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Interview

Tonhalle-Chefin zieht Bilanz: «Entweder sind wir fast ausverkauft oder es kommen nur wenige Besucher»

Am Samstag ging die Tonhalle-Saison zu Ende. Gesamtleiterin Florence Leonetti spricht über Publikumsmagnete, Gründe für anspruchsvolle Stücke im Programm und einen speziellen Höhepunkt im Tonhalle-Jahr.
Interview: Gianni Amstutz

Die Konkurrenz bei Unterhaltungs- und Kulturangeboten ist gross. Kann die Tonhalle mithalten?

Florence Leonetti: Ja, wir sind mit der abgelaufenen Saison zufrieden. Die durchschnittliche Auslastung von 75 Prozent zeigt, dass für unser Programm ein Bedürfnis besteht.

Waren einige Vorstellungen sogar ausverkauft?

Ja, das traditionelle Neujahrskonzert fand vor vollem Haus statt. Beim Musical «Saturday Night Fever» fehlten uns nur sieben Besucher dafür.

Lässt sich eine Tendenz erkennen, was beim Publikum besonders gut ankommt?

Alles mit Musik bringt uns gute Publikumszahlen. Auch Stücke wie «Monsieur Claude und seine Töchter», welche die Leute aus Filmen oder Büchern kennen und daher einen Bezug dazu haben, laufen immer gut.

Trotzdem finden sich im Programm der Tonhalle immer wieder anspruchsvolle Stücke, die nur wenige Personen ansprechen. Weshalb?

Unser Ziel ist immer, einen bunten Mix zu präsentieren. Da müssen auch weniger populäre Stücke einen Platz haben. Oberstes Kriterium bei den Buchungen ist immer, dass die Qualität stimmt. Auch in dieser Hinsicht war es ein erfolgreiches Jahr. Keine unserer Aufführungen ist qualitativ abgefallen. In anderen Jahren habe ich gewisse Buchungen im Nachhinein auch schon bereut.

Florence Leonetti, Gesamtleiterin der Tonhalle Wil. (Bild: PD)

Florence Leonetti, Gesamtleiterin der Tonhalle Wil. (Bild: PD)

Wie hoch war die Auslastung bei anspruchsvollen Stücken?

Teilweise konnten wir nur etwas über 30 Prozent oder die Hälfte der verfügbaren Tickets verkaufen. Allgemein fällt auf, dass sich eine Schere aufgetan hat. Entweder eine Veranstaltung ist beinahe ausverkauft oder sie wird nur von einem kleinen Kreis an Besuchern geschätzt. Ein Mittelding existiert fast nicht mehr. Woran das liegt, kann ich allerdings nicht sagen.

Wäre es denn nicht einfacher, nur das zu zeigen, was eine grosse Masse anspricht, um gute Zahlen präsentieren zu können?

Das wäre wohl so. Es würde aber weder meinen Ansprüchen an ein Theaterhaus wie die Tonhalle genügen noch den Vorgaben im Leistungsauftrag des Kantons, der eine breite Palette an Aufführungen verlangt.

Stücke, die neben unterhaltenden Aspekten gesellschaftliche Fragen thematisieren, sind ein wichtiger Bestandteil der Kultur.

Wenn es sich anbietet, organisieren wir dafür auch Einführungen, die dem Publikum einen Mehrwert bieten. Diese werden sehr geschätzt.

Dabei können Sie aber stets auf ein Stammpublikum zählen.

Richtig, wir haben zurzeit etwas über 300 Abonnenten. Im vergangenen Jahr konnten wir die Zahl erfreulicherweise um 10 Prozent steigern.

Wie viel kann für eine Veranstaltung investiert werden?

Durchschnittlich sind das rund 10000 Franken. Damit müssen Gagen gedeckt werden sowie für manche Formationen Unterkunft und Essen bezahlt werden. Für uns kommen dann noch weitere Kosten hinzu, beispielsweise für die Technik.

Neben Eigenveranstaltungen buchen Künstler die Tonhalle für ihre Auftritte. Muss aktiv um solche Veranstaltungen geworben werden?

Glücklicherweise haben wir einen guten Namen, sodass die Managements in der Regel auf uns zukommen.

Steht die Tonhalle in dieser Hinsicht in Konkurrenz zum Stadtsaal?

Gewissermassen. Es ist aber so, dass Stadtsaal und Tonhalle teils unterschiedliche Zielgruppen haben. Sei es wegen der Grösse, Akustik oder Atmosphäre. Wenn Anfragen kommen und die Tonhalle bereits gebucht ist, verweise ich auf den Stadtsaal und umgekehrt. Es ist also keine klassische Konkurrenzsituation.

Welches war Ihr persönlicher Höhepunkt der Saison?

Wenn ich einen nennen muss, dann das Ukulele Orchestra of Great Britain. Ich habe seit Jahren versucht, sie zu buchen. Es scheiterte jedoch oft wegen des Datums. Dass es diese Saison geklappt hat, freut mich sehr. Die Gruppe ist nicht nur musikalisch top, sondern überzeugt auch mit trockenem britischen Humor.

Spielt ihr Geschmack bei den Buchungen denn eine Rolle?

Ich würde sicher nichts buchen, das mir völlig widerstrebt, nur weil es populär ist. Gleichzeitig versuche ich aber auch, Stücke ins Programm zu nehmen, die vielen gefallen, auch wenn sie nicht zu meinen persönlichen Favoriten gehören.

Im vergangenen Juni gab es zudem noch ein besonderes Highlight im Tonhalle-Jahr.

In der Tat. Im Juni fanden in der Tonhalle und der Altstadt Dreharbeiten zu einem Film über Richard Wagner statt.

Wie kam es dazu?

Das Filmteam suchte ein Konzerthaus im Neo-Renaissance-Stil für Aufnahmen, da jenes in Zürich, wo Wagners Konzerte stattfanden, nicht zur Verfügung stand.

Von der Tonhalle waren sie begeistert.

Als sie dann die Altstadt sahen, entschlossen sie sich, auch dort Szenen zu drehen.

Wie waren Sie in die Dreharbeiten involviert?

Die Koordination lief über die Tonhalle. Von der Organisation der Statisten und Sänger über die Bereitstellung von Proberäumen und dem Catering. Während der Drehtage konnte ich den Profis über die Schultern schauen.

Haben Sie das Endergebnis zu Gesicht bekommen?

Der Film wird zuerst an einem Festival gezeigt. Ich konnte mir aber eine Vorab-Version anschauen. Wil kommt dabei sehr gut zur Geltung.

Am Samstag präsentieren Sie das neue Programm. Auf was dürfen sich die Besucher freuen?

Wie gewohnt setzen wir auf einen Mix. Um dem grossen Interesse für Musicals Rechnung zu tragen, werden wir in der nächsten Saison zwei Musicals im Programm haben, anstatt nur eines.

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