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Zwischen Boom und Wahnsinn

Dass Wirtschaft spannend sein kann wie ein Krimi, bewiesen der wirtschaftspolitische Korrespondent Jens G. Korte und der Immobilienexperte Donato Scognamiglio am Raiffeisen Forum. 450 Gäste nahmen teil.
Hans Suter
Zwei Publikumsmagnete: Donato Scognamiglio (links), CEO und Mitinhaber des Immobiliendienstleisters Iazi AG, und Jens G. Korte, wirtschaftspolitischer Korrespondent verschiedener Medien in New York, zogen am Raiffeisen Forum im Stadtsaal 450 Teilnehmende in ihren Bann. (Bild: Hans Suter)

Zwei Publikumsmagnete: Donato Scognamiglio (links), CEO und Mitinhaber des Immobiliendienstleisters Iazi AG, und Jens G. Korte, wirtschaftspolitischer Korrespondent verschiedener Medien in New York, zogen am Raiffeisen Forum im Stadtsaal 450 Teilnehmende in ihren Bann. (Bild: Hans Suter)

Bei der Raiffeisenbank Wil läuft das Geschäft wie geschmiert. «Wir haben zwei gute Quartale hinter uns. Auch das 3. Quartal sieht gut aus», sagte Bankchef Beat Bollinger am Raiffeisen Forum vom Mittwochabend im Wiler Stadtsaal. Laut seinem Stellvertreter Raffael Eigenmann hat das Institut im Bereich Anlagekunden mittlerweile ein Depotvolumen von rund 400 Millionen Franken. Mit Hypothekarausleihungen in der Höhe von 1,3 Milliarden Franken ist die Genossenschaftsbank aber vor allem ein wichtiger Immobilienfinanzierer in der Region.
Der Bankleitung ist indes nicht verboren geblieben, dass der Geschäftsgang in der Schweiz jederzeit von Störfaktoren aus dem In- und Ausland negativ beeinflusst werden kann. Aus der Geschichte ist bekannt: Ein lang anhaltender Boom liegt nahe am Wahnsinn, weil kritische Stimmen nicht mehr gehört werden.

Übertreibungen sind bereits sichtbar

«Wir erleben derzeit den längsten Bullenmarkt in der Geschichte der USA», verdeutlichte der deutsche Betriebswirtschafter Jens. G. Korte. Er ist seit 20 Jahren als wirtschaftspolitischer Korrespondent in New York tätig und berichtet auch für das Schweizer Fernsehen SRF aus der New Yorker Börse. Mittlerweile gebe es Exzesse, die auf Übertreibungen hindeuteten: zum Beispiel wie zwei kleine Wagyu-Beef-Sandwiches für 180 Dollar oder eine Pizza mit Blattgold für 2000 Dollar. Als viel gefährlicher beurteilt Korte aber die gigantische Verschuldung von Staat, Unternehmen und Gesellschaft. Alleine an Krediten und Unternehmensanleihen seien 66 Billionen Dollar (66000 Milliarden) ausstehend. Das entspreche dem Bruttosozialprodukt (BIP) der Welt. Die Steuersenkungen in den USA bezeichnete Korte als unverantwortlich. Desgleichen gelte für die Aktienrückkäufe, vor allem wenn sie mit Schulden finanziert werden. Jens G. Korte machte keinen Hehl daraus, dass das ganze System immer fragiler werde. «Die Hälfte des Aktienhandels ist heute computergesteuert.» Das könnte ein abruptes Ende der Börsenparty zur Folge haben.

Zölle rauben Innovationskraft

Sorgen bereiten Korte auch die Handelsstreitigkeiten, weil Trump dem Ruf amerikanischer Unternehmen nach Zöllen gefolgt sei. Das könne sich für die USA schnell zum Nachteil wenden. Zum einen würden Importe für amerikanische Hersteller teurer, zum anderen orientiere sich die Devise «USA als Werkbank» völlig am Zahn der Zeit vorbei. «Wer sich mit Zöllen ausgrenzt, beraubt sich auch einer gewissen Innovationskraft», sagte Korte. Vor dem Hintergrund, dass Zölle nur noch etwa ein Prozent im US-Haushalt ausmachten, sei das unverständlich.

«Gewisse Punkte Trumps sind nicht völlig verkehrt»

Korte hielt fest, dass China den Westen in gewisser Weise missbraucht habe und Gegenreaktionen seitens der USA und Europas nicht verwunderlich seien. Die Abhängigkeit der USA sei deutlich geringer als umgekehrt, weshalb sich US-Präsident Donald Trump in einer besseren Position glaube. «Gewisse Punkte Trumps sind nicht völlig verkehrt, aber die Art und Weise seines Handelns ist katastrophal», sagte Korte. Abgesehen von der hohen Verschuldung seien die USA in «kolossaler Verfassung», weshalb es derzeit nur wenige Kritiker gebe. Das könne sich aber jederzeit schockartig ändern.

«Die Welt ist krank, aber die Wirtschaft boomt»

Donato Scognamiglio gehört zu den gefragtesten Immobilienexperten der Schweiz. Der CEO und Mitinhaber des Zürcher Immobiliendienstleisters Iazi AG verfügt nicht nur über eine immense Datenmenge, er nimmt auch kein Blatt vor den Mund: «Die Welt ist krank, aber die Börse boomt.» Heute seien mächtige Leute am Drücker, die sich zum Erreichen ihrer Ziele ungeniert Lügen, der Einflussnahme auf die Notenbank und anderer unschönen Mittel bedienten. Stichworte sind Trump, Erdogan, Orban usw. Das berge Risiken, auch für den hiesigen Immobilienmarkt. Bezogen auf die Schweiz legte er dar, dass die Wirtschaftsleistung trotz aller Unbill wie Finanz- und Währungskrise seit dem Jahr 2000 rundherum gestiegen sei: 20 Prozent in Deutschland, 10 Prozent in Frankreich, Österreich und die Schweiz lägen dazwischen. Einzige Ausnahme bilde Italien mit einem Minus von 5 Prozent. «Wir sind auf einer Insel der Glückseligen», sagte Donato Scognamiglio, schränkte aber sogleich ein: «Nicht mehr alles passt.»

Schere zwischen Immobilienpreisen und Löhnen

Er verwies auf die sich drastisch verändernde Alterspyramide mit einem Überhang an älteren und zu wenig nachfolgenden jungen Menschen. Das werde später Auswirkungen auf den Schweizer Immobilienmarkt haben.
Aktuell boome der Markt. Dank mehr Wohlstand sei die Wohnfläche pro Person von 27 (im Jahr 1970) auf 47 Quadratmeter (2010) gestiegen. Diese Zahl werde aber kaum mehr weiter steigen. «Zu teuer», begründete Scognamiglio. Der Zug für Eigenheime sei für viele ohnehin abgefahren: «Die Preise für Immobilien sind stark gestiegen, die Löhne aber nicht», begründete er. Allerdings sei das Preisniveau regional sehr unterschiedlich. Ein Einfamilienhaus, das in Wil für gut eine Million Franken angeboten werde, koste in Zürich das Zweieinhalbfache. Doch auch im günstigen Wil gelte es zu bedenken, dass eine Hypothekarschuld von einer Million Franken unter Einhaltung geltender Finanzierungsregeln ein Jahreseinkommen von etwa 180000 Franken bedinge. Als grösste Gefahren für den Schweizer Immobilienmarkt sieht Scognamiglio steigende Zinsen, sinkende Zuwanderung und zu teuer bezahlte Preise.

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