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«Wir taten alles, um den Betrieb zu retten» – was ehemalige Stiftungsräte über den Konkurs des Business-House sagen

Nach dem Konkurs des St.Galler Arbeitslosenprojekts sind nun die ehemaligen Stiftungsräte von einer Strafanzeige betroffen. Ihre Sanierungsmassnahmen seien aufgrund der dubiosen Buchhaltung und Geldabflüsse nötig gewesen, erklären sie.
Marcel Elsener
Business-House-Betrieb in Uzwil: Im Juli 2018 war der Unmut dort so gross, dass die Gemeinde intervenierte und den Stiftungsrat zum Gespräch aufbot. (Bild: Michel Canonica)

Business-House-Betrieb in Uzwil: Im Juli 2018 war der Unmut dort so gross, dass die Gemeinde intervenierte und den Stiftungsrat zum Gespräch aufbot. (Bild: Michel Canonica)

Der Zusammenbruch der Arbeitslosen- und Ausgesteuertenfirma Business House beschäftigt längst die Staatsanwaltschaft. Sie soll Licht in die Vorgänge bringen, die zur fristlosen Entlassung des Geschäftsleiters im Dezember 2017 und zum Konkurs der Stiftung im Oktober 2018 führten.

Die sieben Betriebe mit über 30 Angestellten sowie rund 200 Einsatzplätzen werden seither unter dem Mantel der Dock-Gruppe, einer anderen Sozialfirma, weitergeführt. Jedoch werfen das noch länger laufende Konkursverfahren und Streitigkeiten um die Buchhaltung weiterhin Fragen auf. Auf der einen Seite kämpft der entlassene Geschäftsleiter um seinen Ruf und seine Unschuld, unterstützt von der Stiftungsgründerin, die ihr Projekt 2016 abgegeben hatte.

Felix Bischofberger

Felix Bischofberger

Nachdem der Geschäftsleiter nun mit seiner Strafanzeige die ehemaligen Stiftungsräte des betrügerischen Konkurses bezichtigt, sehen sie sich zu Erklärungen gezwungen. «Wir waren stets zurückhaltend und wollten keine schmutzige Wäsche waschen, doch jetzt muss alles auf den Tisch», sagt Stiftungsratspräsident Felix Bischofberger, der als CVP-Kantonsrat auch die Staatswirtschaftliche Kommission leitet.

Zweifelhafte Bargeldbezüge und nicht gebuchte Verkaufsumsätze

Die ehemaligen Stiftungsräte, alle seit Oktober nicht mehr im Amt, haben den Vorwurf der persönlichen Bereicherung bereits zurückgewiesen: Die ausbezahlten Entschädigungen galten – einen kleinen Teil – des Mehraufwands ab.

Die weiteren Aufwendungen wurden zwar aufgelistet und in Rechnung gestellt, aber nicht in die Forderungsliste aufgenommen. Angesichts der veröffentlichten Anschuldigungen müssen die Ex-Stiftungsräte, nun ebenfalls um ihren Ruf besorgt, einen Schritt weitergehen. Unserer Zeitung wurden die Berichte ausgehändigt, auf die das frühere Gremium ihr Vorgehen abstützte. Es handelt sich um die beiden externen Untersuchungen, die der Stiftungsrat im Juni und im Oktober 2017 in Auftrag gegeben hatte. Zum einen ist eine Organisationsanalyse durch die Beratungsfirma JC Kleiner, die dem Geschäftsleiter ein verheerendes Zeugnis ausstellt. Sie belegt, dass die Ermahnungen an den Geschäftsleiter, seinen Aufgaben nachzukommen, gerechtfertigt waren. Ein Wechsel in der Geschäftsleitung sei «dringend nötig, um das Unternehmen zu retten», heisst es im Bericht. Relevant für die Strafanzeige der Stiftung gegen den Geschäftsführer ist allerdings der Bericht der Unternehmensprüfungsfirma PricewaterhouseCoopers (PWC), will heissen zwei Berichte: der Zwischenbericht «Tabula Rasa» vom Dezember 2017 und die Quantifizierung des Schadenpotenzials vom Januar 2018.

Darin stellt die Firma, die eine eigene Forensikabteilung führt, für die Jahre 2013 bis 2017 auffällig viele Bargeldbezüge an unüblichen Orten und oft in der Nähe von Casinos (wie Bregenz, St. Gallen, Zürich, Klosters) fest. Das Risiko sei hoch, dass diese Beträge «betriebsfremd verwendet wurden», heisst es. Ausserdem werden nicht gebuchte Verkaufsumsätze, zweifelhafte Buchungen gegen Post- oder Kassenkonto und fragwürdige Dienstleistungen für die Treuhandfirma des Geschäftsleiters aufgelistet. Für 2015 und 2016 ergibt sich ein Schadenpotenzial von 165'000 Franken, oder laut PWC: «Wir gehen davon aus, dass der Schaden durch das nicht betriebliche Verwenden von Bargeld (Kasse, Post), durch die Nicht-Verbuchung von Umsätzen oder durch ‹gesuchte› Aufwandsbuchungen vertuscht wurde.» Gemäss Bericht fanden über die vier erwähnten Jahre Bargeldbezüge von 500'000 Franken statt. Dies «trotz relativ hohem Kassabestand», wie es heisst. Ausserdem, ein Ergebnis der Forensik, «wurden Originalbelege abgeändert und als Buchungsbeleg im Buchhaltungsordner abgelegt». Damit könne wohl nicht mehr von einer «korrekten Buchhaltung» gesprochen werden, sagen die ehemaligen Stiftungsräte Bischofberger und Staub zur Aussage, sie hätten die eigenwillige Buchhaltung nicht begriffen.

