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"Wir hatten Angst um unser Leben"

SCHWENDI IM WEISSTANNENTAL. Ein Erdrutsch hat den Gnadenhof von Theresia Seyffert in Schwendi im Weisstannental verwüstet. Sie beginnt nun von vorne – anderswo.
Daniel Walt
Tonnenweise Material ergoss sich auf das Gelände des Gnadenhofs. (Bild: pd)

Tonnenweise Material ergoss sich auf das Gelände des Gnadenhofs. (Bild: pd)

Nach dem ersten Schock hat sich Theresia Seyffert etwas gefangen. "Jetzt kann ich wenigstens anpacken", sagt sie. Zu tun hat sie mehr als genug: Am frühen Sonntagabend hat ein Erdrutsch den Gnadenhof Luna verwüstet, den Seyffert mit ihrem Mann am Fusse eines Hangs in Schwendi betreibt. Dabei hatte das Paar noch Glück im Unglück: "Wir wussten: Wenn noch mehr Material runterkommt, hält das Haus nicht stand. Wir hatten Angst um unser Leben", sagt die 58-jährige Seyffert. Weil die Fluchtwege abgeschnitten waren, riefen Seyffert und ihr Mann die Kinder an und verabschiedeten sich vorsorglich schon einmal von ihnen.

Tonnenweise Material ergoss sich auf das Gelände des Gnadenhofs. (Bild: pd)

Tonnenweise Material ergoss sich auf das Gelände des Gnadenhofs. (Bild: pd)

Erde, Steine und Gehölz bedecken den Aussenbereich des Gnadenhofs. (Bild: pd)

Erde, Steine und Gehölz bedecken den Aussenbereich des Gnadenhofs. (Bild: pd)

Zäune wurden beim Gnadenhof Luna durch die Schlammmassen eingedrückt. (Bild: pd)

Zäune wurden beim Gnadenhof Luna durch die Schlammmassen eingedrückt. (Bild: pd)



Sogar ein Auto
Es war am späteren Sonntagnachmittag, als es im Weisstannental stark zu regnen begann. Theresia Seyffert und ihr Mann trieben ihre Tiere in den Stall und sahen kurz darauf, dass der Bergbach über die Ufer trat. Dann ging alles schnell: Tonnen von Erde, Steinen und Gehölz rutschten auf den Gnadenhof zu. "Ganze Zäune, Bäume und sogar ein Auto befanden sich darunter", sagt Theresia Seyffert. Zwar trat Wasser ins Haus ein, die Schlammmassen konnten dem Gebäude schliesslich aber nichts anhaben. Der Aussenbereich des Gnadenhofs hingegen wurde komplett verwüstet. "Der Schaden ist massiv: Die Zäune sind herausgerissen, Land wurde herausgefressen. Keine Ahnung, wer das alles bezahlen wird", sagt Theresia Seyffert.

Theresia Seyffert, Besitzerin des Gnadenhofs. (Bild: pd)

Theresia Seyffert, Besitzerin des Gnadenhofs. (Bild: pd)



Tote Schildkröte
Seit rund 30 Jahren führen Theresia Seyffert und ihr Mann den Gnadenhof Luna – seit etwa 20 Jahren befindet er sich am aktuellen Standort in Schwendi. 60 Tiere haben dort ein Daheim gefunden, von Katzen über Schafe, Schweine und Hunde bis hin zu erblindeten Nutztieren wie beispielsweise Kühen, auf die sich die Betreiber in der jüngeren Vergangenheit spezialisiert haben. Theresia Seyffert geht davon aus, dass alle Tiere den Erdrutsch überlebt haben – Ausnahme: eine Schildkröte. Der Teich, in dem diese lebte, wurde von rund einer Tonne Material zugeschüttet, wie die 58-Jährige schätzt. "Die Schildkröte dürfte erstickt oder erdrückt worden sein", sagt sie.

