Zwischen Himmel und Erde

In diesem Jahr feiert die Pfarrgemeinde Wil das 100-Jahr-Jubiläum der Wilener Lourdes-Grotte mit vier Anlässen. Beim ersten Anlass erzählten die Organisatoren von der Geschichte der Grotte und eröffneten eine Ausstellung.

Christoph Oklé
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Historiker Martin Meier, Martin Arthur und Therese Wiesli, die die Grotte pflegen, Guido Wiesli und Wallfahrtspriester Josef Eicher. (von links) (Bild: cho.)

Historiker Martin Meier, Martin Arthur und Therese Wiesli, die die Grotte pflegen, Guido Wiesli und Wallfahrtspriester Josef Eicher. (von links) (Bild: cho.)

Wilen. Dass es in Wilen einen Siedlungsbereich «im Gröttli» gibt, lässt sich einfach erklären. Diese ruhige Wohnlage befindet sich nämlich in der Umgebung einer Grotte, genauer einer Lourdes- oder Mariengrotte. Am 8. Oktober 1911 wurde die Lourdes-Grotte durch Kinderpfarrer Alfons Lanter und Stadtpfarrer Alfred Stüdle feierlich eingeweiht. Und daher wird 2011 in der ganzen Pfarrei Wil mit vier über das ganze Jahr verteilten Anlässen das 100-Jahr-Jubiläum begangen. Höhepunkt und Abschluss bildet am 2. Oktober eine Feier zum Rosenkranzfest.

Oase der Ruhe

Den Auftakt bildete am vergangenen Freitag – im Anschluss an die «Wilener Suppe» – ein Informationsabend im Kirchen- und Gemeindezentrum mit dem Wiler Wallfahrtspriester und ehemaligem Klinikseelsorger Josef Eicher und dem Wilener Historiker Martin Meier. An diesem Abend wurde auch eine kleine Ausstellung zur Grotte eröffnet.

In seiner Begrüssung erinnerte der Wilener Seelsorger, Diakon Walter Lingenhöle, daran, dass vor genau 153 Jahren – also am 11. Februar 1858 – Maria zum ersten Mal dem Mädchen Bernadette Soubirous in Lourdes erschienen sei. Diese Erscheinungen zogen bald weltweit Kreise und es entstanden überall sogenannte Lourdes-Grotten, so auch in Wilen. Über tausend Personen hätten an der Einweihung teilgenommen, zitierte Lingenhöle einen Bericht im «Wiler Boten», etwas was er sich fast nicht vorstellen könne. In Anbetracht der veränderten Marienfrömmigkeit seien solche Zahlen nicht mehr aktuell, und so handle es sich bei der Grotte nun mehr um einen Ort der Besinnung, eine Oase der Ruhe.

Lourdes als Magnet

Josef Eicher berichtete von seinen Reisen nach Lourdes, bei denen er jeweils Kranke begleitet hatte. Sechs bis acht Millionen Menschen würde es jährlich mit ihren Anliegen dorthin ziehen, berichtete er. So könne bei Lourdes von einem Magneten, einem geheimnisvollen Ort, einem Kraftort gesprochen werden. «In Lourdes greifen sehr viele betende Hände hinauf zum Himmel. Und wo so viele Menschen beten, da berühren sich Himmel und Erde.» Dies sei in Lourdes spürbar, dort wo sich der Himmel mit den Marienerscheinungen ein Spalt weit geöffnet habe, wie vor 2000 Jahren in Bethlehem, erklärte Josef Eicher. In seinem historischen Exkurs, für den er von Daniela und Guido Wiesli mit Material aus vielen Archiven unterstützt worden war, wies Martin Meier, der in Fribourg Zeitgeschichte studiert hatte, daraufhin, dass er bei seinen Recherchen im Besonderen bei den vierzig Bundesordnern umfassenden Aufzeichnungen des einstmaligen Wilener Dorfchronisten Gottfried Peter fündig geworden sei.

Einigen Aufschluss gaben auch Notizen des früheren Wiler Kinderpfarrers Paul Lengg. Ihm zufolge unternahm das Wiler Geschwisterpaar Maria Louise und Maria Barbara Strässle, welches ein Textilgeschäft in der Wiler Altstadt führte, im Januar 1911 eine Lourdes-Wallfahrt. In einem besonderen Anliegen versprachen die Schwestern, an einem geeigneten Ort in der Nähe von Wil eine Grotte mit einer Muttergottes-Statue aus Lourdes einzurichten.

Ausstellung gestaltet

Gemäss Paul Lengg hat dabei «ein Ortsbewohner, der ebenfalls dabei war, seinen Einfluss ausgeübt, dass Wilen heute im Besitze dieser geweihten Stätte ist.» Einheimische Handwerker hätten mitgeholfen, die Grotte auszuheben. Lange Zeit sei unklar geblieben, wer der eigentliche Besitzer des «Gröttli» sei, denn ein Grundbucheintrag hatte gefehlt. Nachdem in den 60er-Jahren während eines Gewitters eine Tanne nur knapp neben ein Wohnhaus stürzte, befasste sich die Ortsgemeinde Wilen mit der Stätte. Damals wurde beschlossen, die Aufsicht über die Grotte der Katholischen Kirchgemeinde Wil zu übertragen. Mit den Dokumenten hatten Martin Meier, Daniela und Guido Wiesli eine Ausstellung über die Geschichte der Grotte gestaltet. Diese ist während zwei Monaten im Kirchen- und Gemeindezentrum Wilen zu sehen.

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