Glosse

Wir bauen eine Mauer

«Mosttröpfli»: Schon zum zweiten Mal in diesem Jahr sind Regierungsratskandidaten anderer Kantone mit Wahlplakaten in den Thurgau eingedrungen. Jetzt braucht es dringend ein Abwehrdispositiv.

Christian Kamm
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Christian Kamm.

Christian Kamm.

Urs Jaudas

Also ich bin für Christian Amsler. Dem würde ich meine Stimme geben. Sie auch? Sorry, wahrscheinlich wissen Sie gar nicht, wer Christian Amsler ist. Das war bei mir nicht anders. Bis ich gelesen habe, dass er im Kanton Schaffhausen für die Regierung kandidiert und auch im schönen Thurgauer Städtchen Diessenhofen ein Wahlplakat platziert hatte.

Merkwürdig zwar, aber kann halt passieren. Viel schlimmer wäre sowieso der umgekehrte Fall: Wenn die Diessenhofer Kantonswechselgelüste hegten und das Plakat selbst aufgehängt hätten, um künftig bei den Schaffhauser Wahlen mitzumischen. Schon als man dieser ziemlich verlorenen Thurgauer Ecke den eigenen Bezirk genommen hatte, gab es warnende Stimmen. Das könnte sie jetzt sein, die späte Rache der Diessenhofer.

Vielleicht wäre die Thurgauer Regierung deshalb gut beraten, wieder einmal den Tarif durchzugeben. Zumal bereits im vergangenen Februar extraterritoriale Regierungsratskandidaten mit ihren Wahlplakaten bis in den Raum Kreuzlingen vorgestossen sind. Damals aus dem Kanton St. Gallen. Nun heisst es: Wachsam bleiben, liebe Thurgauer Regierung. Und es braucht dringend ein Abwehrdispositiv.

Als Erstes würde ich den Thurgauer Aussenbeauftragten mit einer Protestnote nach Schaffhausen schicken. Damit der auch einmal die Genugtuung erfährt, dass es ihn tatsächlich braucht. Genügt das noch nicht, sollte der Grenzschutz ausgebaut werden. Und falls sich die grüne Grenze dann für fremde Regierungskandidaten weiterhin als durchlässig erweist, müsste der Thurgau wohl eine Mauer bauen. Nichts einfacher als das. Einfach im Weissen Haus in Washington anrufen. Dort weiss einer, wie das geht.