«Wir kämpfen darum, dass die bisher geleistete Arbeit entlöhnt wird»: Nach Absage des St.Galler Tanzfestes wegen des Coronavirus wartet viel Bürokratie auf die Koordinatorinnen

Zum zehnjährigen Bestehen war ein Fest mit einem speziellen Programm geplant. Doch wegen des Coronavirus wurde das nationale Tanzfestival, das gleichzeitig in 30 Schweizer Städten und Gemeinden hätte stattfinden sollen, auf Mai 2021 verschoben. Die 32-jährige St.Galler Co-Koordinatorin Alena Kundela erzählt, warum es zur Absage kam und was nun oberste Priorität hat.

Alexandra Pavlovic
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Ein Mai ohne Tanzfest. Wie fühlt sich das an?

Alena Kundela: Die Enttäuschung ist gross. Man fiebert und arbeitet das ganze Jahr auf diesen Anlass hin und dann fehlt am Ende die Belohnung. Der Frust sitzt tief und ist noch grösser, da wir in diesem Jahr auch unser zehnjähriges Bestehen gefeiert hätten. Für die Besucher haben wir ein sehr spezielles Programm zusammengestellt. Zum ersten Mal überhaupt hätten wir all unsere Ideen realisieren können, weil wir genügend Fördergelder erhalten haben. Das alles findet nun nicht statt.

Das Fest wäre im Mai gewesen. Weshalb entschlossen Sie sich, es einen Monat vorher abzusagen?

Alena Kundela, Co-Koordinatorin des Tanzfest St.Gallen.

Alena Kundela, Co-Koordinatorin des Tanzfest St.Gallen.

Wir hatten zu Beginn noch Hoffnung, das Tanzfest durchführen zu können. Da es aber ein nationaler Event ist, der in 30 Schweizer Städten gleichzeitig stattfindet, mussten wir mehr Faktoren beachten. Nach reiflicher Überlegung haben wir uns entschlossen, es abzusagen. Keiner von uns weiss, wie die Situation aufgrund des Coronavirus in einem Monat aussieht. Ausschlaggebend war auch, dass sämtliche Künstler und Tanzschulen derzeit nicht gemeinsam proben können. Selbst wenn eine Durchführung im Mai möglich gewesen wäre, die Darsteller wären für eine Auftritt nicht bereit gewesen.

Haben Sie denn kein Verschiebedatum in Betracht gezogen?

Wir haben uns diese Überlegungen tatsächlich gemacht, allerdings schnell davon abgesehen. Unsere Vorbereitungen für das Tanzfestival starten jeweils ein Jahr zuvor. Wir hätten also zwei Festivals organisieren müssen, was schlicht unmöglich ist.

Alena Kundela (links) koordiniert zusammen mit Amanda Märkli das Tanzfest St.Gallen. Für 2020 hätte anlässlich des zehnjährigen Bestehens eine Jubiläumsausgabe stattfinden sollen. Wegen des Coronavirus wurde das Fest abgesagt.

Alena Kundela (links) koordiniert zusammen mit Amanda Märkli das Tanzfest St.Gallen. Für 2020 hätte anlässlich des zehnjährigen Bestehens eine Jubiläumsausgabe stattfinden sollen. Wegen des Coronavirus wurde das Fest abgesagt.

ZVG

Das Tanzfest findet nun vom 7. bis 9. Mai 2021 statt. Erwartet die Besucher das Programm von 2020?

Nicht ganz. Wir wollen an möglichst vielen der Ideen festhalten, welche wir in diesem Jahr umsetzen wollten. Da es ein nationales Festival ist, wird es aber nicht möglich sein, alle Künstler nochmals zu verpflichten. Wir haben das Programm daher etwas abgeändert. Zudem wird die Ausgabe im Jahr 2021 kleiner ausfallen. Und es kann gut sein, dass sie auf den gleichen Tag fällt, wie das St.Galler Aufgetischt-Festival.

Wie steht es derzeit um die Stimmung unter den Ostschweizer Tanzinstitutionen?

Wir haben nicht zu allen einen direkten Kontakt. Was wir feststellen, ist, dass die Akzeptanz für die Absage bei allen sehr gross ist. Alle haben Verständnis für unseren Entscheid und man hilft sich, wo man kann. Die Tanzinstitutionen wie auch die Künstler versuchen, mit kreativen Lösungen das Beste aus der Situation zu machen. So werden Unterrichtsstunden per Livestream oder Video übertragen. Das geht soweit ganz gut, lediglich das Üben von gemeinsamen Choreografien ist nicht möglich.

Welchen Einfluss hat das Coronavirus sonst noch?

Abgesehen davon, dass wir unser Tanzfestival absagen mussten, kommt jetzt auch viel Bürokratie auf uns zu. Wir müssen über die erhaltenen Fördergelder verhandeln und darum kämpfen, dass die bisher geleistete Arbeit entlöhnt wird. Oberste Priorität hat für uns daher die Finanzierung der Gagen und Honorare aller Künstler und Koordinatoren. Ihre Verpflichtung und Arbeit als Tanz- und Kulturschaffende ist zu würdigen, wie jeder andere Beruf auch und die Gewährleistung ihrer Existenzgrundlage versteht sich für uns von selbst.

Erhalten Sie diesbezüglich genügend Unterstützung?

Die nationale Festivalleitung wie auch all unsere Gönner ziehen an einem Strick. Wir haben von unseren Förderern bisher mehrheitlich positive Rückmeldungen erhalten. Alle zeigen Verständnis, keiner legt uns Steine in den Weg. Vor allem auch die Stadt St.Gallen. Sie, als eine der grössten Fördererinnen, setzt sich vehement dafür ein, dass die Gelder für die geleisteten Arbeiten gesprochen werden. Die Unterstützung ist also da.