Zwischen Hoffen und Bangen

Der Wiler Skirennfahrer Cédric Noger erlebte vergangene Woche ein Wechselbad der Gefühle. Erst am späten Freitagnachmittag erfuhr er, dass ihn Swiss Ski an die Europacuprennen nach Norwegen mitnimmt.

Urs Nobel
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Die Wolken hinter Cédric Noger lichten sich. Er ist nominiert worden, mit dem Kader an den Europacuprennen in Norwegen zu starten. (Bild: pd)

Die Wolken hinter Cédric Noger lichten sich. Er ist nominiert worden, mit dem Kader an den Europacuprennen in Norwegen zu starten. (Bild: pd)

SKI ALPIN. In Arosa fanden vergangene Woche zwei FIS-Riesenslalom-Rennen statt. Mit am Start auch Cédric Noger aus Wil, der für diese Saison nur ein Ziel hat. «Möglichst viele Europacuprennen bestreiten und Aufnahme im B-Kader von Swiss Ski finden.» Das Rezept, dieses Ziel zu erreichen, ist einfach: «Ich muss einfach in jedem FIS-Rennen möglichst viele Schweizer in der Rangliste hinter mir lassen.»

Nochmals motiviert

Cédric Noger erging es vor dem ersten Lauf des ersten Rennens wie allen anderen auch. Er wusste noch nicht so recht, wo er stand. Doch schon bald konnte er für sich Entwarnung geben. Er lag an zehnter Stelle, war drittbester Schweizer. Doch dann der zweite Lauf: Mit lediglich Rang 28 im zweiten Lauf fiel er im Gesamtklassement auf Position 18 zurück. Viele junge (jüngere) Schweizer überholten den unterdessen schon 23jährigen Kollegen. War es das schon? Konnte Noger seine Träume begraben?

«Ich habe im vergangenen Sommer viel im mentalen Bereich gearbeitet und nicht zuletzt aus diesem Grund massgebliche Fortschritte gemacht. Also steckte ich den Kopf nicht sofort in den Sand, sondern motivierte mich für das zweite Rennen erneut.» Er beendete Rennen 2 auf dem achten Schlussrang und wurde zweitbester Schweizer. Und Cédric Noger durfte sich selbst auf die Schultern klopfen. Den guten Rang fuhr er nämlich auf Schneeverhältnissen heraus, die er normalerweise nicht liebt. Und was er sagte, überrascht: «Im ersten Rennen fuhr ich sogar besser. Einzig der Fehler, den ich machte, kostete jene Zeit, die mir am Schluss fehlte.»

FIS oder EC?

Dann begann das Warten, zwei Tage voller Unsicherheit. Würde Cédric Noger ans nächste FIS-Rennen in Veysonnaz reisen oder würden ihn die Verbandsdelegierten nach Norwegen an die Europacuprennen mitnehmen? Zuerst hörte der Wiler gar nichts und nutzte deshalb die Zeit in Arosa, um weiter zu trainieren. Als er sich bereits auf die Reise ins Wallis vorbereiten wollte, folgte am Freitagnachmittag der erlösende Bescheid. «Cédric Noger macht den Norwegen-Trip mit.» Noger hat im ersten Rennen einen Startplatz auf sicher. Für das zweite muss er sich intern qualifizieren. Doch das stört ihn nicht. Er ist dabei und glücklich in die Saison gestartet.

Keine Garantie

Dass Cédric Noger zum Europacup-Saisonstart dabei sein darf, ist aber noch keine Garantie auf Startgelegenheiten im weiteren Verlauf der Saison. Aber es ist sicher einfacher, als Teammitglied sein Können zu beweisen, als stets aus der Distanz eine Annäherung zu realisieren. So darf der Wiler hoffen, dass diese Saison endlich einmal jenen Verlauf nimmt, den er sich erhofft. Dies hätte auch jene zusätzliche Unterstützung zur Folge, die notwendig ist für die weiteren Schritte. Zurzeit wird er fast nur von seinen Eltern unterstützt und vom privaten Sponsor Jörgen Kuhn, dem Inhaber des Hotels one66 (ehemals Sistar) in St. Gallen. Mit Kuhn bestritt Noger im Sommer auch einige Passfahrten mit dem Velo und holte sich unter anderem jene Fitness, die er bereits in die Waagschale legen konnte.

Konzentration auf Riesenslalom

Cédric Noger wird in Norwegen wiederum den Riesenslalom bestreiten. Das kommt ihm entgegen, denn im Verlauf der Vorbereitungen konzentrierte er sich vorwiegend auf diese Disziplin. Im Verlauf des Winters will er aber auch wieder vermehrt Slalom trainieren und an den Start gehen. Als Teammitglied von Swiss Ski dürfte dieses Unterfangen einfacher werden, als wenn er, wie bis anhin, als Einzelfahrer alles selber machen muss.