Zwischen unklarer Faktenlage und Verschwörungstheorien: IG bekämpft neue 5G-Antenne in Wil

Die Swisscom will in Wil eine neue Mobilfunkanlage bauen. Das ruft die IG «Wil stoppt 5G» auf den Plan.

Gianni Amstutz
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Hier soll die neue 5G-Antenne gebaut werden. Die IG «Wil stoppt 5G» versucht das zu verhindern.

Hier soll die neue 5G-Antenne gebaut werden. Die IG «Wil stoppt 5G» versucht das zu verhindern.

Bild: Gianni Amstutz

Die Skepsis gegenüber 5G ist spürbar. Die Mobilfunkanbieter versprechen, damit schnellere Datenübertragung zu ermöglichen. Dies eröffne neue technologische Möglichkeiten. Doch überall, wo es um den Bau einer neuen Antenne geht, sind auch die Gegner nicht weit weg. Sie befürchten gesundheitsschädigende Auswirkungen durch die erhöhte elektromagnetische Strahlung. Bewiesen ist jedoch weder das noch das Gegenteil. Langzeitstudien fehlen.

In Wil liegt zurzeit ein Baugesuch der Swisscom öffentlich auf. Geplant ist der Bau einer neuen Mobilfunkanlage auf dem Gelände der Psychiatrie St.Gallen Nord in Wil. Dabei handelt es sich um eine Antenne auf 5G-Standard, wie Sabrina Hubacher, Mediensprecherin der Swisscom, bestätigt. Der Bau der Antenne sei nötig, um die Versorgung der Gemeinde mit Mobilfunk weiter verbessern und der steigenden Nachfrage gerecht zu werden.

Aufruf zu Sammeleinsprache

Die Interessensgemeinschaft «Wil stoppt 5G» ist bereits auf das Baugesuch aufmerksam geworden. Wenig überraschend ruft die IG auf ihrer Website zu einer Sammeleinsprache auf. Das hat sie schon bei Umrüstungen von Mobilfunkantennen an der Hubstrasse und Bronschhoferstrasse in Wil sowie an der Wilerstrasse in Sirnach getan. Bezüglich der geplanten Antenne auf dem Areal der Psychiatrie in Wil schreibt die Interessensgemeinschaft:

«Schräg unter der Antenne dürfte man sich in Zukunft nicht mehr als einige Minuten aufhalten.»

Die Swisscom weist diese Behauptung entschieden zurück. «Das ist falsch. Die Grenzwerte zum Schutz vor Strahlung werden überall und jederzeit eingehalten», sagt Hubacher. Diese Grenzwerte seien in der Schweiz an Orten mit längerem Aufenthalt sogar deutlich strenger als es die Weltgesundheitsorganisation empfehle.

«Grundsätzlich verstehen wir, dass Menschen Ängste haben können, wenn neue Technologien eingeführt werden», sagt die Mediensprecherin. Gleichzeitig sei – mit Kenntnis der Faktenlage – der Widerstand nur schwer nachvollziehbar.

«5G, wie wir es heute einführen, ist absolut vergleichbar mit früheren Technologien.»

Swisscom beziehe sich auf den aktuellen Stand der Wissenschaft, wonach es keinen Nachweis gebe, dass Antennenstrahlung im Rahmen der Grenzwerte die Gesundheit der Menschen beeinträchtige.

Im Reich der Verschwörungstheorien

Der IG «Wil stoppt 5G» geht es aber nicht nur um gesundheitliche Risiken, die sie der neuen Technologie zuschreiben. Auf der Website findet sich ein vielfältiges Argumentarium. Einige der aufgeführten Punkte gehen in Richtung Verschwörungstheorie. Die Rede ist etwa von einer «Entvölkerung im grossen Stil».

An einer anderen Stelle wird die Frage aufgeworfen: «Wie reduziert man die Bevölkerung am effektivsten, ohne dass jemand etwas ahnt?» Die Antwort gibt die IG gleich selbst. «Hochfrequente elektromagnetische Strahlung, wie von Mobilfunk und WLAN, verursachen eine Schädigung des Erbguts.» In der vierten Generation sterbe eine Familie aus, welche dieser Strahlung ausgesetzt gewesen sei, heisst es.

Ein weiteres Horrorszenario, dass die IG auf ihrer Seite zeichnet: Die 5G-Antennen könnten als Mikrowellenwaffe genutzt werden. Als Quelle gibt die IG einen Link an, der auf eine Seite von Free Spirit TV führt. Spätestens hier taucht man tief ein in die Welt der Verschwörungstheorien.

Auf dieser Seite finden sich Videobeiträge zu Chemtrails, der Schädlichkeit von Impfungen und satanistischen Ritualmorden. Ob das der Glaubwürdigkeit der restlichen, sachlichen Argumente der IG zuträglich ist, bleibt offen.

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