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Wirt mit Judo-Wurf verletzt

Das Kreisgericht Werdenberg-Sarganserland hat einen Mann freigesprochen, dem Körperverletzung vorgeworfen wurde. Er hatte im Streit einen Wirt verletzt. Doch das war Notwehr und somit erlaubt.
Reinhold Meier

MELS. Die Stimmung muss eher angeheitert gewesen sein an jenem ominösen Abend. Nach einem sogenannten Budenfest landete eine Kollegentruppe in einer Beiz. So viel war klar. Und so führte es der Beschuldigte auch an Schranken aus. «Die Stimmung war aufgeheizt», erklärte der wenig furchteinflössende und eher schmächtig wirkende Bursche. «Wir waren in Festlaune.» Davon, dass die Wirtin seine Gruppe ermahnt habe, leiser zu sein, hätte er erst später von der Polizei gehört.

Angriff oder Notwehr?

Eingestanden hat er hingegen, dass sich der im Ausgang eher unerfahrene, schmale Jüngling von der aufgekratzten Stimmung mitreissen liess. «Dann habe ich im Überschwang ein Bierglas auf den Boden geworfen.» Das sei ein Fehler gewesen, den er bereue. Doch völlig unvermittelt sei er daraufhin von hinten angegriffen worden und habe sich alsbald in einem Schwitzkasten befunden. Er bekam Angst. «Ich wusste nicht, wer es war, und auch nicht, warum», erinnerte er sich an die Zwangslage. «Ich wollte mich nur noch befreien.»

Doch der Angreifer, der sich als Wirt des Lokals entpuppte, schleifte ihn durch den Raum, schlug dabei seinen Kopf gegen eine Tür und beförderte ihn schliesslich ins Freie. «Nach dem Schlag hatte ich nur noch den Impuls: Jetzt muss ich raus.» Mit einer Art Purzelbaum, so sein Anwalt, kippte er nach vorne und rollte ab. «Das ist im Judo eine defensive Strategie», hielt der gelernte Judoka fest. «Ich wollte mich nur befreien.» Ihm sei nicht klar gewesen, dass der andere sich verletzen konnte. Genau dies aber passierte. Der Wirt knallte mit seinem Kopf auf den Asphalt und zog sich eine Schädelprellung mit Bluterguss zu. In der Folge musst er zwei Tage ins Spital und war zwei Wochen arbeitsunfähig. Die Anklage warf dem jungen Mechaniker vor, diese Verletzung zumindest billigend in Kauf genommen zu haben. Dafür sei er mit 20 Tagessätzen à 30 Franken sowie einer Geldbusse von 200 Franken zu bestrafen.

Unangemessen reagiert

Ferner solle eine Genugtuung von 2000 Franken fällig werden sowie Schadensersatz von 3235 Franken, dazu die gesamten Verfahrenskosten und die Kosten des gegnerischen Anwalts. Die Verteidigung hingegen plädierte auf Freispruch, namentlich wegen der Notwehrsituation. «Mein Mandant hat im jugendlichen Übermut ein Glas fallen gelassen», erklärte der Verteidiger. Das sei sicher nicht in Ordnung gewesen. Deshalb habe der Beschuldigte das auch schon am nächsten Morgen, versehen mit einer Entschuldigung und 250 Franken in bar, von sich aus postwendend ersetzt. Völlig unangemessen sei jedoch die Reaktion des Wirts gewesen.

Das Gericht folgte dieser Darstellung. «Ein kaputtes Glas rechtfertigt keinen körperlichen Zwang», hiess es ohne Umschweife. Der Beschuldigte habe sich nach den Umständen korrekt verhalten, ihn treffe kein Verschulden, obschon er den Wirt unzweifelhaft verletzt habe. Weil er somit in Notwehr handelte, wurde die beantragte Genugtuung abgewiesen. Der Staat trägt die Verfahrenskosten.

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