«Wir verteilen nicht wahllos Geld»

Inner Wheelerin Ursula Eigenmann und Rotarier Florin Rupper sind überzeugt, dass Serviceclubs Zukunft haben. Soziales Engagement liege in der Natur des Menschen. Die beiden amteten ein Jahr lang als Governors in ihren Clubs.

Gisela Tobler
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«Man muss bereit sein, sich uneigennützig zu engagieren»: Ursula Eigenmann und Florin Rupper. (Bild: Ralph Ribi)

«Man muss bereit sein, sich uneigennützig zu engagieren»: Ursula Eigenmann und Florin Rupper. (Bild: Ralph Ribi)

Die Vorurteile kursieren noch immer: Dass es sich bei Serviceclubs wie Rotary und Inner Wheel um eine elitäre Vereinigung von ausgewählten Persönlichkeiten handle. Dass man sich unter dem Deckmantel von Wohltätigkeit und Nächstenliebe gegenseitig wirtschaftlich Vorteile zuschanze. Und dass Normalsterbliche sowieso nicht aufgenommen würden. Manche sprechen auch von «Geheimclub» oder gar von «Sekte».

«Immer diese Behauptungen und Vorurteile», ärgern sich Ursula Eigenmann aus St. Gallen und Florin Rupper aus Rorschacherberg, die sich beide für ihre Sache ausserordentlich begeistern und es leid sind, sich für ihr Tun rechtfertigen zu müssen. Ein Jahr lang trugen die beiden den Titel Governor. Sie als Oberhaupt des Distrikts Schweiz-Liechtenstein der weltweit grössten Frauenorganisation Inner Wheel. Und er als Chef des Distrikts Ostschweiz-Graubünden-Liechtenstein von Rotary International. Mitte Jahr wechseln jeweils die Amtsträger. Inner Wheel und Rotary sind selbständige Organisationen, sind jedoch durch eine gemeinsame Entstehungsgeschichte verbunden.

Führungsposition erwünscht

Tatsache ist, dass man weder Rotary noch Inner Wheel wie in einem gewöhnlichen Verein beitreten kann. Wer Rotarierin oder Rotarier werden will, sollte eine Führungsposition in Wirtschaft, Gesellschaft, Politik oder Wissenschaft vorweisen können und muss von einem Mitglied vorgeschlagen werden. Florin Rupper präzisiert: «Vor allem muss man bereit sein, sich sozial uneigennützig zu engagieren. Wer nur wegen des schönen Abzeichens und des klingenden Namens dabei sein will, soll es besser bleiben lassen.» Natürlich könne er nicht für jedes Mitglied die Hand ins Feuer legen, «wir sind ja alle nur Menschen».

«Unsere ethischen Ansprüche sind ebenso hoch, und auch wir freuen uns über aktive und engagierte Mitglieder», erklärt Ursula Eigenmann, «wobei bei uns eine Führungsposition nicht Voraussetzung ist.» Im In- und Ausland werden soziale Projekte unterstützt, zu denen ein Mitglied persönlich Zugang hat. Um die erforderlichen Geldmittel zu schaffen, backen und verkaufen Inner Wheelerinnen Muttertagskuchen, sortieren Kleidersammlungen oder organisieren Flohmärkte, an denen sie sich dann auch selber an den Stand stellen.

«Auch bei uns greifen selbst CEO am freien Samstagmorgen ganz gerne mal zur Schaufel, um beispielsweise beim Bau eines Spielplatzes zu helfen», erzählt Florin Rupper. Man engagiere sich aber auch für grosse Projekte wie die weltweite Bekämpfung von Kinderlähmung oder die Unterstützung von Minenopfern mit Prothesen und medizinischer Betreuung. Jedes Projekt entstehe durch persönliches Engagement eines Rotariers, so Rupper, «wir verteilen nicht wahllos Geld, sondern packen selber an».

Ehrliche Absicht kundtun

Jedermann und jede Frau könne sich um eine Aufnahme bei Inner Wheel oder Rotary bemühen, betonen Ursula Eigenmann und Florin Rupper, indem man zum Beispiel ein Mitglied kontaktiere und seine ehrliche Absicht kundtue. Über den Beitritt entscheidet allerdings allein der Club. Nur so sei gewährleistet, dass Bewerberinnen und Bewerber auch tatsächlich in die Gruppe passen. Letztlich funktioniere es nur, wenn alle Mitglieder den geforderten Verpflichtungen nachkämen und die Kräfte möglichst zielgerichtet eingesetzt werden könnten. Dass engagierte Menschen mit hohen ethischen Grundsätzen in der Regel auch beruflich erfolgreich seien, sei nun mal nicht von der Hand zu weisen.

Nachfrage «zurückhaltend»

Während bei Rotary seit über zwanzig Jahren auch Frauen willkommen sind, tun sich die Inner Wheelerinnen mit Männern eher schwer. «Bis jetzt hatten wir noch keine Anfrage», sagt Ursula Eigenmann, die im übrigen Zweifel hegt, ob ein Mann bei Inner Wheel seine Erfüllung finden würde. Widerstand komme diesbezüglich vor allem aus Schwellenländern wie beispielsweise Indien, wo in Sachen Emanzipation noch grosser Nachholbedarf bestehe und die Frauen deshalb gerne unter sich bleiben wollten.

Zurzeit sei die Nachfrage nach Mitgliedschaft ohnehin eher zurückhaltend. Das liege wohl daran, dass engagierte Frauen und Männer, die mitten im Berufsleben stehen, meist anderweitig gefordert und zeitlich gar nicht in der Lage seien, sich für ein Ehrenamt zu verpflichten. Sowohl Ursula Eigenmann als auch Florin Rupper sind dennoch überzeugt: «Gutes zu tun, entspricht einem Bedürfnis und liegt in der Natur des Menschen. Und deshalb werden Serviceclubs auch in Zukunft Bestand haben.»

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