«Wir wollen nachziehen»: Zürcher Verkehrsbund schafft den Nachtzuschlag ab – Ostwind will es ihm gleichtun

Seit Jahren wird diskutiert, ob der Nachtzuschlag noch zeitgemäss ist. Jetzt schafft ihn Zürich als erster Kanton ab. Ostwind will nachziehen.

Eva Wenaweser
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Der Nachtzuschlag beträgt momentan noch fünf Franken.

Der Nachtzuschlag beträgt momentan noch fünf Franken. 

Bild: Ralph Ribi

Es ist sechs Jahren her, dass die Juso St.Gallen den Nachtzuschlag von fünf Franken abschaffen wollte, den man zusätzlich zum Billett noch zahlen musste. Im Jahr 2014 lancierte die Juso eine Petition, in der sie die Abschaffung des Nachtzuschlages forderten – erfolglos.

Anders sieht es in Zürich aus: Wie der Tagesanzeiger schreibt, hat der Kantonsrat Zürich am Montag beschlossen, dass der Nachtzuschlag im Zürcher Verkehrsbund (ZVV) abgeschafft werden soll. Die Umsetzung werde voraussichtlich Ende 2022 in Kraft treten. Aber es werde bereits auf den Dezember diesen Jahres ein neues Nachtnetzkonzept im  Fahrplanwechsel umgesetzt. 

Es soll keine Alleingang geben 

Wie Werner Thurnheer, Geschäftsführer Tarifverbund Ostwind, auf Anfrage sagt, sei die Streichung des Nachtzuschlags für die Ostschweiz letztes Jahr erneut besprochen worden, als die Thematik in Zürich aufkam. Aufgrund des zusammenhängenden Nachtnetzes von Ostwind mit dem ZVV, wolle man keinen Alleingang machen:

«Wenn der ZVV die Streichung des Nachtzuschlags umsetzt, wollen wir nachziehen.» 

Grundsätzlich sei er noch nie ein Fan vom Nachtzuschlag gewesen, daher finde er diese Entwicklung durchaus positiv. Bisher war der Zuschlag aber notwendig, um die politischen Vorgaben zu erfüllen. Bis zur endgültigen Umsetzung müsse jedoch noch einiges abgeklärt werden – vordergründig die Kostenfrage. Die Produktionskosten seien nachts generell höher, da weniger Kunden befördert werden als am Tag und man daher auch weniger Einnahmen habe. Trotzdem gebe es Schichtzulagen und Kontrollen zu zweit, um die Sicherheit für die Passagiere und das Personal gewährleisten zu können. Um so trotzdem den minimalen Deckungsgrad zu erreichen, seien sie deshalb auf den Fünfliber angewiesen gewesen. 

Optimismus bei der Juso St.Gallen

Timo Räbsamen, der Präsident der Juso St.Gallen zeigt sich erfreut über den Entscheid des Zürcher Kantonsrats. Der Nachtzuschlag betreffe meistens junge Leute, die oft sowieso schon wenig Geld haben, sagt er.

«Der Zuschlag macht das Zugfahren in der Nacht unattraktiv.»

Man sollte sich dafür einsetzen, dass die Leute zu jeder Zeit gerne mit dem Zug fahren. Dafür sei die Abschaffung des Nachtzuschlags ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Auch, um vor allem für junge Leute, das Zugfahren wieder attraktiver zu machen. 

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Der Tarifverbund Ostwind hat am Montag bekanntgegeben, dass der ermässigte Lokaltarif für Einzelbillette und Abos in verschiedenen grösseren Orten demnächst entfällt. Unter anderem ist Wattwil von dieser Änderung betroffen. Werner Thurnheer, Ostwind-Geschäftsführer, erklärt die Hintergründe.

Juso will Nachtzuschlag abschaffen

Heute lanciert die Juso St. Gallen eine Petition, in der sie die Abschaffung des Nachtzuschlags fordert. Wer nachts Zugfahren will, zahlt in der Ostschweiz zusätzlich zum normalen Billett einen Zuschlag von fünf Franken.