WINTER: Arzt zum Fall des Vermissten im Alpstein: "Gefährlich wird es unter 28 bis 30 Grad Körpertemperatur"

Im Alpstein herrschen zurzeit Temperaturen unter dem Gefrierpunkt. Kann man in solchen Verhältnissen überleben? Dieter von Ow, stellvertretender Chefarzt der zentralen Notfallaufnahme des Kantonsspitals St. Gallen, gibt Auskunft.

Laura Widmer
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Im Gebiet um den Säntis ist die Lawinengefahr akut. (Bild: Benjamin Manser (Alter Säntis, 31. Mai 2015))

Im Gebiet um den Säntis ist die Lawinengefahr akut. (Bild: Benjamin Manser (Alter Säntis, 31. Mai 2015))

Wie gross sind die Über­lebenschancen, wenn jemand in den Bergen vermisst wird?

Das hängt von verschiedenen Faktoren ab. Bei ungenügendem Schutz sind die jetzigen Bedingungen schwierig. Der körperliche Zustand spielt eine grosse Rolle. Wenn man sich nicht bewegen kann, beispielsweise wegen einer Verletzung, ist der Wärmeverlust pro Zeiteinheit grösser. Auch Feuchtigkeit durch Regen oder Schnee trägt Wärme schneller vom Körper weg. Ist die Person zudem verschüttet und es fehlt Sauerstoff, dann sind die Überlebenschancen gering.

Wann spricht man von einer Körpertemperatur, die für den Menschen gefährlich ist?

Normal ist beim Menschen eine Körpertemperatur zwischen 36 und 37 Grad Celsius. Je mehr sie sinkt, desto weniger Funktionen kann der Körper aufrechterhalten: Die Atmung wird flacher, die Herzfrequenz verlangsamt sich und man wird bewusstlos. Gefährlich wird es bei einer Körpertemperatur unter 28 bis 30 Grad.

Der Mann wurde am Sonntag als vermisst gemeldet. Wie gross ist die Chance, dass er noch lebt?

Wenn er nicht schwer verletzt ist, gute Schutzkleidung trägt und sich bewegt, kann er einige Tage überleben. Falls nicht, ist die Chance eher klein.