«Wir fühlten uns im Stich gelassen»: Wie zwei Ostschweizer Touristen wegen Corona in Costa Rica um ihre Heimreise bangten

Während die Schweizer hierzulande aufgefordert werden, zu Hause zu bleiben, versuchen Hunderte Touristen heimzukehren. Zwei Ostschweizer, die in Costa Rica gestrandet waren, erzählen ihre Geschichte.

Linda Müntener
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Leere Hallen bei der Ankunft in der Schweiz: Der Flughafen Zürich ist verwaist.

Leere Hallen bei der Ankunft in der Schweiz: Der Flughafen Zürich ist verwaist.

Bild: ZVG

Als das Flugzeug in Zürich zur Landung ansetzte, war es geschafft. In kleinen Gruppen wurden die Passagiere aus der Maschine gelassen, darunter ein Paar aus der Ostschweiz. Vorbei an Polizisten und Beamten ging es langsam, immer mit genügend Abstand voneinander, in die leere Halle des Flughafens. Koffer holen und dann zurück nach Hause ins Appenzellerland, 10 Tage vorsorgliche Quarantäne. Und: endlich Gewissheit. 

Seit dem 8. März waren die beiden Ostschweizer, die namentlich nicht genannt werden möchten, in Costa Rica in den Ferien. Eigentlich wären sie jetzt in den USA. Die Rückreise war ursprünglich mit einem Flug am 24. März über Los Angeles geplant. Dort wollten die beiden ein paar Tage verbringen, bevor es am 30. März zurück nach Zürich gehen sollte. Doch das Coronavirus machte ihnen einen Strich durch die Rechnung.

Rückflüge wurden gestrichen

Dass es mit der Heimreise über Los Angeles schwierig werden könnte, wurde den beiden erstmals bewusst, als US-Präsident Donald Trump das Einreiseverbot in den USA verhängte. «Wir dachten, die Umbuchung würde automatisch über die Airline, beziehungsweise das Onlinereisebüro laufen. Dass uns irgendjemand kontaktiert oder dass eine Umbuchung im Online-Benutzerkonto ersichtlich ist. Es wurden mehrere E-Mails an die Reisebüros und Fluggesellschaften verschickt.»

Die Tage vergingen, immer wieder neue Meldungen in den Nachrichten, auch Kollegen hielten die beiden via WhatsApp auf dem Laufenden.

«Von den Airlines oder den Onlinereisebüros hörten wir nichts.»

Als sie online nachschauten, sahen sie, dass die Swiss den Flug gestrichen hatte. Die Heimreise sei nur noch über New York möglich. Sie meldeten sich bei der Fluggesellschaft und wurden vertröstet: Man könne noch nichts machen, frühestens drei Tage vor dem Abflug.

Es folgte ein Hin und Her zwischen den Airlines, unbeantwortete E-Mails, besetzte Telefone, Weiterleitungen – ohne Ergebnis. Sie buchten einen Heimflug über New York, auch dieser wurde ein paar Tage später gestrichen. Die erneute Kontaktaufnahme mit der Buchungsstelle war erfolglos. Beim Lufthansa-Callcenter kamen die beiden auch nach mehrmaligem Probieren und zwei Stunden in der Warteschlaufe nicht durch.

Glück auf der Warteliste

Derweil rief der Bundesrat Schweizer Touristinnen und Touristen auf, heimzukehren. Die Forderungen nach Rückholflügen wurden lauter. Die beiden Ostschweizer installierten die App des Eidgenössischen Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) und registrierten sich. «Dass ein Sonderflug geplant ist, konnte das EDA nicht bestätigen. Wir wurden vertröstet und angewiesen, uns auf der EDA-Homepage und der Botschaft regelmässig zu informieren. Das war uns zu wenig.» Am Telefon sagte man den beiden, sie sollen in erster Linie schauen, ob sie die Heimreise selber organisieren können.

