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«Es geht um die Existenz»: Ostschweizer Sportflugszene fürchtet wegen Flughafen Zürich um ihren Luftraum

Der Linienverkehr rund um den Flughafen Zürich soll mehr Platz erhalten. Die Ostschweizer Sportflugszene geht dagegen auf die Barrikaden: Sie fürchtet, verdrängt zu werden.
Adrian Vögele
Feuer im Dach: Die Ostschweizer Ballonfahrer wehren sich dagegen, dass der kontrollierte Luftraum rund um Zürich ausgedehnt wird. (Bild: Benjamin Manser)

Feuer im Dach: Die Ostschweizer Ballonfahrer wehren sich dagegen, dass der kontrollierte Luftraum rund um Zürich ausgedehnt wird. (Bild: Benjamin Manser)

Es ist einfach zu kompliziert. Zu diesem Schluss kamen die Experten, als sie den Luftraum rund um den Flughafen Zürich unter die Lupe nahmen. Piloten und Fluglotsen müssen mit etwa 20 ineinander verschachtelten Kontrollzonen fertig werden. Das Geflecht erstreckt sich von Basel bis nach Arbon und vom Zugersee bis nach Süddeutschland. Seit Jahren versucht der Bund zusammen mit der Branche, das Durcheinander zu entwirren und mit einem einfacheren System zu ersetzen, das weniger Risiken birgt.

2017 scheiterte der erste Anlauf, weil sich Flughafen, Flugsicherung und Sportflugszene nicht auf eine Lösung einigen konnten.

Inzwischen läuft der zweite Versuch. Im Frühling schlug das Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl) eine neue Variante vor – und bereits ist wieder Feuer im Dach. Organisationen aus der Sport- und Leichtaviatik wehren sich, darunter sind auch diverse Ostschweizer Vereine. Der Grund: Der kontrollierte Luftraum – den man nur mit Erlaubnis der Flugsicherung befliegen darf – soll zwar strukturell vereinfacht, aber auch ausgedehnt werden. Er soll vielerorts in geringerer Höhe beginnen als heute und auch horizontal erweitert werden, etwa ins Toggenburg.

Deshalb fürchten nun Ballonfahrer, Gleitschirmpiloten, Segelflieger andere Vertreter der Leichtaviatik um ihre Bewegungsfreiheit. Der Tenor in den Rückmeldungen ans Bazl: Der Bund reserviere ohne Not reichlich Platz für die grossen Maschinen, die in Zürich und Dübendorf landen und starten – auf Kosten der Kleinen. Schon jetzt sei der kontrollierte Luftraum «überdimensioniert», schreibt der Aeroclub Ostschweiz. Was nun geplant sei, bedrohe gar einzelne Vereine und Flugplätze in ihrer Existenz.

Fallschirmspringer in Sitterdorf sind besorgt

Zukunftssorgen hat beispielsweise die Fallschirmgruppe am Flugplatz Sitterdorf. Schon heute sei der Fallschirmbetrieb wegen des Flugverkehrs von und nach Zürich reduziert und zeitlich eingeschränkt, schreibt die Gruppe. Finanzielle Einbussen seien die Folge. Das wirtschaftliche Bestehen der Gruppe sei gefährdet. Wenn die Kontrollzone über dem Flugplatz nun noch nach unten ausgedehnt wird, sehen die Fallschirmspringer erst recht schwarz:

«Langsam kommen wir komplett unter die Räder.»

Flugplatz Lommis vor dem Ende?

Für den Flugplatz Lommis könnte die vorgeschlagene Aufteilung des Luftraums das Aus bedeuten, wie die Motorfluggruppe Thurgau befürchtet. Rund um den Flugplatz müssen die Flieger heute eine Höhe von mindestens 3500 Fuss (1067 Meter) einhalten. Auf exakt diese Höhe soll nun aber der kontrollierte Luftraum des Flughafens Zürich in dieser Gegend abgesenkt werden. «Lommis müsste ein völlig neues An- und Abflugregime einführen», schreibt Peter Schafferer, Präsident der Motorfluggruppe – und zwar eines mit höherer Lärmbelastung für die Bevölkerung, was inakzeptabel sei.

