«Wir wollen zeigen, dass es auch ohne dumme Schlagzeilen geht»: So will der Organisator der Romanshorner Rockfähre sein Festival ohne Maskenpflicht durchführen

Am Wochenende stossen Rockfans auf der Fähre Euregia für das zweitägige Festival «Swiss Rock Cruise» in den Bodensee. Mit Lederjacke – aber ohne Mundschutz. Auf der Bodenseefähre sei genug Platz für den Sicherheitsabstand, sagt der Veranstalter.

Sheila Eggmann
Merken
Drucken
Teilen
Mit dem Slogan «Yes we can» präsentiert sich das Rockfestival auf Instagram.

Mit dem Slogan «Yes we can» präsentiert sich das Rockfestival auf Instagram.

Bild: PD

Das letzte Mal ging es nicht gut. Die Partyveranstalter, die vor rund zwei Wochen mit Electrobeats und rund 600 Gästen auf der Fähre Euregia in den Bodensee stachen, haben nun eine Strafanzeige am Hals. Der Regierungsrat hat sie eingereicht mit der Begründung, die Organisatoren hätten die Corona-Schutzmassnahmen sträflich vernachlässigt. Denn die Feiernden haben sich nicht an die auf dem Schiff geltende Maskenpflicht gehalten.

Aufgeflogen ist die Geschichte wegen Fotos und Kurzfilmen, die unter anderem in den sozialen Netzwerken geteilt wurden. «Ich werde keine Events mit Maskenpflicht mehr durchführen», sagte der Organisator nach dem Fiasko.

Das schreckt Daniel Oppliger nicht ab. Er lädt dieses Wochenende zu einer zweitägigen Rock-Kreuzfahrt auf demselben Schiff ein. Abfahrtsort ist beim Hafen in Romanshorn. Mit dabei sind Krokus-Sänger Marc Storace, Kult-Rocker China oder die Band Gotus. Oppliger macht alles anders: Er verzichtet von Anfang an auf die Maskenpflicht. Dafür begrenzt er die Besucheranzahl auf maximal 300. «Somit bleib genügend Platz für ‹Social Distancing›!», schreibt er auf seiner Website.

PD

Die Party ist zulässig

Ist man sonst mit der Fähre oder einem Kursschiff der Schweizerischen Bodenseeschifffahrt (SBS) unterwegs, muss man eine Maske tragen. Auch wenn man weit und breit der einzige Passagier an Bord ist. Und bei einem Festival mit mehreren Hundert Personen soll dies nicht mehr nötig sein. Ist das «Swiss Rock Cruise» so zulässig?

Ja, sagt der Kanton. «Die SBS fällt in die Kategorie des öffentlichen Verkehrs, darum muss bei ihnen eine Maskentragepflicht durchgesetzt werden», schreibt er auf Anfrage. Beim Festival «Swiss Rock Cruise» handle es sich hingegen um eine Veranstaltung. Diese sei ausserdem nicht öffentlich zugänglich. «Zum Tragen kommt hier die Rückverfolgbarkeit der Passagiere für das Contact-Tracing.»

Die Epidemiologen wollen nicht Stellung nehmen

Zulässigkeit hin oder her – ob die unterschiedlichen Regelungen aus epidemiologischer Sicht Sinn ergeben, ist unklar. Die Experten des Spitals Münsterlingen sowie die der nationalen Science-Taskforce wollten dazu keine Stellung nehmen. SBS-Chefin Andrea Ruf hingegen stellt sich klar hinter das Festival. Sie sagt:

Andrea Ruf, Geschäftsführerin SBS.

Andrea Ruf, Geschäftsführerin SBS.

Bild: Andrea Stalder
«Wir sind froh, dass es Veranstalter gibt, die noch einen Event durchführen.»

Ruf weist darauf hin, dass die Organisatoren Profis seien, sich genau mit den Coronarichtlinien auseinandergesetzt hätten und über ein entsprechendes Schutzkonzept verfügen würden. Bei der Umsetzung appelliert Oppliger an den gesunden Menschenverstand.

Dass es beim «Swiss Rock Cruise» so ausufern wird wie beim Electrofestival, davon geht der Veranstalter nicht aus. «Wir wollen zeigen, dass es auch ohne dumme Schlagzeilen geht.» Bei seinem Festival sei es gut möglich, die Abstandsregeln einzuhalten. Ausserdem ziehe es ein anderes Publikum an. «Unsere Besucher sind eher älter und deshalb leichter zu erreichen.»

«Unser Ziel ist nicht, Profit zu machen»

Und doch: Die Veranstaltung steht quer in der Landschaft. Überall gibt es Absagen. Oder negative Schlagzeilen, wie die der «Chlööpf dii wäg!!!»-Party, bei der sich mehrere Gäste mit dem Coronavirus angesteckt haben. Wieso hält Oppliger also an seinem Festival fest? Am Geld kann es nicht liegen: Bis jetzt sind für das zweitägige Festival auf der «Euregia» rund 150 Tickets verkauft worden. «Unser Ziel ist nicht, Profit zu machen», sagt Oppliger.

«Wir wollen zeigen, dass man trotz der momentanen Situation etwas auf die Beine stellen kann.»

Der Kanton ist nach der letzten «Euregia»-Party hellhörig geworden. Es ist wahrscheinlich, dass er dieses Mal besonders genau hinschauen wird.