Dass man auf das Angebot des entlassenen Geschäftsleiters, sein Rechnungssystem zu erklären, nicht einging, sei begründet: Nach den fruchtlosen Ermahnungen und einer formellen Abmahnung habe man die Freistellung beschlossen. «Als die Berichte der PWC vorlagen, war ohnehin klar gewesen, dass im Zusammenhang mit dem ‹Rechnungssystem› keine Fragen an den Geschäftsleiter gestellt werden können.» Und was entgegnen sie auf den Vorwurf, sie hätten den Konkurs mit dem Engagement mehrerer Beratungsfirmen beschleunigt? PWC als Revisionsstelle, die eingehend die Buchhaltung prüfte, habe es aus Gründen der guten Unternehmensführung (Compliance und Corporate Governance) abgelehnt, «die seit Monaten nicht mehr vollständig nachgeführte Buchhaltung selber nachzubuchen», sagen die Sprecher des ehemaligen Stiftungsrats. «Darum musste mit der Firma Egeli Treuhand eine Buchführungsfirma beigezogen werden, welche die Kapazität hatte, dies innert vernünftiger Frist zu erledigen.» Zudem sei die Nachführung der Buchhaltung für die Abklärungen der PWC nötig gewesen.

Strafanzeige bewusst auch gegen Unbekannt

Gemäss dem Bericht der PWC muss von einem «verschwundenen» Betrag in der Grössenordnung von 600'000 Franken ausgegangen werden. Die Stiftung hat aufgrund dieser Unterlagen eine Strafanzeige gegen den Geschäftsleiter und gegen Unbekannt eingereicht, wozu das Organ verpflichtet war, wie Jurist Staub sagt. Sie habe «auch und gerade deshalb Strafanzeige gegen Unbekannt eingereicht, damit von den Strafbehörden festgestellt werde, wer die ermittelten Sachverhalte zu verantworten habe. Aus heutiger Sicht fragt sich, warum der Stiftungsrat nicht zurückgetreten ist und das Schlamassel der Stiftungsaufsicht überlassen hat. «Trotz vieler belastender Momente sah sich der Rat in der Pflicht, nicht einfach davonzulaufen», sagen Bischofberger und Staub.

«Wir taten alles, um den Betrieb zu retten, es ging uns um die Arbeits- und die Teilnehmerplätze. Als sich abzeichnete, dass dies allein nicht mehr möglich sein dürfte, machten wir uns auf die Suche nach Unterstützungspartnern.»

Konnte der Konkurs nicht gestoppt werden? Man habe «alles unternommen, um die Insolvenz zu vermeiden», betonen die Ex-Stiftungsräte – etwa mit Lieferanten Entgegenkommen ausgehandelt, von den Vermietern Mietzinsreduktionen erreicht und die Mitarbeiter um Lohnreduktionen ersucht. Wie die Forderungsliste mit Forderungen über 1,5 Millionen Franken zeige, sei die Insolvenzerklärung «letztlich unumgänglich» gewesen. Weil der Verdacht erneut aufgekommen ist, verneinen die Verantwortlichen jeden «Plan», eine Fusion mit der Dock-Gruppe angestrebt zu haben: «Eine Delegation des Stiftungsrates hat sich erstmals am 21. Juni 2018 mit Daniela Merz zu einem Austausch getroffen. Vor diesem Termin kannte keiner der Stiftungsräte Frau Merz persönlich noch war er ihr geschäftlich begegnet.» Der Stiftungsrat habe noch mit anderen Institutionen Gespräche geführt, wie der Caritas und der WTL. Die Zahl möglicher Partner sei im Sommer 2018 allerdings «sehr gering» gewesen. Was ist dran am Vorwurf, Business House sei zu einem «Spottpreis» – angeblich 60'000 Franken – an die Dock «verscherbelt» worden?

Nach der Insolvenzerklärung habe das Gericht den Konkurs eröffnet, und damit seien sie nicht mehr zuständig, sagen Bischofberger und Staub. Die neue Firma Pro Business House AG hafte für eine «allfällige Verminderung des Massevermögens». Solange das Konkursverfahren läuft, ist alles im Eigentum der Konkursmasse – darüber bestimmt nur das Konkursamt. Über den Stand der Ermittlungen gibt die Staatsanwaltschaft keine Auskunft. Die Anzeige seitens der Stiftung ist seit eineinhalb Jahren hängig. Wie erklären die Untersuchungsbehörden, dass es bis dato noch nicht zur Anklage gekommen respektive das Verfahren nicht eingestellt worden ist? Die Staatsanwaltschaft geht auf diese Frage nicht ein. Sie bestätigt lediglich, dass «in der Angelegenheit Business House mehrere Strafanzeigen eingegangen sind und sich die Staatsanwaltschaft St.Gallen damit beschäftigt». Für alle Beteiligten gilt die Unschuldsvermutung.

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