Zweiter Sonnentanz trotz Konkurs

Im August 2014 sorgte das Sonnentanz-Festival in Jonschwil für Reklamationen. Obwohl über der GmbH von Organisator Thomas Kolar der Konkurs eröffnet wurde, hat er ein weiteres Festival organisiert. Wieder traten Top-Acts nicht auf.

Simon Dudle
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Der Sonnentanz erlebte seine Premiere 2014 in Jonschwil. Ob der Anlass eine Zukunft hat, ist offen. (Archivbild: Coralie Wenger)

Der Sonnentanz erlebte seine Premiere 2014 in Jonschwil. Ob der Anlass eine Zukunft hat, ist offen. (Archivbild: Coralie Wenger)

JONSCHWIL. Gleicher Organisator, gleicher Festivalname, neuer Ort, gleiche Vorkommnisse: Der Sonnentanz ging dieses Jahr im Aargauer Fricktal auf einer Hochebene zwischen den Gemeinden Leibstadt und Mettauertal über die Bühne. An die 4000 Leute waren an drei Abenden je zugegen. Manche von ihnen hatten dabei ein Déjà-vu-Erlebnis. Denn die beiden geplanten Hauptacts – Dimitri Vegas und Like Mike – traten nicht auf. Kommuniziert wurde dies erst, als beim Elektro-Festival mit «Angemi» bereits der Voract auf der Bühne stand und den Leuten einheizte. Die Aargauer Zeitung schreibt von «Buh-Rufen, fliegenden Bechern und sogar Mülltonnen». Auf Facebook liessen viele Teilnehmer ihrem Unmut freien Lauf. Manche forderten das Eintrittsgeld zurück.

Der Unmut war auch darum gross, weil sich ziemlich genau ein Jahr zuvor Gleiches in Jonschwil ereignet hatte. Im August 2014 feierte der Sonnentanz in der Degenau seine Premiere. Rund 8000 Leute waren dabei und freuten sich auf Deichkind, den Hauptact. Doch dazu kam es nicht und der Auftritt musste kurzfristig abgesagt werden – aus finanziellen Gründen, wie sich später herausstellte.

Hohes Defizit

Organisator Thomas Kolar gab hinterher zu, dass nicht alles wie geplant verlaufen sei. Das Defizit bezifferte der Organisator mit einem «höheren sechsstelligen Betrag». Der zuständige Jonschwiler Gemeinderat, Bruno Näf, erinnert sich: «Die Organisation als solche hat bestens geklappt. Man hat aber schnell gemerkt, dass es finanziell zäh ist im Hintergrund.»

Als der Gemeinderat merkte, dass das Festival auf wackeligen Beinen steht, bot er Hilfe an. «Wir tragen als Behörde Verantwortung. Wenn die Leute ausflippen, wäre das nicht gut», sagt Näf. Ob es sich bei der Hilfe um eine Finanzspritze gehandelt hat, will der zuständige Gemeinderat nicht sagen. Er gibt aber zu Protokoll, dass keine Zahlungen an die Gemeinde offen sind.

Ganz grundsätzlich waren nach dem Open Air zahlreiche Rechnungen offen geblieben, wie Kolar einräumte. Mit der Konsequenz, dass die Dirty Rockers Switzerland GmbH, welche hinter dem Anlass stand, nun pleite ist. Die Konkurseröffnung durch das Konkursamt Thurgau – die GmbH ist im thurgauischen Stachen domiziliert – ist am 9. Juni dieses Jahres erfolgt. Kolar sagt dazu: «Ein Gläubiger konnte sich leider nicht gedulden und hat weitergezogen.»

Keine Bewilligung mehr

Der Konkurs der GmbH hinderte Kolar nicht daran, einen nächsten Sonnentanz zu organisieren. Recherchen der Wiler Zeitung haben ergeben, dass der Festival-Organisator im März die CGT Production AG übernommen, nach Zug verlegt und den Tätigkeitsbereich geändert hat, so dass ein nächster Anlass durchgeführt werden konnte.

In Jonschwil war das nicht mehr möglich. Denn der Gemeinderat hat im vergangenen Winter entschieden, keine lärmintensiven Veranstaltungen in der Gemeinde mehr zu bewilligen. Hintergrund: Da die Klänge des Sonnentanzes bis nach Degersheim und St. Gallen zu hören gewesen waren und bis morgens um 6 Uhr Musik gemacht wurde, gab es unzählige Reklamationen. Laut Bruno Näf ist zudem der Boden in der Degenau nicht geeignet für grössere Festivals.

Kurzfristig organisiert

Ob es im nächsten Jahr einen dritten Sonnentanz geben wird, ist offen. Fragen in diese Richtung beantwortet Thomas Kolar nicht. Womöglich müsste er schon wieder einen neuen Standort suchen. Denn noch ist nicht sicher, ob die Gemeinde Mettauertal ein zweites Mal die Bewilligung für einen solchen Anlass erteilt. Gemeindepräsident Peter Weber sagt: «Die Veranstaltung war gut und hat kaum Reklamationen hervorgerufen. Die Organisation erfolgte allerdings sehr kurzfristig. Den ersten Kontakt hatten wir erst im März. Es war zum Teil schwierig, die Erlaubnis mit gutem Gewissen zu geben. Wenn wir die Bewilligung wieder erteilen würden, müssten die Finanzen in Ordnung sein.»

Thomas Kolar Organisator des Sonnentanz-Festivals (Bild: Urs Bänziger)

Thomas Kolar Organisator des Sonnentanz-Festivals (Bild: Urs Bänziger)