«Wohin führt das Ganze?»

Die Schweizer Einkaufstouristen fallen regelrecht in Konstanz ein: Für die deutschen Zöllner stellen die endlosen Schlangen eine Herausforderung dar. Sie bleiben diplomatisch, auch wenn sie die Situation nicht nur positiv sehen.

Viola Stäheli
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Der Zollbeamte Stefan Teufel stempelt Ausfuhrscheine. (Bild: Andrea Stalder)

Der Zollbeamte Stefan Teufel stempelt Ausfuhrscheine. (Bild: Andrea Stalder)

KONSTANZ. 12 000 Ausfuhrscheine pro Werktag stempelten die deutschen Zöllner an den Grenzübergängen um Konstanz dieses Jahr in den Monaten Januar bis September ab. «Die Tendenz ist steigend», sagt Michael Hauck, Pressesprecher des Hauptzollamts Singen. Vor fünf Jahren seien ausschliesslich Touristen aus den grenznahen Kantonen nach Konstanz gekommen, um hier ihre Einkäufe zu tätigen. Seit dem ersten starken Kursanstieg des Schweizer Frankens vor vier Jahren kaufen nun aber auch Innerschweizer in der deutschen Grenzstadt ein.

Stempelmaschine schont Arme

Das viele Stempeln geht in die Arme der Beamten. «Es gab Fälle, in denen sich Zöllner eine Sehnenscheidenentzündung eingefangen haben», sagt Hauck. Daher sei nun eine Stempelmaschine angeschafft worden. Stefan Teufel ist einer der Beamten, welche das Stempeln der Ausfuhrscheine übernehmen. «Es gibt interessantere Arbeiten, aber auch das muss gemacht werden», sagt er. Meistens sind die Beamten eine Stunde pro Werktag hinter dem Schalter. «Es können aber auch mal bis zu acht Stunden sein», fügt Teufel hinzu. Dies hänge von der Zahl der Schweizer Einkaufstouristen ab.

Viel Geduld mitbringen

Wer samstags nach Konstanz geht, muss Geduld mitbringen. Obwohl der Schweizer Zoll zweispurig geöffnet ist, staut sich der Verkehr bereits auf den Weg in die Konzilstadt. In den Läden ein ähnliches Bild: Warten, warten, warten. Auch am Zoll dauert es an einem Samstag bis zu zehn Minuten bis zur Weiterfahrt. «Für die Kinder ist das Warten am schlimmsten», sagt Teufel. Deshalb haben die Beamten begonnen, den Kindern ebenfalls einen Stempel mit einem Kindermotiv auf den Handrücken zu geben. Diese Stempel sind bei den Kleinen äusserst beliebt. «Einmal musste eine Mutter extra wegen ihres Kindes zum Schalter kommen – der Kleine hat so lange nach dem Kinderstempel gebettelt, bis sie nachgab», erzählt Teufel. Auch Erwachsene sind irgendwann mit ihrer Geduld am Ende. «Das Stempeln verläuft aber in den allermeisten Fällen ruhig», sagt Teufel. Nur manchmal gebe es aufgeladene Situationen. «Nach dem dauernden Warten in den Läden ist es normal, dass man gereizter ist als üblich», sagt Hauck.

Es braucht mehr Personal

Im Bezirk des Hauptzollamts Singen, zu dem auch Konstanz gehört, sind rund 100 Beamte für das Stempeln zuständig. Diese werden bei Hochbetrieb noch von weiteren 25 bis 30 Zöllnern verstärkt. «Ich finde die ständige Zunahme der Einkaufstouristen bedenklich», sagt Hauck. Der deutsche Zoll habe immer mehr Arbeit und es werde immer mehr Personal benötigt. Für die deutschen Zöllner hat der Einkaufstourismus gute sowie auch schlechte Seiten. Die Schweizer Einkaufstouristen sichern zwar Arbeitsplätze in den Grenzgebieten. «Aber wohin soll das Ganze führen?», fragt Stefan Teufel.

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