Wiler SVP diskutiert Fall Bösch

WIL. In der Wiler SVP gibt es beide: Jene, die Sarah Bösch lieber schon heute als erst morgen los wären, und jene, die sich hinter die 33jährige Stadtparlamentarierin stellen. Die Wiler SVP-Fraktion beriet den Fall Bösch am Montagabend – mit offenem Ausgang.

Regula Weik
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Sarah Bösch. (Bild: pd)

Sarah Bösch. (Bild: pd)

Einig dürfte sich die Wiler SVP in einem Punkt sein: Schlagzeilen gab es in den vergangenen Tagen genug – für die Partei in keinem erfreulichen Sinn. Auslöser dafür ist Stadtparlamentarierin Sarah Bösch.

Irgendwann, als die Verwirrungen, Ungereimtheiten, Anschuldigungen, Verdächtigungen und Unklarheiten kein Ende fanden, hatten die parteiinternen Kritiker der 33-Jährigen genug. Und so befasste sich gestern abend die Wiler SVP-Fraktion mit dem Fall Bösch. Und mit der Frage: Ist die Frau weiterhin tragbar? Oder wird sie aus der Fraktion ausgeschlossen? Wie schätzt Fraktionspräsident Mario Schmitt die Situation ein? «Ich glaube nicht, dass sie ausgeschlossen wird.» Nach einer Pause: «Ich werde sicher nicht darauf hinarbeiten.»

Schmitt bleibt damit seiner Linie treu. Bereits letzte Woche hatte er festgehalten: «Ich stelle Sarah Bösch und ihre politische Arbeit deswegen nicht in Frage.»

Doch weshalb hat Sarah Bösch – sie gehört seit Anfang März dem Wiler Stadtparlament an – überhaupt nationale Bekanntheit erlangt? Nicht wegen ihrer politischen Arbeit. Vielmehr wegen ihrer Tiraden gegen die Polizei, nachdem diese sie blau am Steuer erwischt hatte. Und wegen ihrer Tagesstätte für behinderte Kinder in Wädenswil. Ums «Alpeglöggli» war es rasch wieder still geworden. Wegen ausstehender Mieten, wie geredet wird? Wegen Missbrauch von Spendengeldern, wie gemunkelt wird? Das Blaufahren war dieser Tage, das «Alpeglöggli» 2013.

Die Fraktion schweigt noch

Gesichert ist eines: Es gibt um Sarah Bösch und ihre Tätigkeiten viele offene Fragen. Ob sie sich diesen gestern abend stellen musste, und wie sie sich geschlagen hat, ist offen. Die Fraktion hat sich noch nicht geäussert.

Hinter vorgehaltener Hand wird in Wil umso heftiger diskutiert. Sarah Bösch gehöre eine «Verwarnung». Sie habe der Partei bislang nur geschadet. Diese solle rasch einen Schlussstrich ziehen. So die einen Stimmen. Sarah Bösch sei politisch erledigt; sie habe keine politische Zukunft mehr. Am besten wäre, sie würde selber den Rücktritt einreichen – ganz rasch. Dies die andern Stimmen.

Anvisierte Politkarriere

Damit wäre der siebte Sitz der SVP im Wiler Stadtparlament – das achte Fraktionsmitglied ist parteilos – wieder frei. Nicht so bei einem Ausschluss aus der Fraktion; dann bleibt Sarah Bösch Stadtparlamentarierin – als Mitglied ohne Fraktion. Die anvisierte Politkarriere dürfte sie sich dann abschminken.

Bösch sei ehrgeizig, heisst es aus ihrem Umfeld. Sie wolle schnell etwas erreichen und etwas werden – lieber gestern als morgen. «Ich werde keine stille Hinterbänklerin sein», hatte sie nach ihrem Einzug ins Wiler Stadtparlament gesagt. Seit ihrer Verunglimpfung der Polizei schweigt sie.