Wintertourismus
«Keine unnötigen Einschränkungen!»: Die St.Galler SVP will die Skisaison retten – und geht auf Konfrontation mit Gesundheitsminister Berset

Gesundheitsminister Alain Berset plant, die Coronamassnahmen in den Skigebieten zu verschärfen: Dies wurde am Wochenende bekannt. Die St.Galler SVP ist alarmiert – und lanciert zeitgleich Vorstösse im Bundesparlament und im Kantonsrat.

Adrian Vögele
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Auf die Bergbahnen kommt ein unsicherer Winter zu.

Auf die Bergbahnen kommt ein unsicherer Winter zu.

Benjamin Manser

Skifahren trotz Corona – ja oder nein? Um diese Frage zankt sich halb Europa. Deutschland fordert die Schliessung der Skigebiete, Österreich wehrt sich. In der Schweiz blieb es lange ruhig. Bis am Wochenende bekannt wurde, dass Gesundheitsminister Alain Berset im Hinblick auf das Weihnachtsgeschäft Kapazitätsbeschränkungen für die Skigebiete plant.

Mike Egger, St.Galler SVP-Nationalrat.

Mike Egger, St.Galler SVP-Nationalrat.

Bild: Alessandro Della Valle / KEYSTONE

Die SVP St.Gallen reagiert postwendend. Sie reicht heute in Bundesbern und im Kantonsparlament parallel Vorstösse ein. Die Forderung: «Keine unnötigen Einschränkungen im Wintertourismus!» Diese koordinierte politische Aktion sei notwendig, sagt Nationalrat Mike Egger – gerade für die Tourismusbranche im Kanton St.Gallen stehe vieles auf dem Spiel.

«Unmöglich umsetzbar»

«Wir sprechen von drastischen Kapazitätsbegrenzungen in den Skigebieten», heisst es in der dringlichen Interpellation der Kantonsratsfraktion. Diese seien unmöglich umzusetzen. Schon jetzt würden die Betreiber grosse Anstrengungen unternehmen, um die Vorgaben des Bundes bezüglich Corona umzusetzen; die Schutzkonzepte würden funktionieren. Der Tourismus stehe unter einem grossen finanziellen Druck. Und:

«Die Gesellschaft sehnt sich nach Natur und der Bewegung in der frischen Luft.»

Die SVP vermutet, dass die Schweiz sich in dieser Angelegenheit vom Ausland beeinflussen lässt. «Wird sich der Bundesrat diesem Druck widersetzen?», fragt Mike Egger in seiner Einfachen Anfrage im Nationalrat. Weiter will er wissen: «Setzt sich der Bundesrat dafür ein, dass ein normaler Skitourismus stattfinden kann, damit die betroffenen Unternehmungen eine Planungssicherheit erhalten?»

Koordiniertes Vorgehen der Ostschweizer Kantone?

Analoge Fragen stellt die Kantonsratsfraktion an die St.Galler Regierung. «Wie bemüht sich die Regierung, damit die Skigebiete im Kanton St.Gallen nicht mit übermässigen Restriktionen belegt werden?» Die Fraktion erkundigt sich auch nach einem koordinierten Vorgehen der Ostschweizer Kantone bezüglich Wintertourismus.

Am Dienstagmorgen entscheidet das Kantonsparlament, ob die Interpellation für dringlich erklärt wird und die Regierung noch in der laufenden Session eine Antwort vorlegen muss. Volkswirtschaftsdirektor Beat Tinner (FDP) sagte einstweilen am Montagnachmittag in einer ersten Reaktion, die Ostschweizer Volkswirtschaftschefs hätten sich auf Bundesebene stark zugunsten des Wintertourismus eingesetzt und würden dies weiterhin tun. Er sei überzeugt: «Die Leute müssen an die frische Luft gehen können.»

Mike Eggers Fragen im Nationalrat wird der Bundesrat am kommenden Montag beantworten.