WOHNEN: Im Alter wieder ins Dorfzentrum

Dank kluger Planung bringt die Gemeinde Grabs ältere Menschen dazu, aus ihren zu gross gewordenen Häusern in altersgerechte Wohnungen umzuziehen.

René Hornung
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Die vier modernen Wohnhäuser mit den 30 Mietwohnungen unweit von Kirche und Mühlbach. (Bild: René Hornung)

Die vier modernen Wohnhäuser mit den 30 Mietwohnungen unweit von Kirche und Mühlbach. (Bild: René Hornung)

René Hornung

ostschweiz@tagblatt.ch

In Grabs herrschte lange Wohnungsnot. Doch Wohnungen wurden in Buchs oder Sevelen gebaut, für die Werdenberger Gemeinde zeigten die Investoren kein Interesse. Der Gemeinderat reagierte schon vor ein paar Jahren, unter anderem mit einer Umfrage. Er erkundigte sich bei der Bevölkerung auch nach den Wünschen fürs Wohnen im Alter. Das Resultat: Einige Einfamilienhausbesitzer konnten sich vorstellen, später in eine altersgerechte Wohnung im Dorfzentrum umzuziehen.

Die Gemeinde entschied sich, für ein solches Projekt eine freie Parzelle an der Wassergasse in unmittelbarer Nähe von Dorfzentrum und Kirche im Baurecht abzugeben. Dass man überhaupt über eine solche Baulandreserve verfügte, ist der seit längerem betriebenen, aktiven Bodenpolitik der öffentlichen Hand zuzuschreiben.

Dann war es das informelle Netzwerk des Gemeindepräsidenten, das die nun fertiggestellte Überbauung zum Erfolg machte. Er kannte die Pensimo-Gruppe, die in den 1940er-Jahren von Max und Ernst Schmidheiny als Anlagestiftung für Pensionskassen gegründet worden war. Die zu Pensimo gehörende Anlagestiftung Turidomus war bereit, in Grabs zu investieren. Auf der Basis eines Überbauungsplanes wurden fünf Architekturbüros zu einem Wettbewerb eingeladen, den Deon Architekten aus Luzern für sich entscheiden konnten.

Jetzt sind die vier viergeschossigen Häuser mit insgesamt 30 Wohnungen fertig gebaut. Ihre dezente Farbigkeit und die ornamentalen Balkongeländer fallen auf. Die Fassaden sind nicht einfach flächig gestrichen, sondern mit einem besenstrich­artigen Putz überzogen, der die Farben und das Weiss ineinander vermischt. Die sich jeweils gegenüberliegenden Fassaden zeigen die gleichen Farben, die Überbauung als Ganzes changiert in frischen Blau-, Grau-, Rot- und Grüntönen.

Städtebaulich überzeugende Lösung

Nicht nur von der Architektur her, sondern auch städtebaulich ist hier eine überzeugende Überbauung gelungen. Die vier Häuser stehen nicht brav in Reih und Glied, sondern gegeneinander verdreht rund um einen kleinen Hof gruppiert. So entsteht ein Begegnungsort, man trifft sich beim Hinein- und Hinausgehen. Die Überbauung ist für einen Ort wie Grabs keine Selbstverständlichkeit. Hier steht selbstbewusste, zeitgenössische Architektur, die aber den Massstab des Dorfes respektiert. Grabs hat hier zwar nicht selber gebaut, aber indem die Gemeinde den Boden behalten und im Baurecht abgegeben hat, konnte sie immer mitreden.

Der Erfolg zeigt sich bereits: 27 der 30 Wohnungen sind vermietet. Ein grösserer Teil der Zuzügerinnen und Zuzüger sind ältere Menschen, die schon bisher in Grabs wohnten. Sie haben das umgesetzt, was sie in der damaligen Befragung angegeben hatten: Sie verliessen ihre zu gross gewordenen Häuser und wohnen nun in altersgerechten Wohnungen im Dorfzentrum. Die Gemeinde trägt selbst Wichtiges zum Wohlbefinden der neuen Bewohner bei. Sie hat für vorerst drei Jahre die Parterre-Räume in einem der vier Häuser gemietet und stellt sie als Treffpunkt und Anlaufstelle zur Verfügung. Hier soll sich ein Gemeinschaftsleben entfalten können, betont Gemeinderätin Katharina Gächter. Ihre Amtsvorgängerin hatte das Projekt bereits aufgegleist. So gibt es in der Überbauung Auskünfte zu Gesundheit und Alter, eine Physiotherapie- und eine Fusspflegepraxis. Pensimo hat als Investor dafür gesorgt, dass die Neubauwohnungen bezahlbar bleiben. Die Stiftung hat sich auch bei vielen anderen Projekten den Anspruch des bezahlbaren Wohnraums auf die Fahne geschrieben. Architekt Luca Deon und sein Team mussten dafür allerdings auch einige Abstriche machen. So wurde auf die ursprünglich über Eck geplanten Fenster verzichtet, und es sind Kunststofffenster eingebaut. Gewaschen wird in der Waschküche im Keller und in den kleineren Wohnungen gibt es kein zweites WC. Dank solcher und weiterer Sparmassnahmen kosten die 2,5- bis 4,5-Zimmer-Wohnungen zwischen 1500 und knapp 1900 Franken Monatsmiete.