«So einfach ging das leider nicht», erzählt die Frau am Telefon. «Wir haben alles versucht, über Kanada, London, Madrid.» Teilweise wurden Flüge mit dreimaligem Umsteigen angeboten – Reisezeit ca. 40 Stunden – und zu überhöhten Preisen. «Man stand vor der Wahl: Nochmals einen Flug buchen oder abwarten, auf eine allfällige Rückholaktion hoffen.» Nach und nach wurden die Flüge storniert. Die Zeit drängte: Ihr Hotel meldete, am 26. März zu schliessen. Die Strände waren bereits leergefegt, die Strassen und Restaurants ebenso.

Glück im Unglück: Die beiden fanden einen Edelweiss-Flug am 22. März und liessen sich auf die Warteliste setzen. Denn sie waren nicht die einzigen, die nach Hause wollten.

Auf der fünfstündigen Fahrt zum Flughafen erhielten die beiden vom EDA eine E-Mail, wonach am 23. März ein Sonderflug stattfinden werde. Diesen müsse man über die Swiss-Homepage buchen. «Wir haben stündlich die Homepage aktualisiert und den Sonderflug nicht gefunden. Wir nahmen an, dass der Flug bereits ausgebucht war.»

Lange Warteschlangen am Flughafen in San José – die Touristen wollen schnellstmöglich nach Hause.

Lange Warteschlangen am Flughafen in San José – die Touristen wollen schnellstmöglich nach Hause.

Bild: ZVG

Angekommen am Flughafen informierten die Mitarbeitenden darüber, dass der Edelweiss-Flug überbucht war. Bis 40 Minuten vor dem Start war deshalb unklar, ob der Flieger überhaupt abheben würde.

«Es herrschte Chaos, Leute kauften in letzter Minute noch Tickets, weil ihre bereits bestätigten Flüge gestrichen wurden.»

Es gab auch Reisende, die am Flughafen gestrandet waren, weil sie nicht auf ihren gebuchten Flug nach Europa konnten. Dann die gute Nachricht für die beiden Ostschweizer: Boarding.

Mit einer Edelweiss-Maschine flogen die beiden Ostschweizer zurück.

Mit einer Edelweiss-Maschine flogen die beiden Ostschweizer zurück.

Bild: ZVG

«Ein SMS zur Info hätte gereicht»

Mittlerweile sind die beiden wieder zu Hause. Von den Airlines, Onlinereisebüros und vom EDA sind sie enttäuscht. «Wir fühlten uns im Stich gelassen», sagt der Mann. Klar habe er Verständnis für die ausserordentliche Situation. «Aber wenigstens Informationen wären wichtig gewesen. Ein SMS hätte gereicht.» Der Rückflug sei angenehm gewesen, die Crew motiviert und freundlich. «Wir sind dankbar für den Einsatz in dieser schwierigen Zeit.»

Die Informationen und die Buchung für den vom EDA organisierten Sonderflug seien chaotisch und unklar gewesen. «Sind deshalb auch so wenig Reisende mit jenem Flug zurückgekehrt?», fragt sich die Frau. «Deutschland und Österreich haben hierfür eine Onlineplattform, auf denen man sich für die Flüge anmelden kann. Entgegen der Meinung vieler Leser bezahlen Reisende für diese Rückholflüge den Ticketpreis selber und nicht der Staat.»

Zurückerstattet werden die Tickets nicht

Drei Rückflüge haben die beiden nun gebucht und bezahlt, aber nur einen angetreten. Die Swiss teilt mit, dass Ticket und Ticketwert bestehen bleiben und auf ein neues Abflugdatum bis einschliesslich 31. Dezember 2020 umgebucht werden können. Zurückerstattet werden die Tickets Stand heute nicht.

Die Rückholaktion des EDA ist derweil angelaufen. Das erste Flugzeug ist am Dienstagnachmittag auf dem Flughafen Zürich gelandet. Das Flugzeug war in San José in Costa Rica gestartet. Nicht alle Plätze waren besetzt.

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