WINTEREINBRUCH: Pulver gut im Juli

Auf dem Säntis ist der Winter zurück. Seit Dienstagmorgen liegt auf dem höchsten Alpsteingipfel Schnee. Verantwortlich dafür ist kalte Luft aus Island.

Patrick Baumann
Drucken
Teilen
Der Säntisgipfel zeigte sich gestern verschneit und in Nebel gehüllt. (Bild: PD)

Der Säntisgipfel zeigte sich gestern verschneit und in Nebel gehüllt. (Bild: PD)

Patrick Baumann

patrick.baumann@tagblatt.ch

Vor ein paar Tagen zeigte das Thermometer in der Ostschweiz noch über 30 Grad. Der Begriff «Hitzewelle» war allgegenwärtig. Mittlerweile hat sich wieder ein etwas Ostschweiz-typischeres Wetter eingestellt: Kurze aber regelmässige Regenschauer und Temperaturen unter 20 Grad. Doch damit nicht genug. Im Alpstein hat sich diese Woche gar der Winter zurückgemeldet. «Auf dem Säntis liegen ungefähr zehn Zentimeter Neuschnee», sagt Andreas Marty, zuständig für Verkauf und Marketing bei den Säntisbahnen. Besucher, die momentan auf den Säntis wollen, müssen sich also warm anziehen. Allzu viele sind das allerdings nicht. «Bei diesen Wetterverhältnissen haben wir weniger Gäste. Die meisten kommen ja wegen der Aussicht», sagt Marty. Es gebe aber auch Touristen, welche jetzt die Ruhe auf dem Berg geniessen und gerade aus diesem Grund auf den Säntis kommen.

Schnee im Juli ist keine Seltenheit

Andreas Marty sieht das kurze Winterintermezzo auf 2500 Metern über Meer gelassen. «Für uns ist Schnee auf dem Säntis auch im Hochsommer nichts Besonderes. Man kann davon ausgehen, dass es auf dem Säntis mindestens einmal in jedem Monat des Jahres schneit.» Das gelte auch für Juni, Juli und August. Und tatsächlich, die Messdaten des Bundesamts für Meteorologie und Klimatologie zeigen: Auf dem Säntis gibt es im Juli durchschnittlich 2,6 Tage, an denen mehr als ein Zentimeter Schnee fällt. Zusammengerechnet fallen im Juli im Mittel 18 Zentimeter Schnee.

Für Schneefall im Juli müssen besondere Wetterlagen herrschen. Gemäss eines Blog­eintrags von Meteo Schweiz ­kommen dafür Nord- oder Nordwestlagen in Frage. Nur diese Konstellationen können auch im Sommer genügend kalte Luft zu den Alpen führen. Diesmal sei ein Tiefdruckgebiet mit Schwerpunkt über Polen verantwortlich für den Wintereinbruch in höheren Lagen. Kühle Luftmassen, die sich vor wenigen Tagen noch um Island befunden haben, sind durch das Tief bis zur Alpennordseite transportiert worden.

Wer mit Schnee im Juli gar nichts anfangen kann, darf sich freuen. Bereits am Sonntag sollen die Temperaturen wieder auf sommerliche 25 Grad steigen.