"WIR BEDIENEN HIER KEINE NEGER": Dorfstreit nach Rassismus-Eklat in Bazenheid

Weil die Wirtin Asylsuchenden die Bedienung verweigert haben soll, steht die Bazenheider «Traube» im medialen Gegenwind. Der Vorfall hat auch im Dorf eine gehässige Debatte ausgelöst.

Andri Rostetter
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In der "Traube" Bazenheid soll ein Schwarzer nicht bedient worden sein. (Bild: Ralph Ribi)

In der "Traube" Bazenheid soll ein Schwarzer nicht bedient worden sein. (Bild: Ralph Ribi)

Andri Rostetter

andri.rostetter@tagblatt.ch

Hans Stadler ist aufgebracht. «Das kann doch nicht sein. Solche Aussagen gehen einfach nicht.» Stadler ist Präsident des Kulturvereins Bräägg. Der Verein organisiert vier Mal im Jahr Kleinkunstveranstaltungen in der Bazenheider «Traube». Die Landbeiz steht seit vergangener Woche in schlechtem Licht da. Die Wirtin soll im Sommer Asylsuchenden die Bedienung verweigert haben. Im anschliessenden Wortgefecht soll auch der folgenschwere Satz gefallen sein: «Wir bedienen hier keine Neger.»

Kulturvereinspräsident Stadler ärgert sich aber nicht über die Wirtsleute. In Rage brachten ihn die Aussagen von Stefan Diener, Präsident der lokalen SP-Sektion Alttoggenburg. Diener machte am Freitag gegenüber unserer Zeitung klar, dass die «Traube» für SP-Anlässe nicht mehr tragbar sei. Und dann stellte er fest, dass sich Bazenheid «allgemein schwer tut mit dem hohen Ausländeranteil». Eine Aussage, die aus Sicht von Kulturvereinspräsident Stadler schlichtweg «unhaltbar» ist. «Es hätte mich nicht erstaunt, wenn Diener ortsunkundig wäre. Aber er wohnt ja schon seit über zehn Jahren hier», sagt Stadler.

Es ist nicht das erste Mal, dass in Bazenheid über den Umgang mit Ausländern debattiert wird. Das Dorf, das zur Gemeinde Kirchberg gehört, hat im ­Toggenburg einen der höchsten Ausländeranteile; von den rund 3500 Einwohnern haben etwa ­ 30 Prozent eine ausländische Staatsangehörigkeit, darunter sind viele aus den Balkanstaaten. Im Volksmund trägt das Dorf ­deshalb den Übernamen «Bazedonien».

SP-Sektionspräsident zeigt sich irritiert

Bazenheid habe tatsächlich viele Ausländer, aber die Integration funktioniere gut, sagt Stadler. «Unsere Vereine sind lebendig. Und die Lehrer unterrichten gern hier.» Es gebe auch immer wieder gemeinschaftliche Anlässe, etwa interreligiöse Gottesdienste. «Der Imam von Wil hat auf dem Dorfplatz von Bazenheid schon gemeinsam mit dem katholischen und dem reformierten Pfarrer gepredigt. Damit hat hier niemand ein Problem. »

SP-Sektionspräsident Diener zeigt sich über Stadlers Kritik befremdet. «Meine Aussage liess vielleicht etwas viel Interpretationsspielraum zu. Aber es ist so, dass es hier einige Leute gibt, die Mühe haben im Umgang mit Fremden.» Irritierend – und auch entlarvend – sei aber, dass nun seine Aussage im Dorf eine grössere Kontroverse ausgelöst habe als die Sätze, die in der Beiz gefallen sein sollen. «Das ist enttäuschend.»

Die SP Alttoggenburg habe den Entscheid, keine Anlässe in der «Traube» durchzuführen, aber ohnehin schon früher getroffen. Nachdem die Partei von den «Traube»-Wirtsleuten eine Absage kassiert hatte – mit dem Hinweis, man wolle keine politischen Veranstaltungen mehr, höchstens noch mit Leuten «in Springerstiefeln».

Und was sagt Stadler zu den Rassismusvorwürfen gegen die Gastgeber seines Kulturvereins? «Ich habe nie so etwas gehört.» Der Verbleib des Vereins in der «Traube» stehe nicht zur Debatte. «Wir haben eine Vereinbarung mit der Erbengemeinschaft – und diese halten wir ein.» Der nächste Anlass des Kulturvereins ist für den 27. Oktober geplant. Das Wirtepaar soll dann wieder wie gewohnt im Einsatz stehen. Ausgestanden ist die Geschichte aber noch nicht: Am Samstag wurde publik, dass die Polizei die Vorfälle in der «Traube» untersuchen will. Sämtliche Beteiligten sollen zu einer Befragung eingeladen werden.

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