Auch dieser Stall wurde von Erde und Geröll in Mitleidenschaft gezogen. (Bild: Sarganserländer/Michael Kohler)
Am Montag waren die Aufräumarbeiten in Schwendi in vollem Gang. (Bild: Sarganserländer/Michael Kohler)
Auch innerhalb eines Stalls fand sich Geröll. (Bild: Sarganserländer/Michael Kohler)
Massenhaft Geröll wurde vom Bach ins Dorf getragen. (Bild: Sarganserländer/Michael Kohler)
Der Melser Gemeindepräsident Guido Fischer spricht beim Dorfbrunnen mit einer betroffenen Anwohnerin. (Bild: Sarganserländer/Michael Kohler)
Heftige Regenfälle führten am Sonntagabend zu Erdrutschen. (Bild: Keystone)
In dieser Gartenbeiz in Schwendi wird vorerst niemand mehr essen. (Bild: Keystone)
Zivilschützer auf dem Weg zu Aufräumarbeiten. (Bild: Keystone)
Ohne schwere Geräte ist den Unwetterschäden nicht beizukommen. (Bild: Keystone)
Aufräumarbeiten nach den Erdrutschen in Schwendi. (Bild: Keystone)
Ein Mann auf einer teils verschütteten Strasse in Schwendi. (Bild: Keystone)
Erdmaterial, Steine und Holz blockieren eine Strasse. (Bild: Keystone)
Das Weisstannental ist nicht zum ersten Mal von Naturgewalten heimgesucht worden. (Bild: Keystone)
Spuren der Verwüstung in einer überfluteten Gartenbeiz in Schwendi. (Bild: Keystone)
14 Bilder

Verwüstungen im Weisstannental


"Mögen nicht mehr"
"Die Tiere sind unsere Familie", sagt Theresia Seyffert. Sie werden für die nächsten Monate ausquartiert, bis klar ist, wann es mit dem Gnadenhof weitergeht. Denn dass es weitergeht, steht für Theresia Seyffert und ihren Mann ausser Frage – allerdings auch, dass das nicht mehr am bisherigen Standort sein wird. "Hier mögen wir nicht mehr. Wir wollen nicht bei jedem Regen Angst haben müssen, dass wieder so etwas passiert", sagt Theresia Seyffert, die auf Facebook einen Spendenaufruf lanciert hat und der bereits viele Menschen finanzielle beziehungsweise tatkräftige Unterstützung zugesagt haben.

Wohl über eine Million Franken Schaden

Simon Buner, Gemeinderat von Mels, geht nach einer ersten vorsichtigen Schätzung davon aus, dass die Schäden nach dem Unwetter vom Sonntagabend im Weisstannental eine Million Franken übersteigen werden. Er spricht gegenüber Tagblatt Online von fünf Häusern mit Infrastruktur beziehungsweise Hausrat, die stark in Mitleidenschaft gezogen worden seien – "besonders schlimm hat es ein Restaurant mit Fischzucht erwischt", sagt Buner. Menschen kamen nach ersten Erkenntnissen nicht zu Schaden – jene Personen, die ihre Häuser am Sonntag sicherheitshalber hatten verlassen müssen, konnten mittlerweile wieder zurückkehren. Während am Sonntagabend rund 50 Personen von Feuerwehr und Zivilschutz im Einsatz gestanden hatten, wurden für Montag zwischen 30 und 40 Zivilschützer aufgeboten – "sie sind bis mindestens Mittwoch im Einsatz", sagt Simon Buner. Der Lauf des Baches, der am Sonntag über die Ufer trat, wird derzeit vergrössert, um möglichst zu verhindern, dass sich ein ähnliches Ereignis wiederholt. Die Strasse ins Weisstannental konnte am Montagmorgen wieder komplett geöffnet werden – laut Simon Buner war zunächst aber mit grösserem Baustellenverkehr zu rechnen. (dwa)

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