«Wir stehen erst am Anfang des Projekts»

Herr Tschirky, wem ist Class Unlimited zu empfehlen?

Richard Clavadetscher
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Felix Tschirky Prorektor des BWZ Wil-Uzwil Projektleiter Class Unlimited (Bild: Ralph Ribi)

Felix Tschirky Prorektor des BWZ Wil-Uzwil Projektleiter Class Unlimited (Bild: Ralph Ribi)

Herr Tschirky, wem ist Class Unlimited zu empfehlen?

Felix Tschirky: Class Unlimited ist Firmen zu empfehlen, die international tätig sind, also Niederlassungen in verschiedenen Ländern haben, sowie stark in die Lehrlingsausbildung investieren. Die Lernenden sollen bereits schon in jungen Jahren international eingesetzt werden; so lernen sie gleichzeitig internationale Arbeitsaspekte kennen.

Was muss eine Firma an Investitionen gewärtigen, wenn sie dieses System für sich nutzen will?

Tschirky: Wir stehen mit diesem Projekt erst am Anfang. Aber ich denke, Firmen müssen sicher nicht viel gewärtigen in Sachen Kosten, organisatorisch aber schon: Sie müssen den internationalen Lehrlingsaustausch aufbauen, es braucht also Niederlassungen im Ausland, wo die Lernenden dann hin können.

Welche Ratschläge würden Sie einer interessierten Firma geben?

Tschirky: Sie sollte sich Zeit lassen. Sie soll zuerst Erfahrungen sammeln mit Kurzaufenthalten. Internationale Kulturen funktionieren anders als es bei uns üblich ist in der Lehrlingsausbildung. So muss eine Firma erst einmal Schritt für Schritt lernen, wie der Umgang mit den jungen Menschen in diesem Zusammenhang funktioniert. Das tut sie am Anfang vielleicht am besten mit zweimonatigen Aufenthalten der Lernenden im Ausland, um dann später etwa auf vier- bis sechsmonatige Arbeitseinsätze auszuweiten.

Hängt alles nicht auch von der Bereitschaft der Schule und ihrer Lehrpersonen ab, bei einem solchen Vorhaben mitzumachen? Wie steht es denn damit zum Beispiel im Kanton St. Gallen?

Tschirky: Selbstverständlich braucht es eine grosse Offenheit der Schulen gegenüber den Firmen, um ein solches Projekt überhaupt anzugehen. Man muss doch sehr stark weg vom klassischen Unterricht: Man muss den Unterricht anders vorbereiten, muss sich auf die Thematik einlassen und bereit sein, ein Abenteuer zu wagen. Für die Lehrpersonen ist es aber auch eine Chance, modernste Unterrichtsmethoden zu erproben.

Sind allenfalls irgendwelche bürokratischen Hindernisse zu überwinden?

Tschirky: Nein, das nicht. Aber es braucht sehr viel Engagement vor allem von Lehrpersonen; sie müssen bereit sein, ihren Unterricht neu zu gestalten, bereit sein kennenzulernen, wie man international arbeitet.

Sie haben «gute Erfahrungen» gemacht mit Class Unlimited, sagen Sie. Was heisst denn nun «gute Erfahrungen» konkret?

Tschirky: Mit guten Erfahrungen meine ich, dass wir im Lehrplan fortfahren können: Wir können mit Class Unlimited sämtliche Lernziele erreichen – und zusätzlich noch internationale Lernaspekte integrieren.

Wie reagieren denn die Lernenden auf Class Unlimited?

Tschirky: Weitgehend positiv. Wir sind noch im Projektstadium, und dies heisst auch, dass es immer wieder Störungen gibt. Was jedoch den Unterricht selber angeht, sind die Lernenden hoch motiviert, um mit modernen Hilfsmitteln und neuen Lerntechniken zu arbeiten.

Wenn man die Resultate der Tests anschaut, sind da keine Unterschiede zum herkömmlichen Unterricht im Klassenzimmer erkennbar?

Tschirky: Wir haben die Lernleistungen evaluiert und festgestellt: Gerade weil es ein neues Projekt ist, sind die Lernenden noch motivierter, noch konzentrierter dabei. Deshalb sind ihre Lernleistungen gar noch höher als beim herkömmlichen Unterricht.

Wo liegen die Grenzen von Class Unlimited?

Tschirky: Class Unlimited ist sicher nicht mit allen Lernenden zu machen. Es ist eher bezogen auf Lernende, die sozial und leistungsstark sind.

Die Möglichkeit von Videokonferenzen besteht ja schon lange. Trotzdem treffen sich Mitglieder einer Firma mit internationalen Standorten nach wie vor «physisch» zu Meetings. Gibt es demnach am Ende doch einen Unterschied zwischen dem Austausch per Video und jenem mit physischer Präsenz im selben Raum?

Tschirky: Wir sind eine Berufsfachschule, und als solche haben wir den Klassenunterricht. Dies hat grosse Vorteile, weil die Lernenden nicht nur vom Lehrer lernen, sondern auch untereinander. Wenn wir mit Class Unlimited nun international unterwegs sind, wollen wir dies weitgehend beibehalten. Es ist also ganz klar kein Abhol-Lernsystem per YouTube, wir wollen mit Class Unlimited vielmehr den klassischen Unterricht reproduzieren.