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«Wir waren parat für die Flucht»: Zeitzeugen aus dem Rheintal über den Zweiten Weltkrieg

Fast jeder hier hat schon davon gehört. Von der Angst der Rheintaler Bevölkerung vor einem Einmarsch der Deutschen im Zweiten Weltkrieg. Fabian Monn hat Zeitzeugen befragt und eine Doku gedreht.
Andrea C. Plüss

Es geht um die Nacht vom 11. auf den 12. Mai 1940. Eine Nacht der Angst für die Rheintaler Bevölkerung. Eine Nacht, an die sich Klara Lutz, Jakob Grüninger, Walter Kobler und Paulina Grüninger noch heute erinnern. Die deutsche Armee war einen Tag zuvor in Belgien, Holland und Luxemburg einmarschiert. In der Schweiz reagierte General Guisan mit der Generalmobilmachung von 700'000 Soldaten. Vor allem die Rheintaler packte die Angst.

Ein Gerücht macht die Runde

Deutsche Truppen standen unweit entfernt in Vorarlberg, sie waren zu hören und auch zu sehen. «Mein Vater hat mir auf der Karte gezeigt, dass sich deutsche Truppen in Bludenz befinden», sagt Walter Kobler, Alt-Gemeindepräsident aus Rüthi. Klara Lutz erinnert sich, wie ein Lehrer, seinerzeit Soldat, den deutschen Angriff für den 11. Mai vorhersagte: «Die Nacht kömmets.» Die Mutter habe den Kindern je einen Rucksack gerichtet, der neben den Betten lag. Frauen seien «mit dem Handwägeli» Richtung Thal unterwegs gewesen, weg von der Grenze. Der 93-jährige Jakob Grüninger erinnert sich, dass manch einer, der es sich leisten konnte, ins Appenzellische geflüchtet sei.

Fabian Monn, Redaktor bei TVO, war durch ein Gespräch mit seinem Schwiegervater auf das Thema gestossen. Um Zeitzeugen ausfindig zu machen, schrieb er alle Altersheime im Rheintal an. «Sie haben mich sehr gut unterstützt», sagt Monn. Über die Nacht der Angst gibt es kein einziges offizielles Dokument. «Angst und Gerüchte zeigten sich im Privaten, nicht in den Amtsstuben», sagt Michael Jäger, Historiker im Staatsarchiv St.Gallen.

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