Eine 3500-Fuss-Untergrenze in weiten Teilen des Luftraums rund um Zürich würde laut Schafferer generell dazu führen, dass der Verkehr in geringer Höhe zunähme, womit nebst der Lärmbelastung auch das Kollisionsrisiko steige. Zugleich werde der Trainingsraum für die Ausbildung von Piloten – notabene auch von künftigen Militärpiloten – nicht mehr ausreichen.

Ballonfahrer fürchten um ihr Geschäft

Auch die Ostschweizer Ballonfahrer weisen den Entwurf in Bausch und Bogen zurück. Der Andwiler Stefan Zeberli – er belegt den ersten Platz auf der Weltrangliste der Heissluftballonpiloten – warnt den Bund vor einer Ausdehnung des kontrollierten Luftraums. Das mache Ballonfahrten immer unattraktiver. Mit der geplanten Änderung gehe Platz verloren, auf den die Ballone angewiesen seien, etwa für Landungen bei technischen Problemen. Den kontrollierten Bereich zu benutzen, ist für die Ballone zwar nicht unmöglich. Doch hin und wieder verweigere die Flugsicherung auch die Freigabe, so Zeberli. Dadurch seien Fahrten nicht mehr planbar.

Den Ballonfahrern drohten gravierende Verluste, etwa wenn eine Alpenüberquerung mit Passagieren an der Einfahrt in den kontrollierten Luftraum scheitere. Zwei Tage Vorbereitung seien umsonst gewesen, die Ballonbetreiber müssten die Fahrt selber bezahlen und später einen neuen Anlauf nehmen. «Im schlimmsten Fall reisen die Gäste von sehr weit her an und verlangen dann gar noch Schadenersatz.» Schon wenige solche Fälle reichten aus, um die Existenz eines Anbieters zu bedrohen.

Der Aeroclub der Schweiz, der Dachverband der Leicht- und Sportaviatik, glaubt nicht, dass sich die Sicherheit im Luftraum um Zürich mit der jetzt diskutierten Variante verbessere. Eher sei zu befürchten, dass noch mehr Flugzeuge unerlaubt in die kontrollierten Bereiche einfliegen würden als heute.

Bundesamt ist erstaunt über Kritik

In Bern kommt die vielstimmige Kritik an der Neuordnung des Luftraums Zürich nicht gut an. Der Aeroclub der Schweiz – der Dachverband der Leicht- und Sportaviatik – sei aus dem vereinbarten Planungsprozess ausgeschert und betreibe «einseitige Stimmungsmache», schrieb das Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl) bereits im Frühling. Nun bekräftigt Mediensprecher Christian Schubert: Man sei erstaunt über die «harschen Töne», zumal noch gar keine definitive Lösung auf dem Tisch liege. Es sei von Anfang an klar gewesen, dass der erste Entwurf für den Luftraum Zürich aus Sicht des Linienverkehrs gestaltet werde. Das habe man allen Interessengruppen mitgeteilt, auch dem Aeroclub.

Die eigentliche Arbeit beginnt erst

Im zweiten Schritt wurde die Leichtaviatik aufgefordert, mitzuteilen, wo sie im Entwurf Einschränkungen für ihren Betrieb sieht, welche Bedürfnisse sie hat und welche Lösungsmöglichkeiten sie sieht. Das Bazl will nun die Stellungnahmen studieren und eine Übersicht der Anliegen erstellen. «Danach beginnt die eigentliche Arbeit», so Schubert. Das Bundesamt habe den Interessenvertretern «verschiedene kooperative Arbeitsformen zur Ausarbeitung der neuen Luftraumstruktur vorgeschlagen». Auch den Vorwurf, manche Flugplätze seien durch die geplante Struktur gefährdet, werde man analysieren. Allerdings müsse auch dem Aeroclub klar sein, dass es im Luftraum Zürich endlich eine Vereinfachung und eine Verbesserung der Sicherheit brauche, so Schubert. Zugleich sei die Zahl der Flugbewegungen in der Kleinaviatik rückläufig.

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