«Wo sind unsere Trauzeugen?»: Schweizer sucht St.Galler Pärchen, das im Jahr 1989 in Island seine Hochzeitsabsicht bestätigte

Vor rund 31 Jahren heirateten Thomas Gehrig und seine Frau Susan auf einem Zeltplatz in Island. Dafür suchten sie kurzfristig Trauzeugen. Ein St.Galler Paar stellte sich zur Verfügung und wird nun, viele Jahre später, von Braut und Bräutigam gesucht. Die Suchaktion schlägt Wellen.

Remo Künzler
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Die Namen der Trauzeugen wird mit Hilfe eines Facebook-Aufrufes gesucht.

Die Namen der Trauzeugen wird mit Hilfe eines Facebook-Aufrufes gesucht.

Bild: Getty Images

«Wo sind unsere Trauzeugen?», fragt der im Kanton Bern wohnhafte Thomas Gehrig in einem Facebook-Aufruf. Zusammen mit seiner Frau Susan will er jenes Paar finden, das 1989 in Island ihre Hochzeitsabsicht bestätigte. Diese Woche erzählte er seine skurrile Hochzeitsgeschichte sogar dem Radiosender SRF1, um die Namen der verschollenen Trauzeugen herauszufinden.

Die Geschichte scheint wie aus einem Roman: Am zweiten August vor 31 Jahren wollten Thomas Gehrig und seine Frau Susan in Island den Bund fürs Leben schliessen. Das letzte fehlende Puzzleteil waren lediglich die Trauzeugen. So suchten sie auf dem Zeltplatz von Akureyri (ISL) ein Schweizer Paar, das am darauffolgenden Tag bei ihrer Outdoor-Hochzeit den Ehebund bestätigen sollte. «Wir fanden ein St.Galler Paar, das zwar nicht an der Zeremonie teilnehmen konnte, das aber gleichwohl auf dem Zeltboden und auf dem offiziellen Formular unsere Hochzeitsabsicht bestätigte», schreibt Gehrig auf Facebook.

Unverzeihliche Sünde tilgen

«Wir haben uns damals sicher herzlich bedankt, aber in der Euphorie nicht einmal die Namen unserer Trauzeugen notiert», sagt Gehrig. Sie seien damals noch ohne Handy unterwegs gewesen, weshalb die Dokumentation der Hochzeit nicht so ausführlich sei. Er sagt lachend:

«Heute würde man 1000 Bilder aufnehmen.»

Zudem liegen die Akten noch immer auf dem Zivilstandesamt in Island. So sind die Namen auch nach drei Jahrzehnten ein Rätsel.

Zum 30. Hochzeitstag erhielt das Ehepaar ein Geschenk ihrer vier Töchter für eine Übernachtung in den Bergen. «Das Wetter war dermassen schlecht, so dass man sich drinnen unterhalten musste. Wir kamen so auf unsere Hochzeit zu sprechen, was die Suchaktion ausgelöst hat», sagt Gehrig. Nun will die Familie das Geheimnis endlich lüften und ihre «unverzeihliche Sünde» tilgen.

Geschichte auf Facebook geteilt

Um das Paar ausfindig zu machen, nutzt Gehrig die sozialen Medien. «Wir entschieden uns, die Geschichte auf Facebook zu stellen, um vielleicht irgendjemanden zu erreichen, der Informationen hat.» Denn zurzeit fehlen noch einige Details: Er erinnere sich bloss daran, dass das St.Galler Paar mit einem Linienbus unterwegs war, und dass die beiden beruflich etwas mit Biologie zu tun hatten, so Gehrig.

«Wir nehmen an, dass sie damals etwa gleich alt waren. Also sollten sie heute etwa 60 Jahre alt sein.»

Über die sprachliche Herkunft des Paares hat er keine Zweifel: «Für uns war der Ostschweizer Dialekt leicht erkennbar.»

Grosser Support bei der Suchaktion

Schon kurz nach der Veröffentlichung des Facebook-Beitrags haben sich viele Mithelfer gemeldet. «Wir hätten niemals damit gerechnet, dass unser Aufruf so grosse Wellen schlagen würde», sagt Gehrig. Bis zu 90 Prozent der Leute würden sie nicht kennen. Bis gestern hatten bereits mehr als 600 Personen den Aufruf geteilt. «Bombastisch und überwältigend», schreibt Gehrig in einem neuen Facebook-Post. Abschliessend sagt er: «Wenn wir unsere Trauzeugen finden, hoffen wir auf ein gemeinsames Fest.» Und: Einen Sucherfolg würde er auf jeden Fall auf seiner Facebook-Seite verkünden.

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