«Wir waren ein Zufallsopfer»

Ein Hund, der auf ein mit «Charlie Hebdo» bezeichnetes Grab pinkelt: Dieses Sujet war am Dienstag auf der Website des Rapperswiler Technikunternehmens Hiwin GmbH zu sehen. Geschäftsführer Daniel Schraner zum Hackerangriff.

Daniel Walt
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So wie auf diesem Screenshot sah die Website des Rapperswiler Unternehmens Hiwin GmbH am Dienstagmorgen aus. (Bild: pd)

So wie auf diesem Screenshot sah die Website des Rapperswiler Unternehmens Hiwin GmbH am Dienstagmorgen aus. (Bild: pd)

Herr Schraner, wie wurden Sie darauf aufmerksam, dass vermutlich Islamisten die Website Ihres Unternehmens gehackt haben?

Daniel Schraner: Unsere französische Tochtergesellschaft machte uns darauf aufmerksam. Ich selbst hatte es gar nicht bemerkt, weil ich am Dienstagvormittag nicht auf unserer Website surfte.

Gingen auch Kundenreaktionen deswegen ein?

Schraner: Ja, die eine oder andere. Aber nicht im grossen Stil. Unsere Homepage hat rein informativen Charakter, wir betreiben dort keinen Webshop oder ähnliches.

Sie hätten sich wohl kaum je vorgestellt, dass Ihre Firma Zielscheibe von «Cyber-Jihadisten» sein würde, wie «20 Minuten» die Hacker bezeichnete.

Schraner: Nein. Wir sind politisch-religiös völlig neutral.

Was ging Ihnen durch den Kopf, als Sie auf Ihrer Homepage das Sujet – einen Hund, der auf ein mit «Charlie Hebdo» beschriftetes Grab pinkelt, sowie das islamische Glaubensbekenntnis – sahen?

Schraner: Ich bin gegen Verunglimpfungen jeder Art, egal wen sie betreffen. Wo die Grenzen zu ziehen sind, sollen andere beurteilen.

Dann stösst Sie dieses Sujet nicht ab?

Schraner: Es liegt nicht an mir, mich dazu zu äussern. Wenn man zu viel auf solche Dinge gibt, entstehen sofort irgendwelche Probleme.

Worauf führen Sie den Angriff auf Ihre Website zurück?

Schraner: Das war sicher keine gezielte Attacke – wir waren ein Zufallsopfer. Unser Internetauftritt wird von Frankreich aus betreut. Dort wurden Tausende Sites angegriffen – auf vielen von ihnen soll dasselbe Sujet wie bei uns zu sehen gewesen sein.

Inwieweit war der Terroranschlag auf «Charlie Hebdo» vom 7. Januar in Ihrer Firma ein Gesprächsthema?

Schraner: Wir haben im Moment keine moslemischen Mitarbeiter. Ich mache die Personalrekrutierung auch nicht von der religiösen Zugehörigkeit abhängig. Von daher beschäftigt uns das Ende des Euro-Mindestkurses aktuell mehr – dieses Thema wird mehr diskutiert als die Geschehnisse von Paris.

Wie lange hat es gedauert, bis Ihre Website wieder in gewohnter Form aufgeschaltet war?

Schraner: Im Lauf des späteren Vormittags war sie wieder erreichbar. Es war eine kleinere Sache, die auch keine Schäden angerichtet hat.

Welche Vorkehrungen trifft Ihre Firma, damit sich so etwas möglichst nicht mehr wiederholt?

Schraner: Unser Hoster in Frankreich hat die Sicherheitsmassnahmen hochgeschraubt. Man muss sich aber klar sein: Die totale Sicherheit gibt es nicht – weder im Internet noch in der realen Welt. Schon ganz andere Firmen oder Institutionen haben solche Angriffe erlebt, beispielsweise kürzlich ja das US-Militär.

Daniel Schraner Geschäftsführer Hiwin GmbH (Bild: pd)

Daniel Schraner Geschäftsführer Hiwin GmbH (Bild: pd)