Zweites Stickerhaus im «Portfolio»: Die aktive Bodenpolitik Flawils birgt einige Unklarheiten

Seit Januar besitzt Flawil ein weiteres Stickerhaus. Nun soll die neue Zukunft der Bauten abgeklärt werden.

Andrea Häusler
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Das Stickerhaus an der Neugasse 10 gehört seit dem Herbst 2017 der Gemeinde. Erworben wurde das Objekt in Anwendung des Strategiepapiers «Aktive Bodenpolitik». Nach diesem will der Gemeinderat in der Bodenpolitik «eine nachhaltige und aktive Rolle einnehmen und vermehrt als Käufer und Verkäufer von Grundstücken auftreten, ohne jedoch Immobilienhandel zu betreiben.»

Die stark renovationsbedürftige Liegenschaft steht seit bald zwei Jahren zum Verkauf. Bisher war noch kein Interessent bereit, den Kaufpreis von mindestens 415000 Franken zu zahlen und gleichzeitig die für den Umbau verbindlichen Vorschriften des Quartierrichtplans zu erfüllen.

Jetzt hat die Gemeinde, ebenfalls im Sinne einer «aktiven Bodenpolitik», ein weiteres Objekt erworben: die Liegenschaft Sternenstrasse 14. Auch dieses Wohnhaus wurde in der Blütezeit der Stickereiindustrie erbaut, liegt im sogenannten «Alt Flawil» und ist sanierungsbedürftig. Die Liegenschaft beinhaltet drei Wohneinheiten und hat eine Parzellengrösse von 285 Quadratmetern. Dafür hat die Gemeinde 665000 Franken bezahlt, wie Markus Scherrer, Kommunikationsbeauftragter der Gemeinde, auf Anfrage sagt.

Das Objekt erziele eine angemessene Rendite, wobei diese nicht im Vordergrund stehe. Denn der Gemeinderat habe sich für den Kauf entschieden, um damit auf die Entwicklung im Stickerquartier Einfluss nehmen zu können.

Zukunft der Objekte und des Quartiers aufgleisen

Mit der «Neugasse 10» und der «Sternenstrasse 14» besitzt die Gemeinde Flawil nun zwei Objekte, die aus ähnlichen Gründen schwierig zu verkaufen sind. Dies hat die Vergangenheit gezeigt, wenngleich Markus Scherrer sagt, dass das Interesse an Liegenschaften im Stickerquartier intakt sei.

Der Erwerb der beiden Häuser durch die öffentliche Hand sichert deren Bestand in der heutigen Form. Was aber will der Gemeinderat mit den Liegenschaften anfangen, wenn sich weiterhin keine Käufer finden? Eine verbindliche Antwort darauf gibt es vorläufig nicht. Markus Scherrer spricht von verschiedenen denkbaren Szenarien, ohne aber konkret zu werden.

«Im Moment ist alles offen, selbst die Frage, ob die Gemeinde weitere Liegenschaften im Stickerquartier kauft.»

Deshalb habe der Gemeinderat auch entschieden, die Idee einer gemeinnützigen Immobiliengesellschaft für das Stickerquartier vertieft zu prüfen.

Treuhandbüro von Urs Huber beauftragt

Die Hauptaufgabe einer solchen Immobiliengesellschaft bestünde darin, die Baustrukturen des Stickerquartiers unter Berücksichtigung von sozialen, denkmalpflegerischen und ökologischen Aspekten zu erhalten. Zudem soll geprüft werden, ob weitere Flawiler Quartiere oder Ortsbildschutzgebiete einbezogen werden sollen.

Um dafür Entscheidungsgrundlagen zu erhalten, wurde Urs Huber von der Büro Ö AG in St.Gallen mit Abklärungen beauftragt. Das Treuhandbüro ist auf Non-Profit-Organisationen spezialisiert. Der Rat hat hierfür 10000 Franken gesprochen.