Wildvögel mit Trick in die Falle gelockt: Gericht verurteilt 56-Jährigen wegen Tierquälerei

Ein Vorarlberger hatte mehr als zwei Dutzend Vögel mit Lautsprecher und Leim gefangen.

Christiane Eckert
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Ein Gericht in Feldkirch hat einen Vorarlberger wegen Tierquälerei verurteilt.

Ein Gericht in Feldkirch hat einen Vorarlberger wegen Tierquälerei verurteilt.

Symbolbild: Susann Basler

Der 56-Jährige scheint gespalten. Er weint und erzählt vor Gericht von seinen Vögeln, die er in Feldkirch in seiner Wohnung und auf dem Balkon hatte. Der Vorarlberger züchtete auch selbst. Er beteuert:

«Ich habe noch nie in meinem Leben einen Vogel verkauft, ich wollte ihnen nur zuhören, ihnen Melodien beibringen.»

Die Aufzucht ist aufwendig und mühsam, manche Jungvögel müssen mit der Hand alle Stunde gefüttert werden, wenn die Mutter dies zum Beispiel nicht tut. Umso weniger nachvollziehbar ist es, warum der Selbstständige auf so brutale Weise Wildvögel fing und sie in viel zu kleinen Käfigen einsperrte. Er hatte zwar auch eine grössere Voliere. Doch fast überall fehlten Versteck-, Bade-, oder passende Sitzmöglichkeiten.

Leim von Gefieder 
kaum trennbar

Der Mann ging von September 2019 bis Januar 2020 seiner Fangtätigkeit im Rankweiler Naturschutzgebiet Paspels nach. Der Leim, den er verwendete, war so stark, dass man ihn vom Gefieder der Tiere kaum mehr entfernen konnte. Viele Vögel verendeten während ihres qualvollen Kampfes um Freiheit. Selbst wenn sie von dem Fänger nach Hause transportiert wurden und den Fang überlebten, war ihr Gefieder kaputt.

Angelockt wurden die Tiere mit einer Bluetooth-Lautsprecherbox, die Lockrufe aussendete. Der Mann wurde auf frischer Tat ertappt. Bei der Hausdurchsuchung stiess man auf 34 schlecht gehaltene Wildvögel. Die beschlagnahmten Tiere wurden bei dem ehrenamtlichen Tierretter Karl Heinz Hanny untergebracht. Dieser bestätigt, dass er in seiner ganzen Tätigkeit noch nie eine derart brutale Fangmethode gesehen habe. Der seit Jahrzehnten im Tierschutz tätige Vogelexperte kümmert sich um die Vögel. Hanny sagt:

«Bei den vom Angeklagten gezüchteten oder lange in Gefangenschaft gehaltenen Tieren ist das Problem, dass sie zahm und an Menschen gewöhnt sind. Eine Auswilderung ist schwer bis gar nicht möglich.»

Dem Vorwurf, dass die Käfige viel zu klein waren, hält der Angeklagte entgegen, dass auch Züchter die Vögel paarweise in Zuchtboxen halten, um eine Paarung mit einem bestimmten Partner zu beschleunigen. «Das ist leider so», bestätigt ein Zeuge, dass dies in der Praxis tatsächlich auch vorkomme. Doch bei dem Angeklagten waren alle Vögel schlecht untergebracht.

Mittlerweile hat der Mann keine Vögel mehr. Das Urteil ist rechtskräftig: Der Mann akzeptiert die 1200 Euro unbedingte Geldstrafe wegen Tierquälerei.