Zwischen Buchdeckeln zu Hause

SIRNACH. Anlässlich der Feierlichkeiten zum 20-Jahr-Jubiläum der Schul- und Gemeindebibliothek Sirnach begeisterte der Berner Geschichtenerzähler Lorenz Pauli sowohl Kinder wie Erwachsene.

Ruth Bossert
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Lorenz Pauli begeisterte mit seinen Geschichten die Kinder. (Bild: rb.)

Lorenz Pauli begeisterte mit seinen Geschichten die Kinder. (Bild: rb.)

Im Grünau-Schulhaus war am Samstag ein Kommen und Gehen. Der Tag der offenen Bibliothekstüren wurde ausgiebig genutzt und bereits vor dem Mittag verweilten viele Erwachsene, aber auch Familien in der gemütlichen Bibliothek, stöberten in den neusten Büchern, beteiligten sich am Wettbewerb und liessen sich von der Festwirtschaft verwöhnen. Am offiziellen Jubiläumsakt waren auch Vertreter der Politischen und der Schulgemeinde anwesend. Gemeindeammann Kurt Baumann bedankte sich beim Bibliotheksteam für die gute Arbeit, von der Kantonsbibliothek überbrachte der Leiter Bernhard Bertelsmann und Lukas Hefti Glückwünsche zum Jubiläum, und zugegen waren auch viele Kommissionsmitglieder, die während der vergangenen zwei Jahrzehnte mit ihrem Engagement die Bibliotheksgeschichte unterstützt und gefördert hatten.

Der Fuchs in der «Pippilothek»

Wer zu Hause zu viele Bücher hatte und diese loswerden wollte, erhielt am Nachmittag Gelegenheit, diese zu verkaufen. Die Bibliothek selber bot aussortierte, ausgelesene, doch keinesfalls ausgediente Bücher zum Verkauf an. Dann aber war es so weit: Lorenz Pauli, der Berner Kindergärtner, Buchautor, Geschichtenerzähler, Wortkünstler und Erzählphilosoph zog die über 40 Kinder und das gute Dutzend Erwachsene ab der ersten Sekunde in seinen Bann. Konzentriert, mit einem Lächeln auf dem Gesicht beobachteten die Kinder den pantomimischen Anfang Paulis – kicherten über seine komischen Laute, seine Bewegungen, lachten über die Geschichte vom Herrn Schnippel, dem Berberitzendornentee, lernten Kautschuk kennen und verfolgten seinen Schabernack mit leuchtenden Augen. Sie lernten die belesene Maus, den hungrigen Fuchs und das verängstigte Huhn kennen. Und auch den Bauern, der ein leckeres Hühnerrezept sucht, trifft man in der Bibliothek – oder wie der Fuchs sagt, «Pippilothek».

Huhn lehrt Fuchs lesen

Dorthin hat sich nämlich die Maus vor dem Fuchs geflüchtet – und erklärt ihm den Zauber von Büchern und Geschichten. Er entscheidet sich dabei, statt Mäuse für einmal auch ein Huhn zu jagen. Das Huhn rettet sich durch Vorlesen vor dem Verspeistwerden. Es liest dem Fuchs aus dem Tierlexikon, dem Haustier-Ratgeber, dem Kochbuch und dem Geschichtenbuch vor, bis beide einschlafen. Der Fuchs vergisst das Mausen und verspricht dem Huhn: «Ich grabe euch Hühnern einen Fluchtweg aus dem Hühnerhof, und du, Huhn, bringst mir das Lesen bei.» Das Huhn nickt zufrieden.

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