«Wir erzählen eine Geschichte der Schweiz»: erster Stammtisch der Operation Libero in St.Gallen

Die Operation Libero hat ihren ersten Stammtisch in der Ostschweiz
abgehalten. Statt um regionale Anliegen ging es ums grosse Ganze.

Katharina Brenner
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Ein weisses X auf pinkem Hintergrund ist das Logo der Operation Libero. (Bild: Operation Libero)

Ein weisses X auf pinkem Hintergrund ist das Logo der Operation Libero. (Bild: Operation Libero)

Etwas Besseres hätte den jungen Vertretern der Operation Libero kaum passieren können: Nachdem Vorstandsmitglied Janos Ammann im St.Galler Café Gschwend einen «Patriotismus der Institutionen» und die «Schweiz als Chancenland» beschworen hatte, meldete sich eine Frau aus dem Publikum zu Wort. 30 Jahre habe sie im Ausland gelebt, immer schlechter sei es ihr in dieser Zeit beim Blick auf die Schweiz gegangen.

«Dann seid ihr gekommen. Junge Leute, die sich für eine offene Schweiz einsetzen. Dafür möchte ich euch im Namen der älteren Generation danken.»

Applaus bei den Gästen, die Hälfte davon Teil der älteren Generation. Rund 20 Personen waren der Einladung zum ersten Stammtisch der Operation Libero in der Ostschweiz gefolgt, gleich viele Frauen wie Männer.

Ostschweiz habe «klare regionale Priorität»

Der Verein mit Sitz in Bern zählt schweizweit über 1300 Mitglieder und über 5000 Aktive mit Teams in Basel, Bern, Genf und Zürich. Anfang Jahr sagte ein Mediensprecher, die Ostschweiz habe «klare regionale Priorität».

Zwei Monate später nun der Stammtisch, ein Beschnuppern von Interessierten und Mitgliedern. Die SVP habe es geschafft «eine Geschichte vom kleinen, starrköpfigen, eher ländlichen Schweizer» in den Köpfen festzusetzen, sagt Janos Ammann. Ausländer seien negativ konnotiert.

«Wir erzählen eine Geschichte der Schweiz, die von Gleichheit vor dem Gesetz, Freiheit, Demokratie und Chancen handelt– unabhängig von der Herkunft».

Zwei Kantischüler aus Frauenfeld meinten, es sei «schon verrückt», dass in ihrer Klasse eigentlich niemand Einwanderung positiv sehe. Er würde sich gerne politisch engagieren, wisse aber nicht, in welcher Partei, sagte einer von ihnen.

Gäste diskutieren über EU und Nationalratswahlen

An den anderen Tischen wurde über die EU diskutiert. Der Tenor: Die EU könne viel von der Schweiz lernen, «was Tierschutz, Landwirtschaft oder Debattierkunst anbelangt». Der Wunsch sei «eine sehr gute Nachbarschaft». Ein paar Stühle weiter ging es um die Wahlen. Die Operation Libero stellt keine eigenen Nationalratskandidaten, möchte aber diejenigen unterstützen, die ihre Anliegen unterstützen. Ein Gast forderte:

«Ihr müsst bei der Sache bleiben.»

Auf Personen zu setzen, sei ein Fehler. Der St.Galler SP-Präsident Max Lemmenmeier widersprach: «Es gibt keine reine Sachpolitik.» Auch Vertreter von Grünen und BDP waren unter den Gästen.

Vorerst geht es um Vernetzung

Andrea Oertle, Team Ostschweiz Operation Libero. (Bild: PD)

Andrea Oertle, Team Ostschweiz Operation Libero. (Bild: PD)

«Konkrete Events oder Aktionen in der Ostschweiz sind noch nicht geplant. Uns geht es jetzt vor allem darum, uns zu vernetzen», sagte David Caspar. Gemeinsam mit Andrea Oertle leitet der 35-Jährige Informatiker das neue Team Ostschweiz. Er kommt ursprünglich aus St.Gallen und lebt «im Raum Zürich». Oertle, 28, lebt in Sargans und ist «Campaignerin» in Zürich. Sie würden sich freuen, «weitere Stammtische in der Ostschweiz durchzuführen», so die beiden.

David Caspar, Team Ostschweiz Operation Libero. (Bild: PD)

David Caspar, Team Ostschweiz Operation Libero. (Bild: PD)

Als nach gut einer Stunde die ersten aufbrachen, sammelte Caspar Handynummern. Wer wollte, konnte einer Whatsapp-Gruppe beitreten, «um Ideen auszutauschen». Das Notizbuch füllte sich mit Nummern. Ob aus Nummern Ideen und aus Ideen Aktionen werden, wird sich zeigen.

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