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WISSENSCHAFT: Universität St.Gallen verteidigt umstrittenen Historiker

Daniele Ganser stellt die Version der US-Regierung zu den Anschlägen vom 11. September in Frage. Kritiker bezeichnen ihn deshalb als Verschwörungstheoretiker. Doch die Universität St. Gallen stellt sich hinter ihren Dozenten.
Michael Genova
Historiker Daniele Ganser ist auf Energiefragen und Geostrategie spezialisiert. (Bild: Christoph Hardt)

Historiker Daniele Ganser ist auf Energiefragen und Geostrategie spezialisiert. (Bild: Christoph Hardt)

Der Historiker Daniele Ganser fordert seit Jahren eine wissenschaftliche Auseinandersetzung mit den Terroranschlägen vom 11. September. Dabei stellt er die offizielle Version der US-Regierung in Frage. So auch kürzlich in einer «Arena»-Sendung des Schweizer Fernsehens, die grosse Aufmerksamkeit erregt hatte. Es sei nach wie vor ungeklärt, ob ein Feuer oder eine Sprengung zum Einsturz des dritten Gebäudes WTC7 geführt habe, so Ganser in der Sendung. Wegen solch umstrittener Thesen bezeichnen Kritiker den Historiker als Verschwörungstheoretiker.

Einst wurde Daniele Ganser eine glänzende wissenschaftliche Karriere prophezeit. Doch wegen seiner Forschung zu 9/11 wurde es für ihn immer schwieriger. Eine Habilitation an der ETH Zürich scheiterte, ebenso ein zweiter Versuch an der Universität Basel. Ganser gründete 2011 sein eigenes Forschungsinstitut Siper in Basel, schreibt seither Bücher und hält Vorträge. Sein einziges Engagement an einer öffentlichen Universität ist in St. Gallen. Hier ist er seit 2012 «Lehrbeauftragter für Reflexionskompetenz» und hält einen Kurs zur «Geschichte und Zukunft von Energiesystemen».

9/11 ist kein Thema in Gansers Kurs

Warum hält die Universität St.Gallen an Daniele Ganser fest? «Die Universität ist dazu da, eine Vielfalt von Stimmen zu Wort kommen zu lassen», sagt Rolf Wüstenhagen, Professor für Management erneuerbarer Energien, der den Kurs gemeinsam mit Ganser betreut. Fragen zum 11. September seien nicht Gegenstand des Unterrichts. Im Kern gehe es um Geschichte und Zukunft verschiedener Energiequellen. Dies sei einer von Gansers Forschungsschwerpunkten.

Seit 2012 haben jeweils rund 40 Studentinnen und Studenten im Herbstsemester den Unterricht bei Wüstenhagen und Ganser besucht. Laut Wüstenhagen hätten sich die Studierenden in den Evaluationen überwiegend positiv geäussert. Der Kurs ist Teil des sogenannten Kontextstudiums. «Die Studierenden sollen dabei über den Tellerrand hinaus denken», sagt Wüstenhagen. Auch im kommenden Herbstsemester wird der Kurs wieder angeboten, die Programmkommission habe ihn bereits bewilligt.

Zu den Vorwürfen an Gansers Adresse sagt Wüstenhagen: «Wer ihn einfach als Verschwörungstheoretiker abstempelt, macht es sich zu einfach.» Ganser stelle Fragen, die andere nicht stellten. Es sei auch Aufgabe einer Universität, Themen aus verschiedenen Perspektiven anzuschauen. Gleichzeitig spricht Wüstenhagen von einer Gratwanderung. «Wer immer dieselben Fragen stellt, stösst auch bei Kreisen auf Resonanz, die meinen, es gebe keine Wahrheiten auf der Welt.» Eine solche Gratwanderung stelle hohe Ansprüche an das Urteilsvermögen.

Daniele Ganser bezeichnet die Kritik an seiner Person als ungerechtfertigt. Sie hätten keinen Einfluss auf seine Lehrtätigkeit an der Universität St. Gallen. Neben diesem Engagement sei er durch seine Vortragstätigkeit und als Buchautor völlig ausgelastet. Deshalb habe er sich nie um Lehraufträge an anderen Universitäten beworben. Ganser verteidigt sein Recht, Fragen zu stellen und Aspekte des 9/11-Terroranschlags in Zweifel zu ziehen. «WTC7 ist ein Denkverbot, kaum jemand traut sich in der Schweizer Wissenschaft, dieses Thema genau zu untersuchen.» Als er an der ETH Zürich dazu forschte, habe es sofort Druck gegeben, diese Forschung einzustellen. Anders als in der Schweiz werde in den USA zu 9/11 geforscht. So untersuche Leroy Hulsey von der Universität Alaska den Einsturz von WTC7 seit drei Jahren und werde im September seine Forschungsresultate vorlegen.

Michael Genova

michael.genova@ostschweiz-am-sonntag.ch

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