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WILDHAUS: Altüberliefert und noch immer aktuell

Alljährlich am 15. September – ganz egal ob die Sonne scheint, ob es regnet oder schneit – wird im Gebiet Sumerigchopf die Streue gemäht. Die 220 Rechte, gehalten von gegen 20 Bauern, verlangen anschliessend nach einer gerechten Teilung.
Text und Bild: Adi Lippuner
Bauer Ernst Vetsch beim Streuemähen im Bilchenmoos.

Bauer Ernst Vetsch beim Streuemähen im Bilchenmoos.

Text und Bild: Adi Lippuner

nachrichten@ostschweiz-am-sonntag.ch

Es ist Freitagvormittag. Auf den vier Streueflächen der Alpkorporation Oberhag, zu der die Streugenossen gehören, herrscht reges Treiben. Im Birchenmoos, der Müslen sowie der Ober- und Unterwies – alles Gebiete im Bereich Sumerigchopf ausserhalb von Wildhaus – wird gearbeitet. Auf jeder Fläche sind Streugenossen, also Bauern, die verbriefte Streurechte besitzen, mit ihrem Balkenmähern an der Arbeit.

Reihe um Reihe wird gemäht, und schon bald treffen die Helferinnen und Helfer ein. Ihre Aufgabe ist es, nach altüberlieferter Tradition die gemähte Streue auf rechteckigen Flächen so zu rechen, dass am nächsten Tag die Verlosung stattfinden kann. Antonia Wenk ist eine der Bäuerinnen, die Streue nach klaren Vorgaben zu «Mädli» formt. «Ich freue mich jedes Jahr, Bekannte zu treffen und gemeinsam eine sinnvolle Arbeit nach alter Überlieferung zu erledigen.» Jeweils sieben Maschinenmädli werden zusammengerecht, dabei wird jeweils jedes siebte auf das darunterliegende sechste gelegt. Quer folgt die Aufteilung nach vier bis fünf Schritten. «Es kommt darauf an, wie viel Streue liegt», so die Bäuerin. Mit der Aussage, dieser «alte Zopf» gehöre im 21. Jahrhundert abgeschnitten, wurde auch Bauer Hans Hof­stetter schon mehrfach konfrontiert. «Doch niemand hat ein Rezept, wie die Aufteilung sonst erfolgen soll. Tatsache ist, dass die Streue auf den verschiedenen Flächen, aber auch je nach Lage unterschiedlich wertvoll ist. Deshalb will es die Tradition, dass für jeden Berechtigten alljährlich eine anderes Stück ausgelost wird,» erklärt Köbi Giger junior. Er ist Präsident der Alpgenossenschaft Oberhag, zu der die Streuewiesen gehören.

Mit der Pflege der Streuewiesen leisten die Bauern einen wichtigen Beitrag zum Erhalt eines selten gewordenen Schmetterlings. So findet das Grosse Wiesenvögelchen, ein stark bedrohter Tagfalter, nur noch wenige Plätze zum Überleben. Im obersten Toggenburg sind es – unter anderem – die Streueflächen rund um den Sumerigchopf. Und so halten sich die Bauern an die Auflage des Naturschutzes und lassen jedes Jahr ­einen anderen Drittel auf der Fläche ­stehen. Damit erhalten bedrohte Tierarten eine Rückzugsmöglichkeit und die Chance, längerfristig zu überleben.

Verbriefte Rechte

Die 220 Streuerechte, vorwiegend gehalten von Betrieben des Wildhauser Ortsteils Schönenboden, sind grundbuchamtlich verbrieft und im Streu-Rodel, vergleichbar mit den Alprechten, festgehalten. Gemäss Präsident Köbi Giger sind die Rechte im Besitz von rund 50 Personen, ausgeübt werden sie noch von rund 20 Landwirten. In den Statuten steht auch, dass nie vor dem 15. September oder frühestens, nachdem das Vieh von den Alpen geholt wurde, gemäht werden darf. Für die Verantwortlichen ist auch klar, dass nie an einem Sonntag gemäht wird. «Wäre der 15. September ein Sonntag, müsste die Arbeit auf den nachfolgenden Tag verschoben werden.»

Erst gemeinsam, dann jeder für sich

Nach der Aufteilung und Verlosung der Flächen sind die gemeinsamen Arbeiten abgeschlossen. Für den einzelnen Genossenschafter beginnt dann die eigentliche Erntearbeit. «Je nach Wetter kann die Streue schon am nächsten Tag oder erst später eingebracht werden», so Hans Hofstetter. Er verwendet seine Ernte als Streue im Laufstall und muss dadurch weniger Stroh einkaufen. «Zudem zählen die Streurechte auch als Ausgleichsfläche für den Heimbetrieb und dies ist für jeden Bauer wichtig.» Nach der gemeinsamen Arbeit kommt auch der gesellschaftliche Aspekt nicht zu kurz: Bei einem Umtrunk sitzen die Bauernfamilien und ihre Helfer gemütlich zusammen und tauschen Neuigkeiten aus. Und weil hart arbeitende Bauern auch gerne feiern, bietet sich nach Abschluss der Streuemahd jeweils Gelegenheit, das Tanzbein zu schwingen.

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