Zwölf Jahre in der Pfalz sind genug

Gestern begann für Vreni Wild ihre letzte Session als Kantonsrätin. Den Entscheid, nicht mehr zur Wiederwahl anzutreten, bedauert sie nicht. Dennoch blickt die Neckertaler Gemeindepräsidentin auf eine lehrreiche Zeit zurück.

Urs M. Hemm
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Die abtretende Kantonsrätin Vreni Wild wird bald wieder mehr Zeit in ihrem neuen Büro als Gemeindepräsidentin von Neckertal verbringen. (Bild: Urs M. Hemm)

Die abtretende Kantonsrätin Vreni Wild wird bald wieder mehr Zeit in ihrem neuen Büro als Gemeindepräsidentin von Neckertal verbringen. (Bild: Urs M. Hemm)

MOGELSBERG. Für sie sei von Anfang klar gewesen, dass sie nicht mehr als drei Legislaturen im Kantonsrat mache, sagt Vreni Wild, die seit 2004 für die FDP in der Pfalz sitzt. «Deshalb schaue ich auf die kommende, meine letzte Session auch nicht mit Wehmut. Im Gegenteil: Ich empfinde es eher als Erleichterung, da sich das politische Klima in den vergangenen zwölf Jahren in eine Richtung entwickelt hat, die nicht mehr meinem Verständnis von konstruktivem Politisieren entspricht.» Denn es werde im Rat – so zumindest empfinde sie es – immer mehr Wahlkampf geführt denn Sachpolitik betrieben. Gleichwohl wolle sie die Zeit im Kantonsrat nicht missen. «Ich habe viel gelernt, mich mit spannenden Themen und interessanten Menschen beschäftigen dürfen», sagt sie. «Dennoch: Zwölf Jahre in der Pfalz sind genug», sagt Vreni Wild.

Seine Aufgabe kennen

Während ihrer Zeit als Kantonsrätin war Vreni Wild in über 40 Kommissionen tätig. «Die Arbeit in den Kommissionen war die spannendste Aufgabe innerhalb der ganzen Ratsarbeit», sagt Vreni Wild. Da sie sich im Zuge der Kommissionsarbeit vertieft mit Sachgeschäften habe auseinandersetzen müssen, habe sie viel dazugelernt. Wissen, das ihr auch für ihre Arbeit als Gemeindepräsidentin nützlich war. Ganz besonders in Erinnerung blieben ihr diesbezüglich Kommissionen zum Finanzausgleichsgesetz und die Kommission zum Planungs- und Baugesetz. «Bei vielen Geschäften ist es wichtig, seine Aufgabe zu kennen. Denn als Kantonsrätin bin ich in erster Linie der Bevölkerung des ganzen Kantons gegenüber verantwortlich. Als Präsidentin einer Gemeinde brachte ich Kenntnisse mit, die für die Kommissionen von Nutzen waren.» Es liege in der Natur der Sache, dass es bei jeder Beschlussfassung Gewinner und Verlierer gebe – manchmal stehe man als Gemeinde auf der einen, manchmal auf der anderen Seite. Davon dürfe man sich aber nicht leiten lassen, weil man sonst das Gemeinwohl aus den Augen verliere. In der Diskussion selbst bezeichnet sich Vreni Wild grundsätzlich als konsensfähig, aber auch konsequent in der Argumentation. «Mir war immer wichtig, dass am Ende ein verständliches Gesetz auf dem Tisch lag, das in der Praxis, also in der Regel von den Gemeinden, auch umgesetzt werden konnte. Hatte ich das Gefühl, dass ein Text wohl rechtlich korrekt, aber zu kompliziert formuliert ist, habe ich mich für eine Vereinfachung eingesetzt.» Solche politischen Auseinandersetzungen werde sie sicherlich vermissen. Hingegen gar nicht fehlen würden ihr die langen Präsenzzeiten. Insbesondere dann, wenn auf ihrem Schreibtisch im Gemeindehaus noch unerledigte Arbeit war. Diesbezüglich sei sie froh, künftig wieder mehr Zeit für die Gemeinde zur Verfügung zu haben.

Zeit für Gemeinde und Familie

Als Höhepunkt ihrer Zeit im Kantonsrat nennt Vreni Wild ihre erste Vereidigung. «Eine Enttäuschung hingegen musste ich im Jahr 2013 hinnehmen, als ich von meiner Fraktion nicht für das Amt der Ratspräsidentin gewählt wurde. Sonst hätte meine politische Karriere vielleicht anders ausgesehen.» So aber sei von diesem Zeitpunkt an für sie klar gewesen, dass sie ihr Hauptaugenmerk auf ihre Arbeit in der Gemeinde und auf ihre Familie legen will – eine Zeit, auf die sie sich jetzt freut.

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