«Wir geben die besten Argumente weg»

Es sei zu akzeptieren, dass Moslems eigene Wünsche für ihre Beerdigungen haben, sagt Bischof Markus Büchel. Und warnt eindringlich davor, die eigenen Werte aufzugeben – etwa dann, wenn man die Intoleranz anderer kopiere.

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Markus Büchel Bischof des Bistums St. Gallen (Bild: Quelle)

Markus Büchel Bischof des Bistums St. Gallen (Bild: Quelle)

Herr Bischof, wie denken Sie über moslemische Grabfelder?

Markus Büchel: Auf einigen Friedhöfen sollten moslemische Grabfelder eingerichtet werden. Sie ermöglichen moslemischen Mitbürgern, ihre Angehörigen gemäss den Vorschriften ihrer Religion zu bestatten. Das ist ein Dienst der Nächstenliebe, nicht nur an den Verstorbenen, sondern vor allem an den Hinterbliebenen.

Fühlen sich die Angehörigen unserer Religionen nicht gestört?

Büchel: Zunächst glaube ich nicht, dass auf jedem Friedhof ein moslemisches Grabfeld eingerichtet werden muss. Es wird reichen, dies in Zentrumsgemeinden zu tun – oder dort, wo grössere moslemische Gemeinschaften leben. Es gibt zudem ja auch andere abgegrenzte Zonen, etwa Kinder-, Gemeinschafts- und die Priestergräber. In der Friedhofsgestaltung gibt es viele gute Beispiele, bei welchen die Trennung gar nicht auffällt, weil ja auf jedem grösseren Friedhof sowieso Grabfelder bestehen.

Was raten Sie Menschen, die sich trotzdem gestört fühlen?

Büchel: Für mich ist das erstens eine Frage der guten Information und zweitens eine der Gestaltung. So wie es für Christen wichtig ist, ein christliches Begräbnis und Grab zu bekommen, so wie es für andere wichtig ist, die Urne ihrer Angehörigen nach Hause zu nehmen oder die Asche in den Bergen zu verstreuen, so können wir sicherlich auch akzeptieren, dass Moslems – wie auch andere Religionen – bestimmte Wünsche für ihre Beerdigung haben.

Rechtsbürgerliche Kreise argumentieren, dass in islamischen Ländern auch keine christlichen Grabfelder erlaubt würden. Wie stellen Sie sich dazu?

Büchel: Als Seelsorger antworte ich mit der goldenen Regel Jesu, die er mit allen Religionen teilt: Was du von anderen erwartest, das tu auch für sie. Deshalb setzen wir uns wo immer möglich gegen jede Diskriminierung und Unterdrückung von Christen in islamischen und anderen Ländern ein. Als vernünftiger Bürger eines Rechtsstaates sage ich: Wir berauben uns unserer besten Argumente, wenn wir das, was wir wünschen und fordern, selbst nicht gewähren. Wir können doch nicht unsere Werte und Normen der Mitmenschlichkeit nur deshalb aufgeben, weil andere sie nicht leben. Interview: Markus Wehrli

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