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WIRTSCHAFTSVERBAND: Weigelts gutgeölte Maschine

Kurt Weigelt tritt als Direktor der Industrie- und Handelskammer St. Gallen-Appenzell ab. Zwischen ihm und Nachfolger Markus Bänziger gibt es Gemeinsamkeiten – aber auch diverse Unterschiede.
Andri Rostetter
Erfahrung mit politischen Stürmen: Kurt Weigelt, Markus Bänziger. (Bilder: Urs Bucher, PD)

Erfahrung mit politischen Stürmen: Kurt Weigelt, Markus Bänziger. (Bilder: Urs Bucher, PD)

Andri Rostetter

andri.rostetter@tagblatt.ch

Kurt Weigelt hört auf. Der Direktor der Industrie- und Handelskammer St. Gallen-Appenzell übergibt die Direktion nach zwölf Jahren an den Teufner Markus Bänziger. Weigelt wird der IHK noch bis Ende 2019 als «persönlicher Mitarbeiter» von Bänziger erhalten bleiben, wie es in einer Mitteilung heisst.

Der gebürtige St. Galler mit Jahrgang 1955 hat dem Verband in den vergangenen Jahren seinen Stempel aufgedrückt – die IHK, das war auch Kurt Weigelt. Der Jurist mit Doktortitel, der nach seiner Ausbildung zusammen mit seiner Frau ein Papeterie-Unternehmen gekauft hatte, war kein Hinterzimmer-Lobbyist, er suchte regelmässig die ­Öffentlichkeit. Weigelt zeigte sich überzeugt: Die Politik wartet nicht auf die IHK, der Verband muss das Heft selber in die Hand nehmen. «Die Zeiten, als die Verwaltung auf die Sachkompetenz der Verbände angewiesen war, gehören der Vergangenheit an. Die Wirtschaftsverbände müssen ihre Rolle deshalb neu definieren», hielt er in einer seiner zahlreichen Schriften fest. Weigelt suchte die Debatte nicht nur, er zettelte sie auch gern selber an.

Unter seiner Führung warf die IHK fast im Jahresrhythmus provokante Vorschläge und Thesen in den politischen Ring: 2010 präsentierte er mit dem «Tempotarif» ein alternatives Finanzierungsmodell für die Bahn, 2013 forderte er eine komplette Neuordnung der St. Galler Spitalpolitik. Eines von Weigelts Steckenpferden war die Bildungspolitik: 2011 schlug er eine «Hochschulabgabe» vor – was vor allem eine Verteuerung des Hochschulstudiums bedeutet hätte. Sympathien brachte ihm 2014 seine ­Forderung an die ETH ein, in Wil ­einen Ableger zu gründen. Der Aufruf verlief im Sand. Nicht so der nächste Coup: Ein Jahr nach den ETH-Plänen stellte die IHK der Uni St. Gallen einen Check über 200000 Franken aus, verknüpft mit der Forderung nach einer Machbarkeitsstudie zu einem «Studienschwerpunkt Informatik».

KV, Versicherungen, Textilbranche

Mit dem Ruf nach einer «digitalen Wende» hatte der IHK-Direktor durchaus Erfolg: Der Kanton arbeitet mittlerweile an einer ­Informatik-Offensive, das Volk soll bald über einen 75-Millionen-Kredit abstimmen. Nicht selten lösten die Positionen der Verbandsleitung aber auch in den eigenen Reihen Kopfschütteln aus, wie jüngst die Ja-Parole zur No-Billag-Vorlage.

Weigelt hinterlässt seinem Nachfolger eine gut geölte Lobby-Maschine mit professionellen Strukturen und besten Verbindungen in die Politik – der politische Leiter der IHK, Michael Götte, ist gleichzeitig SVP-Fraktionschef im Kantonsrat. Markus Bänziger wird sich also direkt in die Verbandsarbeit stürzen können, wenn er im November das Ruder übernimmt. Wie das funktioniert, weiss der Ausserrhoder von seiner Tätigkeit als Vizepräsident der Wirtschaft Region St. Gallen (WISG), der Lobbyorganisation der Unternehmen der Stadt und der umliegenden Gemeinden. Im Gegensatz zu Weigelt ist Bänziger weder Akademiker noch Firmenbesitzer. Er hat eine KV-Lehre gemacht, die Höhere Wirtschafts- und Verwaltungsschule und diverse Weiterbildungen absolviert. Einen grossen Teil seines Berufslebens verbrachte er bei Versicherern, mit einem Abstecher in die Textilbranche: Von 2010 bis 2016 war er Mitglieder der Geschäftsleitung der Forster Rohner AG in St. Gallen. Heute arbeitet er als Geschäftsführer der Beratungsfirma Helvetia Consulting.

Spesenaffäre unbeschadet überstanden

Mit Jahrgang 1967 ist Bänziger zwölf Jahre jünger als Weigelt –und damit exakt so alt wie sein Vorgänger bei seinem Amtsantritt als IHK-Direktor. Es ist nicht die einzige Gemeinsamkeit: Wie Weigelt ist auch Bänziger FDP-Mitglied. Und wie Weigelt kandidierte auch Bänziger erfolglos für den Nationalrat. Bänzigers Versuch liegt dabei weniger lange zurück: Er trat 2015 zu den eidgenössischen Wahlen an, Weigelt letztmals 2011. Politisch ist ­Bänziger aber kein gänzlich unbeschriebenes Blatt. Seit 2012 ist er Vizepräsident von Teufen. Als 2015 im Dorf der Spesenskandal hochkochte, stand Bänziger als Präsident der Finanzkommission mittendrin – und als einer der ­wenigen im Teufner Gemeindehaus überstand er die Affäre unbeschadet und mit reiner Weste. Bänziger hat also Erfahrung mit politischen Stürmen. Neu dürften für den dreifachen Familienvater allerdings die Dimensionen seines Wirkungskreises sein: Die IHK St. Gallen-Appenzell vertritt rund 1500 Unternehmen mit insgesamt 85000 Mitarbeitenden.

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