WINTERSPORT: Ende gut, nicht alles gut

Die Verantwortlichen im Toggenburg, am Flumserberg und am Pizol ziehen eine positive Bilanz der Wintersaison. Sie haben vom vielen Schnee und dem erstarkten Euro profitiert. Doch es war und ist nicht alles eitler Sonnenschein.

Katharina Brenner
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Viel Schnee allein reicht für eine erfolgreiche Wintersaison nicht aus: Es braucht auch gutes Wetter wie hier auf dem Chäserrugg. (Bild: Urs Bucher)

Viel Schnee allein reicht für eine erfolgreiche Wintersaison nicht aus: Es braucht auch gutes Wetter wie hier auf dem Chäserrugg. (Bild: Urs Bucher)

Katharina Brenner

katharina.brenner@tagblatt.ch

Bei bestem Frühlingswetter schnallten Wintersportler am Sonntag am Flumserberg, Pizol und Chäserrugg noch einmal ihre Ski an. Nur in Wildhaus hatte die Wintersaison bereits am Ostermontag aufgehört. Hatte eine Verlängerung zur Diskussion gestanden? «Nein», sagt Marketingleiter Jürg Schustereit. Die Arbeitsverträge der Saisonniers liefen bis zum geplanten Saisonende, und die Nachfrage lasse in den Voralpengebieten mit steigenden Temperaturen im April schnell nach. Im Nachbardorf Unterwasser sieht man das anders: Dort wurde in der Osterwoche verlängert. Die letzte Woche und das Wochenende seien ein Erfolg gewesen auf dem Chäserrugg, sagt Mélanie Eppenberger, Verwaltungsratspräsidentin der Toggenburg Bergbahnen. «Die Schneeverhältnisse waren immer noch ausgezeichnet.» Gemäss Homepage endete die Saison am 8. April, doch Eppenberger sagt: «Wenn Wetter, Stimmung und Schnee es ermöglichen, werden wir ad hoc an den kommenden Wochenenden die Bahnen in Betrieb nehmen». Jeweils am Donnerstag werde dies auf der Website bekannt gegeben. Ein Fazit der Wintersaison könne sie noch nicht definitiv ziehen. «Es ist auf jeden Fall erfreulich festzustellen, dass es noch Winter gibt und dass die Saison gut verlief.»

In Wildhaus klingt das ähnlich. «Dieser Winter hat gezeigt: Wenn Schnee­lage und Wetter stimmen, kommen die Besucher», sagt Schustereit. «Wir verzeichneten sieben Prozent mehr Gästeeintritte als im Vorjahr.» Die Anzahl der Fahrten habe sich um acht Prozent erhöht. «Es war eine gute, durchschnittliche Saison.» Zu Beginn sei die Euphorie wohl etwas zu gross gewesen. Nach dem Jahreswechsel folgten Winterstürme mit Betriebsunterbrüchen; der Februar und die erste Märzhälfte seien eindeutig zu düster ausgefallen. Gemäss Meteo Schweiz war es regional die sonnenärmste Dezember-März-Periode seit Messbeginn im Winter 1959/60. Auf dem Säntis gab es nur vier noch trübere Winter.

Früher Saisonstart am Flumserberg

Zu wenig Sonne im Februar und in der ersten Märzhälfte, viel Wind Anfang Jahr und viel Schnee die ganze Saison über – diese Einschätzung teilen die Verantwortlichen der Ostschweizer Skigebiete. Ebenso den besucherreichsten Tag: Am 29. Dezember waren am Pizol über 6200 Personen, Wildhaus-Unterwasser-Alt St. Johann zählte 9300 Besucher, Flumserberg 13000. Mit dem 18. November hatten die Bergbahnen Flumserberg einen frühen Saisonstart. Dieser sei flexibel, das Ende am 8. April wegen der Arbeitsverträge fix, sagt Marketingleiterin Katja Rupf. Sie spricht von einer «sehr guten Saison». Der Ticketertrag liege 13 Prozent über dem Vorjahr und 10 Prozent über dem Fünfjahresdurchschnitt.

