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Zwischen Brettern und Maschinen

Julia Schlauri erreichte beim «Nachwuchsstar» an der Holz Basel den vierten Rang. Die bald 18-Jährige macht zurzeit in Flawil eine Lehre als Schreinerin. Am Anfang musste sie ein wenig unten durch.
Arcangelo Balsamo
Julia Schlauri arbeitet im dritten Lehrjahr als Schreinerin bei der Türmlihuus Lombriser AG. Auf dem Bild schleift sie ihr Lieblingsholz: Schwarznuss. (Bild: Arcangelo Balsamo)

Julia Schlauri arbeitet im dritten Lehrjahr als Schreinerin bei der Türmlihuus Lombriser AG. Auf dem Bild schleift sie ihr Lieblingsholz: Schwarznuss. (Bild: Arcangelo Balsamo)

Julia Schlauri geht gerne mit ihren Freundinnen in den Ausgang, ist Mitglied des Turnvereins STV Fortitudo Gossau, spielt seit acht Jahren Saxophon und geht in den Wintermonaten gerne snowboarden. Beim Betrachten ihrer Hobbies deutet nichts darauf hin, dass die bald 18-Jährige bei der Berufswahl einen anderen Weg eingeschlagen hat als der Grossteil ihrer gleichaltrigen Kolleginnen. «Die meisten meiner Freundinnen besuchen eine weiterführende Schule oder machen eine KV-Lehre», sagt Julia Schlauri.

Sie hingegen absolviert eine Schreinerlehre. Aktuell ist sie im dritten Lehrjahr. Den Tag verbringt sie zwischen Holzplatten und schweren Maschinen in der Türmlihuus Lombriser AG in Flawil. Mit ihrer Wahl, Schreinerin zu werden, ist sie bis heute «sehr zufrieden». Das Schöne an ihrem Beruf sei, dass man von der Planung bis zur Ausführung alles machen könne.

«Den ganzen Tag im Büro sitzen, das ist nichts für mich», sagt Julia Schlauri. Ausserdem findet sie es cool, dass man am Schluss sagen kann: «Lueg, da han i selber gemacht.»

Lieber Werken als Handarbeitsunterricht

Bereits in der Schule zog die Gossauerin den Werk- dem Handarbeitsunterricht vor. «Ich hatte jeweils ewig fürs Einfädeln», sagt sie. «Die Laubsäge war mir da viel lieber.» Dass sie das Metier beherrscht, zeigte sie an der Holz Basel, der Fachmesse für Gewerbe und Industrie der Holzbearbeitung. Dort erreichte sie im nationalen Wettbewerb Nachwuchsstar den vierten Rang und war somit die Frau mit der besten Plazierung im Schlussklassement.

«Ich war geschockt und total geflasht, als verkündet wurde, dass ich Vierte geworden bin», erzählt Julia Schlauri. Zuvor hatte sie ihrer Mutter noch gesagt, dass sie nicht wisse, wieso sie überhaupt zur Rangverkündigung gehe. «I bi sowieso nöd unter de erste zäh», dachte sie sich dabei. Für den Wettbewerb baute sie ein Sideboard, welches nun im Esszimmer der Familie Schlauri steht. In das Möbelstück verbaute sie auch altes Holz von einem Schuppen. «Das ist zurzeit voll im Trend. Man sieht es überall. Zudem bot es sich an, weil wir im Esszimmer vor kurzem eine Wand aus demselben Holz hergerichtet haben und es noch vorige Bretter gab», sagt sie.

Julia Schlauri ist sich sicher, dass dieser Trend noch länger anhalten wird. Der Reiz besteht darin, dass es Möbelstücke persönlicher und lebendiger macht. Ausserdem schaut es nicht so perfekt aus. Das Bearbeiten des älteren Materials sei zwar schon anspruchsvoller: «Es riisst viel schneller us und vekeit.» Ihr Lieblingsholz ist das des Schwarznussbaums, der in Nordamerika wächst. «Besonders in Kombination mit Glas sieht es hammer aus», sagt die junge Schreinerin. Dennoch wären das Mobiliar und der Boden in ihrem Zimmer aus Eiche, wenn sie frei wählen könnte. Dabei würde ihr ein normaler Schrank mit Schiebetüren bereits genügen. «Ein begehbarer Kleiderschrank ist übertrieben. Ich habe gar nicht so viele Kleider», sagt sie. Schliesslich trage sie unter der Woche ihre Arbeitskleidung.

In der Berufsschule sowie auf der Baustelle im ersten Lehrjahr merkte sie schon, dass man sie zum Teil schräg ansah. Ausserdem fiel immer wieder einmal ein Spruch im Stil von: «Du bist halt eine Frau.» Doch mittlerweile habe sich das gelegt, sagt Julia Schlauri. Auch die Schnitte an den Fingern und Armen wurden seither seltener. «Im ersten Lehrjahr hatte ich jede Woche irgendwo ein Pflästerli», erzählt die junge Schreinerin. «Meistens ist die Ursache für einen Schnitt eine scharfe Holzkante und nicht der Stechbeitel.»

Wie es nach der Lehre weitergehen soll, weiss sie noch nicht so genau. «Ich könnte mir aber vorstellen, einmal Werklehrerin zu werden», sagt Julia Schlauri.

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