Zwischen Gut und Böse

Seitenblick

Hans Suter
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Was kann man den Konsumenten alles zumuten? Diese Frage scheint für so manches Unternehmen in der Angebotsplanung eine entscheidende Rolle zu spielen. Nehmen wir das Beispiel eines Schweizer Grossverteilers. Vergangene Woche warb dieser mit der Auszeichnung «Frische-Knaller» für Braten vom Schweinsnierstück zu 9 Franken 95 das Kilo. Ein Superpreis. Im Kleingedruckten dann: aufgetaut. Tatsächlich, beim «Frische-Knaller» handelt es sich um aufgetaute Ware. Da fragt man sich, wie es um die übliche Frischware bestellt ist. Ob diese aus der exklusiven Gammelfleisch-Veredelung stammt? Beispiele dieser Art liessen sich beliebig fortsetzen. Man denke nur an gewisse Banken und Hersteller von Autos mit Dieselmotor. «Das Böse ist überall», sang schon die österreichische Kultband Erste Allgemeine Verunsicherung.

Doch das Gute ist noch nicht ausgestorben. Nehmen wir das Beispiel eines grossen Schweizer Kaffeekapsel-Herstellers. Unlängst flatterte mit der Kreditkarten-Abrechnung ein Gutschein ins Haus mit dem Angebot: 200 Kaffeekapseln plus eine Kaffeemaschine für 89 Franken. Üblicherweise kosten alleine die Kapseln schon 110 Franken. Die Überraschung folgte bei der Bestellung übers Internet: Aus den 89 Franken wurden zwischenzeitlich 99 Franken und endeten schliesslich bei einem Schlussbetrag von 39 Franken.

Wenige Tage später erfolgte die Lieferung mit einer Rechnung über 39 Franken. Kaum zu glauben. Doch dann die erneute Überraschung: In der Verpackung der Kaffeemaschine befanden sich als Willkommensgeschenk weitere 20 Kapseln. Und dazu noch ein Gutschein über 25 Franken für die nächste Kapselbestellung. Ja, auch das gibt es noch.

Hans Suter

hans.suter@wilerzeitung.ch