Die angeschlagenen Pizolbahnen (siehe Zweittext) verzeichnen ein Besucherplus: «Wir hatten 17 Prozent mehr Ersteintritte in dieser Saison», sagt Klaus Nussbaumer, Geschäftsführer der Pizolbahnen. «Es war eine gute, durchschnittliche Saison.» Gerechnet auf die vergangenen vier Jahre, liegt das Plus bei den Gästen allerdings nur bei 1,5 Prozent. Es war die zweite Saison, in der die Pizolbahnen online wetterabhängige Ticketpreise anboten: Bis zu acht Tage im Voraus kann ein Ticket gekauft werden, dessen Preis sich nach dem prognostizierten Wetter richtet. Sieht es schlecht aus, zahlt der Kunde weniger – bis zur Hälfte des regulären Preises. In der Saison 2016/17 wurden 1000 Tickets auf diese Weise verkauft. In der Saison 2017/18 seien es bereits vier Mal so viele gewesen, sagt Nussbaumer. Ob die Pizolbahnen das Modell fortführen, steht aber noch nicht fest. Erst muss die Fachhochschule St. Gallen (FHSG), die es entwickelt hat, die Ergebnisse dieser Saison auswerten.

Von den wetterabhängigen Ticketpreisen der Pizolbahnen hält Christian Laesser, Titularprofessor für Tourismus und Dienstleistungsmanagement an der Universität St. Gallen (HSG), nicht viel: solch ein Angebot zahle sich kaum aus für Skigebiete. Besser sei es, auf die Zahlungsbereitschaft der Kunden zu setzen. Skigebiete müssten sich fragen: Was muss ich dem Kunden bieten, damit er kommt? Eine weitere Strategie wäre, auf internationale Gäste zu setzen, etwa von der US-amerikanischen Ostküste. «Statt in den Rocky Mountains könnten New Yorker ihre Skiferien in den Schweizer Alpen verbringen», sagt Laesser. Hiesige Skigebiete und Regionen müssten dementsprechend mit Pauschalangeboten und Direktflügen werben. Vermehrt ausländische Gäste, allerdings nicht aus Übersee, sondern aus Deutschland, verzeichneten laut Schustereit die Bergbahnen Wildhaus. Die gesamte Tourismusbranche hatte in den vergangenen Jahren unter dem starken Franken gelitten. Inzwischen ist der Euro erstarkt; ein «Lichtblick», wie der Branchenverband Seilbahnen Schweiz gestern mitteilte.

Teuerste Tageskarte in Silvretta Montafon

Schustereit führt auch die gestiegenen Ticketpreise in Österreich ins Feld. Die teuerste Tageskarte für Erwachsene in Vorarlberg hatte diesen Winter gemäss den «Vorarlberger Nachrichten» Silv-retta Montafon mit 52.50 Euro. Die Zeitung hatte im Herbst 2017 die Preise mit dem Vorjahr verglichen: Tagestickets kosteten 3,4 Prozent mehr, Saisonkarten rund 2,5 Prozent mehr. Christian Laesser von der HSG sagt zur österreichischen Konkurrenz: «Der Wintersport in Vorarlberg und in der Ostschweiz ist nicht das gleiche Geschäft.» Im Unterschied zum Vorarlberg setzten Ostschweizer Skigebiete vor allem auf das Tagesgeschäft. Die Verbindung mehrerer Skigebiete am Arlberg habe denn auch nicht den Effekt gehabt, auf den die Verantwortlichen gehofft hatten. «Grösse allein reicht nicht aus.»

Durch den starken Franken würden Probleme, die den gesamten Alpenraum betreffen, in Österreich verspätet ankommen. Der demografische Wandel sei aber auch dort zu spüren: «Die Generation der Babyboomer fängt an, aus dem Wintersport auszuscheiden.» Die nachfolgenden Generationen seien kleiner, und der Wintersport habe für sie nicht mehr dieselbe Bedeutung. Doch Laesser zeigt sich zuversichtlich: «Die Skigebiete werden Lösungen finden.»