Die Wildhauser gehen fremd: Die Bergbahnen kooperieren mit Grüsch-Danusa

Im Toggenburger Bergbahnen-Streit ist kein Ende in Sicht. Nun ergreift ein Unternehmen die Flucht nach vorn: Die Wildhauser Saisonkarte ist nächsten Winter auch in Grüsch-Danusa gültig.

Regula Weik
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Skifahrer unterwegs zur Gamsalp im Skigebiet Wildhaus. (Bild: Benjamin Manser, 28. Dezember 2018)

Skifahrer unterwegs zur Gamsalp im Skigebiet Wildhaus. (Bild: Benjamin Manser, 28. Dezember 2018)

Die Wildhauser Bergbahnen haben eine Partnerin gefunden. Nicht jene, die sich aufdrängt, die nächstliegende. Aber eine gute, eine passende. So sagen sie. Es soll denn auch ein Tag der guten Nachrichten werden. Jack Rhyner, Verwaltungsratspräsident der Bergbahnen Wildhaus AG, sagt dies gleich zu Beginn der Medienorientierung unmissverständlich – und im Wissen, dass es eine drängende, noch immer ungelöste Frage am Fusse der Churfristen gibt. Nämlich jene, ob sich die beiden Bergbahnbetreiber im oberen Toggenburg doch noch zusammenraufen werden. Anzeichen dafür gibt es nach wie vor keine.

Doch die Wildhauser sind umtriebig. Sie lassen sich durch die unklare Zukunft in ihren Aktivitäten nicht bremsen. «Das sind wir unseren Skigästen, den Aktionären, den Hoteliers im Tal schuldig», sagt Rhyner. Denn mit dem Ende der Wintersaison war auch Schluss mit dem gemeinsamen Ticket für das gesamte Skigebiet zwischen Wildhaus und Alt St. Johann. Seit gestern ist klar, was die Wildhauser Bergbahnen Ski- und Schneebegeisterten ab der Wintersaison 2019/2020 zusätzlich bieten: Wer bei ihnen ein Saisonabonnement kauft, kann sich damit frank und frei auch auf den Pisten des Skigebiets Grüsch-Danusa tummeln. Die beiden Bergbahnunternehmen haben eine Kooperation beschlossen.

«Damit bieten wir Vorarlberg die Stirn»

Beide Skigebiete verstehen sich als Familienskigebiete. Familien wünschten ein überschaubares Gebiet, kurze Anfahrtszeiten, kein Anstehen an der Kasse – und Skifahren soll für sie ein «budgetkonformes Freizeitvergnügen» sein. Das Saisonabonnement für Familien, zwei Erwachsene inklusive Kinder bis zwölf Jahre, kostet im Vorverkauf knapp 1400 Franken. «Damit bieten wir der nahen Konkurrenz in Vorarlberg die Stirn», sagt Urs Gantenbein, Vorsitzender der Geschäftsleitung der Bergbahnen Wildhaus AG. «Wir haben nur ein Ziel: für unsere Kunden attraktiver werden», sagt Hans-Peter Lötscher, Verwaltungsratspräsident der neuen Bündner Partnerbahn. Beide Unternehmen haben vergangenen Winter je 1500 Saisonkarten verkauft.
Der Entscheid für die Zusammenarbeit ging zügig über die Bühne. «Die Chemie muss stimmen auf Stufe Verwaltungsrat wie auf Stufe Geschäftsleitung», sagt Lötscher.

Suche nach privaten Investoren intensiviert

Inner-obertoggenburgisch stimmt die Chemie schon länger nicht mehr. Ist die Zusammenarbeit mit den Prättigauern eine Reaktion auf die Unstimmigkeit vor der Haustür? Rhyner verneint. «Doch Stand heute ist: Wir haben kein regionales Ticket mehr, nur noch ein lokales.» Wenn etwas wegfalle, dann müssten sie dies ausgleichen. Dies sei nicht mehr und nicht weniger als «verantwortungsvolles Handeln». Trotzdem: Kehren die Wildhauser mit der neuen Kooperation der Toggenburg Bergbahnen AG definitiv den Rücken zu? Rhyner verneint erneut. «Unser Vorschlag liegt auf dem Tisch.» Dieser lautet: Duales Ticketsystem. Künftig sollen nebst dem gemeinsamen regionalen Winterticket eben auch lokale Skipässe angeboten werden. Eine «offizielle Antwort» von der Konkurrentin am Berg habe er bis heute nicht erhalten, sagt Rhyner und fügt an: «Unsere Tür steht sperrangelweit offen.»

Klarheit in der Frage dürfte es spätestens im Herbst geben: So lange läuft noch das Aktientauschangebot der Toggenburg Bergbahnen AG an die Wildhauser; diese reden von «feindlicher Übernahme». Finden sich die beiden Bahnunternehmen nicht, ist auch die finanzielle Unterstützung durch den Kanton für das Ausbauprojekt der Wildhauser definitiv vom Tisch. Rhyner ist «verhalten optimistisch», private Investoren zu finden. Die Suche sei intensiviert worden. «Es wird sich im Verlaufe des Sommers entscheiden.» Baustart wäre frühestens im Frühling 2020.

Wer ein Winterabo kauft, bekommt den Sommer mit

45 Minuten Fahrzeit trennen Wildhaus und Grüsch-Danusa. Doch nun spannen die beiden Familiensportgebiete zusammen. Damit ist auch bereits der Grund für die Kooperation genannt: Sie haben dasselbe Zielpublikum.
Regula Weik