«Wir setzen auf sanften Tourismus»

Keine neuen Hotels, dafür Ferien auf dem Bauernhof – Präsidentin Vreni Wild setzt mit ihrem Verein Naturpark Neckertal auf kleine Strukturen. Sie sagt klar: In einem Naturpark gibt es keine zusätzlichen Vorschriften.

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Vreni Wild Präsidentin Verein Naturpark Neckertal (Bild: Quelle)

Vreni Wild Präsidentin Verein Naturpark Neckertal (Bild: Quelle)

Frau Wild, was macht den Naturpark Neckertal einzigartig?

Vreni Wild: Er ist geprägt von einer Natur, die nicht verbaut ist – es gibt keine Störungen. Vom Angebot her werden wir uns auf unsere Textilvergangenheit konzentrieren: Das ist ein typisches Merkmal.

Mit 100,51 Quadratkilometern ist der Park flächenmässig an der untersten Grenze.

Vreni Wild: Das stellt ein gewisses Risiko dar. In einer ersten Phase müssen also alle Gemeinden mitmachen. In einem weiteren Schritt wollen wir dann nach 2016 das Parkgebiet erweitern, also weitere Partner suchen.

Je kleiner der Raum, desto kleiner auch die Chance, mehr Übernachtungen zu generieren. Was braucht es, damit der Naturpark Neckertal funktioniert?

Vreni Wild: Es braucht eine Geschäftsstelle, die die Angebote im Bereich Natur, Tourismus und Energie koordiniert.

Und welche Infrastruktur braucht es im Naturpark dafür?

Vreni Wild: Natürlich Anbieter – beim Tourismus setzen wir auf sanfte Strukturen. Wir träumen nicht von grossen Hotels, sondern stellen uns Ferien auf dem Bauernhof vor oder Bed-&-Breakfast-Angebote. Also kleinere Angebote mit guter Qualität.

Es braucht also keine neuen Hotels?

Vreni Wild: Das ist nicht vorgesehen, nein. Wenn dennoch etwas entsteht, umso besser.

Der Naturpark Neckertal hat mit der Marke Appenzellerland eine starke Konkurrentin in nächster Nähe – sinkt damit das Potenzial des Naturparks?

Vreni Wild: Im Gegenteil. Wir werden die Angebote von Toggenburg Tourismus oder aus dem Appenzellerland ergänzen. Ein Naturpark ist eine starke Marke im Tourismus – wir können uns gegenseitig befruchten.

Gegner befürchten, dass nun eine ganze Region unter die Käseglocke gestellt wird: Wie argumentieren Sie gegen die Ängste, dass in einem Naturpark ein extremer Naturschutz durchgedrückt wird, der Bauern, Gewerbe und Grundeigentümer einschränkt?

Vreni Wild: In einem Regionalen Naturpark gibt es keine zusätzlichen Vorschriften – hier können keine eigenen Gesetze aufgestellt werden.

Sie haben drei Jahre Zeit, den Rückhalt in der Bevölkerung zu stärken, um 2016 mit dem Label starten zu können: Wie machen Sie das?

Vreni Wild: Durch viel direkten Kontakt, den Einbezug möglichst breiter Kreise und sehr viel Information.

Welches ist die nächste grosse Wegmarke für den Naturpark?

Vreni Wild: Im Herbst 2014 werden die Gemeinden im Naturpark-Perimeter über das Vorhaben abstimmen. Das ist der nächste grosse Schritt.

Interview: Christoph Zweili