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Wildhauser Rettungsversuch

Die Wildhauser Bergbahnen schlagen neben dem umstrittenen regionalen Winterticket neu auch lokale Skipässe vor. Der Vorschlag soll helfen, die Blockade im Toggenburger Bergbahnenstreit zu lösen. Ob ihre Rechnung aufgeht, ist fraglich.
Regula Weik
Toggenburger Landschaft, im Hintergrund die Churfristen. (Bild: Gian Ehrenzeller/Keystone)

Toggenburger Landschaft, im Hintergrund die Churfristen. (Bild: Gian Ehrenzeller/Keystone)

Nun liegt er also auf dem Tisch: der «Vorschlag zur Güte». So hatte Jack Rhyner im Vorfeld die «Wildhauser Offensive» zur Rettung des regionalen Wintertickets bezeichnet – ohne sich dabei in die Karten blicken zu lassen. Gestern nun hat der Verwaltungsratspräsident der Bergbahnen Wildhaus AG die Katze aus dem Sack gelassen. Wintersportler sollen künftig im Obertoggenburg auch örtliche, lokale Skipässe kaufen können – und zwar bei beiden Bergbahnunternehmen. Ab der Wintersaison 2019/2020 sollen also Tickets angeboten werden, die entweder nur in Wildhaus oder nur in Unterwasser und Alt St. Johann gültig sind.

Der Vorschlag der Wildhauser kommt nicht von ungefähr. Sie haben eine Bedürfnisabklärung vorgenommen. Und dabei stellten sie fest: «75 Prozent der Wintersportler, die in Wildhaus einsteigen, nutzen nur die hiesigen Liftanlagen. Lediglich 25 Prozent der Gäste befahren das gesamte Gebiet», sagt Rhyner. Mit dem lokalen Ticket hätte die Mehrheit der Gäste demnach ein «massgeschneidertes Angebot» – und die beiden Bahnunternehmen hätten darüber hinaus die Möglichkeit, «spezifische, eigene Angebote, abgestimmt auf ihr Zielpublikum», zu kreieren.

Verabschieden sich die Wildhauser damit vom umstrittenen regionalen Winterticket? «Keineswegs», sagt Jack Rhyner. «Es soll auch künftig angeboten werden.» Gesichert ist es nur noch nächsten Winter. Ihr Vorschlag nehme aber «massiv Druck» vom Tarifverbund weg, sagt Rhyner. Indem weniger regionale Tickets verkauft würden, fliesse weniger Geld in den gemeinsamen Tarifpool. Die Toggenburg Bergbahnen AG hatte die Verteilung der Gelder daraus wiederholt kritisiert; sie profitierte zu wenig davon und habe es satt, die Bahnen in Wildhaus länger querzusubventionieren.

Heute, so Rhyner, gehe es um die Verteilung von 8 Millionen Franken aus dem Tarifpool. Wenn sich der Wildhauser Vorschlag durchsetzen würde, wären es noch 2 bis 2,5 Millionen. «Es geht also um deutlich weniger Geld. Der Pool wird damit weniger streit- und konfliktanfällig. Er verliert an Brisanz.» Der Wildhauser Verwaltungsratspräsident geht noch einen Schritt weiter: Er schlägt der Toggenburg Bergbahnen AG für die nächsten Jahre einen fixen Verteilschlüssel vor – darauf soll auch die geplante neue Sesselbahn in Wildhaus keinen Einfluss haben. Rhyner unterbreitet gleich auch einen konkreten Vorschlag: 54 Prozent für die Toggenburg Bergbahnen AG, 46 Prozent für die Bergbahnen Wildhaus AG. «Dies entspricht dem Durchschnitt der vergangenen drei Jahre», so Rhyner.

«Unsichere Situation entschärfen»

Rhyner spricht von einem «fairen Vorschlag», der die unsichere Situation im Obertoggenburg «entschärft und entkrampft». Klar ist: Den Wildhausern käme eine rasche Einigung gelegen. Sie mussten ihr Ausbauprojekt bereits um ein Jahr verschieben – wegen der blockierten Bundesgelder. Einigen sich die beiden Bergbahnunternehmen nicht in absehbarer Zeit, dürfte auch der neue Baustart im Frühling 2019 wackeln (Ausgabe von gestern). Die Regierung hat die Freigabe der fünf Millionen Franken Fördergelder aus der Neuen Regionalpolitik ganz klar von der Zusammenarbeit der beiden Bergbahnunternehmen und einem gemeinsamen Winterticket abhängig gemacht. Auf die Frage, weshalb die Toggenburg Bergbahnen AG auf seinen Vorschlag einsteigen sollte, antwortet Rhyner: «Weil es ein vernünftiger und sachlicher Vorschlag ist, der Ruhe ins Tal bringt und uns alle schnaufen lässt.»

Mélanie Eppenberger, Verwaltungsratspräsidentin der Toggenburg Bergbahnen AG, hat gestern Morgen vom Vorschlag der Wildhauser erfahren – kurz bevor diese ihn den Medien präsentierten. Ihre erste Reaktion: «Er zementiert das Trennende und hält an überholten Strukturen fest.» Für sie ist klar: Nur eine vereinte Struktur statt ein «lokalpolitisch begründetes Gärtlidenken» bringe die Region vorwärts. Es brauche nun einen «mutigen Schritt». Und in welche Richtung müsste dieser führen? «Wir sind seit Monaten offen für Gespräche, die eine Fusion zum Ziel haben», sagt Eppenberger. Die Befürchtungen, ein fusioniertes Unternehmen führe zu einem «Einheitsbrei am Berg», seien falsch und unbegründet. «Ein vereinigtes Unternehmen kann unterschiedliche Angebote gezielter und effizienter an die Kundin und den Kunden bringen.»

«Einzelaktionen sind der falsche Weg»

Und wie reagiert die Regierung auf den Vorschlag der Wildhauser Bergbahnen AG? «Wir äussern uns im Moment nicht dazu», sagt Volkswirtschaftsdirektor Bruno Damann. Das letzte Treffen der beiden Bergbahnunternehmen und des Kantons hatte im Mai in Bern stattgefunden. Gastgeber war das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) gewesen. Bei jener Aussprache sei vereinbart worden, «die Öffentlichkeit gemeinsam über die weiteren Schritte zu informieren», sagt Damann. Er sei gestern Morgen früh über den Vorschlag der Wildhauser orientiert worden. «Eine Absprache zwischen den Bergbahnen, dem Seco sowie dem Kanton ist nicht erfolgt.» Damann lässt durchblicken, dass «solche Einzelaktionen der falsche Weg» seien.

Die Verantwortlichen der Wildhauser Bergbahnen AG sind überzeugt, dass ihr Vorschlag «ein richtiger Schritt in die richtige Richtung» ist. Die vergangenen Monate hätten sie allerdings gelehrt, «nicht allzu euphorisch» zu sein. Ihre Enttäuschung über den Kanton schwingt noch immer mit – «er straft uns für etwas, das wir nicht ausgelöst haben». Die Wildhauser haben denn auch gegen die Auflage des Kantons – er macht die Fördergelder vom Fortbestand des gemeinsamen Wintertickets abhängig – Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht erhoben. Das Verfahren ist noch immer sistiert.

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