WINTERSPORT IN DER OSTSCHWEIZ: Zu viel Sonne, zu wenig Schnee

In der Altjahreswoche erwirtschaften Skigebiete bis zu einem Viertel des Winterumsatzes. Just in den wichtigsten Tagen des Jahres fehlt den Ostschweizer Wintersportgebieten aber der Schnee.

Christof Krapf
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In der Altjahreswoche werden in den Flumserbergen 11 von 17 Anlagen in Betrieb sein. (Bild: pd)

In der Altjahreswoche werden in den Flumserbergen 11 von 17 Anlagen in Betrieb sein. (Bild: pd)

Christof Krapf

christof.krapf@tagblatt.ch

Sonne und Schnee – schon lacht das Herz des Wintersportlers. Von Ersterem haben die Ostschweizer Skigebiete mehr als genug. Seit Tagen scheint in den Bergen die Sonne. Über das schöne Wetter mögen sich die Betreiber aber nicht so recht freuen. «Im Tal ist es kälter als auf dem Berg. Deshalb hatten wir Schwierigkeiten, unsere Pisten zu beschneien», sagt Urs Gantenbein, Vorsitzender der Geschäftsleitung der Bergbahnen Wildhaus. Im Toggenburg sind aktuell lediglich zwei Pisten geöffnet. «Aufs Wochenende hin werden wir zwei weitere Abfahrten in Betrieb nehmen», so Gantenbein. Jürg Vollmer, Mediensprecher der Pizolbahnen, sagt: «Wir werden keinen idealen Saisonstart erleben.» In seinem Gebiet sind nur zwei von 42 Pisten offen. Vollmer rechnet nicht damit, dass sich dies über die Festtage ändern wird. «Für die Beschneiungsanlagen ist es zu warm.»

Letztmals fiel in den Ostschweizer Bergen vor über einem Monat Schnee. «Damals hatten wir eine gute Grundlage», so Vollmer. Der Föhn machte dem Naturschnee allerdings den Garaus. Vom einen zu viel – vom anderen zu wenig. Die Skigebiete stecken im Dilemma. Als ob das nicht genug Ungemach wäre, steht die wichtigste Zeit des Jahres bevor. «In einem idealen Winter machen wir bis zu einem Viertel unseres Umsatzes in der Altjahreswoche», sagt Gantenbein. Die Einbussen durch den Schneemangel mag er nicht beziffern. «Wir sind zufrieden, dass die Gäste bei uns überhaupt Ski fahren können.» Hauptzielgruppe für Wildhaus sind Familien. Gantenbein ist deshalb froh, dass immerhin die Kinderländer der Skischule in Alt St.Johann und in Wildhaus geöffnet werden können.

Flumserberge profitieren von Kühltürmen

Anstatt aufs Skifahren setzen die Pizolbahnen auf alternative Angebote. Auf dem Wangsersee können die Gäste auf über 2200 Metern über Meer Schlittschuhlaufen. Ebenfalls ist der Panoramahöhenweg geöffnet und wer will, kann sich an der Talstation mit einem Fonduerucksack eindecken – dieser enthält alles, was es für einen Fondueplausch unter freiem Himmel braucht. «Wir versuchen unseren Besuchern trotz Schneemangel so viel wie möglich zu bieten», sagt Vollmer.

Rosiger präsentiert sich die Situation in den Flumserbergen. Wie die Bergbahnen mitteilen, werden während der Altjahreswoche 11 von 17 Anlagen sowie 20 Pistenkilometer in Betrieb sein. «Wir haben nach den Schneefällen im November sofort Pisten präpariert», sagt Mediensprecherin Katja Rupf. Der Schnee hat deshalb den Wärmeeinbruch überdauert. Zudem verfügen die Flumserberge über Kühltürme. Damit wird das Wasser für die Beschneiungsanlagen gekühlt. «Wir können daher auch dann beschneien, wenn es andere Gebiete nicht mehr schaffen», so Rupf. In der Altjahreswoche wird den Betreibern dann auch die Sonne wieder willkommen sein. Sie hoffen, dass den Unterländern die Nebeldecke auf den Kopf fällt – und die Gäste trotzdem in die Berge fahren. Für einmal auf der Suche nach Sonne; nicht nach Schnee.

Der Pizol setzt auf Alternativen wie Eislauf auf Bergseen. (Bild: PD)

Der Pizol setzt auf Alternativen wie Eislauf auf Bergseen. (Bild: PD)