Präsident Boris Tschirky. Die Gemeinden würden ihre Strukturen selber am besten kennen, es sei nicht Aufgabe der VSGP zu bestimmen, wie sich eine Gemeinde positionieren soll.

Die Personengruppen, die im Kanton St. Gallen zügeln, unterscheiden sich gemäss Robert Weinert, dem Verantwortlichen der Studie bei Wüest Partner, ­hingegen nicht vom restlichen Teil des Landes: «Einpersonenhaushalte, Paarhaushalte und Wohngemeinschaften haben die höchste Umzugshäufigkeit.» Einelternhaushalte und Familienhaushalte seien hingegen deutlich immobiler.