"Wir wurden von der Aktion überrascht"

ST.GALLEN. Günstig zieht immer – auch bei Kehrichtsäcken. Mit einer einmaligen Werbeaktion hat der Media Markt St.Gallen versucht, Kunden am Sonntagsverkauf in den Laden zu locken. Die Entsorgungsbetriebe wussten nichts von der Kampagne.

Alexandra Pavlovic
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Mit diesem Inserat warb der Media Markt um die Gunst der Kunden. (Bild: Hanspeter Schiess)

Mit diesem Inserat warb der Media Markt um die Gunst der Kunden. (Bild: Hanspeter Schiess)

Neun statt zwanzig Franken für eine 35-Liter-Kehrichtsack-Rolle: Das klingt zu schön, um wahr zu sein. Und doch konnte jeder am vergangenen Sonntag dieses Schnäppchen beim Media Markt St.Gallen erwerben.

Dass das Angebot bei den Kunden positiv ankam, bestätigt Séverine de Rougemont, Mediensprecherin von Media Markt. "Die Aktion war ein voller Erfolg", sagt sie. Mehrere hundert Besucher hätten den Media Markt am Sonntag besucht. Wie viele Kehrichtsäcke über den Ladentisch gingen, kann sie nicht genau sagen.

"Eine einmalige Aktion"
Wie aber ist es möglich, dass ein Unternehmen Kehrichtsäcke vertreibt, obwohl das Produkt gar nicht zu ihrem Kerngeschäft passt und diese zu einem derart günstigen Preis anbietet? Gemäss de Rougemont hat das Unternehmen den Verkauf von Abfallsäcken neu ins Sortiment aufgenommen. "Damit wollen wir unseren Kunden einen zusätzlichen Service bieten", so die Mediensprecherin. Es sei doch praktisch, wenn man nicht immer zu den Lebensmittel-Grosshändlern stressen müsse, um sich die Abfallsäcke zu besorgen, sondern diese nun auch an einer anderen Verkaufsstelle bequem beziehen könne.

"Der Preis von neun Franken ist aber eine einmalige Aktion", betont de Rougement. Damit will Media Markt nicht nur auf sein neues Angebot aufmerksam machen, sondern auch mehr Kunden in seine Läden locken. "Aufgrund des starken Frankens verspüren wir schon einen leichten Kundenrückgang", sagt sie. Man wolle mit der Massnahme den Besuchern auch einmal etwas Neues gönnen.

Ist eine derartige Lockvogelaktion aber auch rechtens? Die Kehrichtsäcke sind laut de Rougemont zum regulären Preis eingekauft worden. Somit mache Media Markt keinen Gewinn mit diesem Angebot, denn: Die Differenz von elf Franken trage der Elektronik-Grosshändler selbst. Negative Reaktionen seitens der Entsorgungsbetriebe seien bisher keine eingegangen.

Mit diesem Inserat warb der Media Markt um die Gunst der Kunden. (Bild: Hanspeter Schiess)

Mit diesem Inserat warb der Media Markt um die Gunst der Kunden. (Bild: Hanspeter Schiess)

Aggressive Verkaufspolitik
Für die Werbeaktion wurden die Kehrichtsäcke der A-Region (St.Gallen-Rorschach-Appenzell), der Stadt St.Gallen sowie des Zweckverbands Abfallverwertung Bazenheid (ZAB) verkauft. Von der Kampagne Bescheid gewusst hat keines der drei Unternehmen. "Wir wurden von der Aktion überrascht", sagt etwa Marco Sonderegger, Leiter der Fachstelle Entsorgung St.Gallen. Er hatte vorab keine Kentnisse von diesem Inserat. "Wir wissen, dass Media Markt seit September Kehrichtsäcke in ihr Sortiment aufgenommen hat." Dass das Unternehmen, aber mit dem Gebührensack aggressiv Verkaufspolitik betreibe, damit habe bei Entsorgung St.Gallen niemand gerechnet.

Als Verkaufsorgan beliefere die Entsorgung St.Gallen den Media Markt nicht direkt. "Der Einkaufspreis für die Kehrichtsäcke ist für alle gleich. Genauso wie der Verkaufspreis für alle gleich ist", sagt Sonderegger weiter. Dieser betrage für eine 35-Liter-Rolle 20 Franken. Somit dürfe der Verkaufspreis eigentlich nicht variieren.

Rechtliches Nachspiel
Die Entsorgung der Stadt St.Gallen prüft derzeit mit dem Rechtsdienst der Stadt, ob die Aktion rechtens war. "Die Sonderaktion erinnert mich an die Vignetten-Aktion von vor zwei Jahren", sagt Sonderegger. Damals konnte jeder die Vignette für 30 statt der üblichen 40 Franken kaufen und das schon im November. Gesetzlich wäre der Verkauf aber erst ab 1. Dezember erlaubt gewesen. Der Eidgenössischen Zollverwaltung stiess das sauer auf, weshalb die Zollbehörde den Verkauf untersagte.

Für Sonderegger ist klar, dass es nicht sein kann, dass ein Grossverteiler eine gebührenfinanzierte Dienstleistung für eine Werbeaktion zu einem anderen Preis anbieten soll. Auch wenn es die Differenz der Kosten selber trage. "Das Kleingewerbe oder der Dorfladen sind dann im Nachteil, weil sie nicht die gleichen Möglichkeiten der Querfinanzierung haben."

"Nur eine Werbestrategie"
Weit weniger schlimm finden die Werbemassnahme die Kehrichsackvertriebe der A-Region und der ZAB. "Der Media Markt St.Gallen ist eine offizielle Verkaufsstelle für unsere Kehrichtsäcke. Wenn das Unternehmen unsere Säcke nutzt, um sie in eine Marketingaktion einzubauen und die Differenz zum offiziellen Verkaufspreis 'aus der eigenen Tasche' bezahlt, können wir nichts dagegen haben", sagt Urs Corradini, Kommunikationschef der ZAB.

Ähnlich tönt es auch bei Thomas Huber, Geschäftsführer der A-Region. "Wir haben von der Aktion nichts gewusst. Da es aber nur eine einmalige Sache war, denken wir nicht, das es negative Reaktionen darauf geben wird", sagt Huber. Im Endeffekt sei das Ganze einfach eine Werbestrategie, die Leute in die Filiale zu locken. "Somit nichts Neues." Er werde diesbezüglich aber dennoch das Gespräch mit Media Markt suchen, so Huber