«Wir sind wieder auf Kurs»: Die grösste Baustelle im Appenzell Ausserrhoden erholt sich von der coronabedingten Verzögerung

Das Grossprojekt Neubau Migros Herisau schreitet weiter voran. Der Bauleiter, Marc Schönenberger, zeigt sich grundsätzlich zuversichtlich. Es steht bereits der zweite Kran, ein dritter ist auch geplant. Einzig die beiden anstehenden Wintersaisons bereiten ihm Unbehagen.

Miguel Lo Bartolo
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Das Grundgerüst des Krans stand bereits am Mittwochmittag. Der Ausleger wurde Stück für Stück in der Baugrube zusammengebaut und am Nachmittag raufgehievt.

Das Grundgerüst des Krans stand bereits am Mittwochmittag. Der Ausleger wurde Stück für Stück in der Baugrube zusammengebaut und am Nachmittag raufgehievt.

Bildmaterial: Smilla Bühler

Vor über einem Jahr startete in Herisau ein Grossprojekt, dessen Ausmasse zumindest innerhalb der Ostschweiz ihresgleichen suchen. Die Rede ist vom Neubau der Migros im Dorfkern. Gemäss dem im Mai 2018 eingereichten Baugesuch soll dort eine «attraktive Mischung» aus Einkauf, Dienstleistung und Wohnen entstehen. Doch, wie vielerorts, machte das Coronavirus auch vor Baustellen keinen Halt. Es kam unweigerlich zu Verzögerungen, wie Bauleiter Marc Schönenberger von der RLC AG erklärt. «Mittlerweile sind wir aber zuversichtlich, diese auffangen und planmässig mit unserem Bauvorhaben fortschreiten zu können.»

«Mittlerweile sind wir aber zuversichtlich, diese auffangen und planmässig mit unserem Bauvorhaben fortschreiten zu können.»

Der Zeitplan ab Anfang August zumindest scheint bislang aufzugehen. Gestern Mittwoch wurde an der Oberdorfstrasse ein weiterer Kran aufgestellt. Die Strasse ist gestern und heute gesperrt, der öffentliche Verkehr wird umgeleitet und die Arthur-Schiess-Strasse mit Gegenverkehr geführt. Dies bleibt bis heute Abend so bestehen, «um eine reibungslose Anlieferung des Baumaterials zu gewährleisten», sagt Schönenberger. Danach fliesst der Verkehr wieder wie üblich.

Die Einzelteile des Auslegers werden nach und nach in die Baugrube gelegt, wo sie von Bauarbeitern zusammengefügt werden:

Knapp zwei Jahre wird der Kran an Ort und Stelle belassen  – «zirka 20 Monate», schätzt der Bauleiter. Noch länger soll es gemäss Planung bis zur Eröffnung der neuen Migros dauern. Im Spätherbst 2022 dürfte es so weit sein. Allerdings gebe es nebst dem Coronavirus auch weitere Unsicherheitsfaktoren, so Schönenberger.

Zwei Winter vor der Eröffnung

Die Tage in und bei der riesigen Baugrube sind arbeitsintensiv. Bei verschiedenen Arbeitsgruppen und mehreren Polieren den Überblick zu bewahren, fällt schwer, gesteht Schönenberger. Er blickt in die Zukunft und sagt:

«Im September kommt noch ein dritter Kran beim Kreisel hinzu.»

Bis dann soll die Hälfte der Parkgarage im Untergeschoss mit einer Fläche von rund 5000 Quadratmetern betoniert sein. Die Platzverhältnisse werden dann allerdings nochmals enger – für den Bauleiter eine der grössten Schwierigkeiten.

Und dann kommt auch bald schon die kalte Jahreszeit, die offenkundig für jedes langwierige Bauprojekt ein Sorgenkind ist. Die Wetterverhältnisse erschweren die Planung, unvorteilhafte Arbeitsbedingungen erschlagen die Arbeitsmoral. «Und bis zur projektierten Fertigstellung des Neubaus müssen wir gleich mit zwei ganzen Wintern fertigwerden», sagt Schönenberger. Wie gut der Zeitplan eingehalten werden kann, sei also auch davon abhängig, wie die Arbeiten in dieser ungewissen Zeit vorankommen. Schönenberger sagt:

«Wenn hier in Herisau Schnee liegt, dann liegt er erfahrungsgemäss länger.»

Oft würde es bei Schneefall deshalb mehr Sinn machen, die Arbeit für ein paar Tage einzustellen, statt sie unter erschwerten Bedingungen zu forcieren.

Trotz der zahlreichen noch lauernden Unberechenbarkeiten überwiegt beim Bauleiter die Freude am aktuellen Fortschritt. «Wir sind entgegen aller Widrigkeiten wieder auf Kurs. Corona hat uns zwar ein gutes Stück unseres Zeitpolsters genommen. Wir machen aber bereits wieder grosse Schritte nach vorne.»

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