Zweiter Frühling mitten im tiefsten Winter

Mit dem Bauernschwank «De liebestolli Puur» von P. Hinrichsen wussten die Protagonisten der KAB-Theatergruppe restlos zu begeistern. Reichlich Irrungen und Wirrungen sorgten während dreier Akte für ausgiebiges Lachmuskeltraining. Nicht nur wegen der Magd, die Geld wie Heu hat, aber dumm wie Stroh ist.

Christine Gregorin
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Die Streicheleinheiten von Tanja Huber wecken beim alternden Grunderbauer Frühlingsgefühle. (Bild: :)

Die Streicheleinheiten von Tanja Huber wecken beim alternden Grunderbauer Frühlingsgefühle. (Bild: :)

OBERUZWIL. «In einem Bauernschwank geht es meist um fehlendes Geld, unmögliche Liebschaften und nur bedingt raffinierte Intrigen», erklärte Thomas Rickenbacher am Samstag in seiner kurzen Begrüssung schmunzelnd. Unter der Leitung von Regisseurin Heidi Künzler hätten die sechs Laienschauspielenden bereits im September des vergangenen Jahres mit den Proben begonnen, betonte das Vorstandsmitglied der Katholischen Arbeitnehmerinnen- und Arbeitnehmerbewegung (KAB) weiter. In der Folge konnten sich die Besucherinnen und Besucher letztlich selbst davon überzeugen, dass sich dieser jeweils im Zweijahresturnus – traditionell alternierend mit dem Freiwilligen Rettungscorps der Feuerwehr Oberuzwil – zu stemmende Aufwand erneut gelohnt hatte.

Im Rausch der Triebe

Das Ehepaar Grunder ist finanziell am Ende: Besitz und Familie können nur mittels Geldheirat des Sohnes gerettet werden. Aber das Problem ist, dass Stefan (Martin Bruderer) nicht heiraten möchte. Trotzdem erscheint der «Huber-Bauer» (Walter Schmidlin) mit seiner Tochter Melanie (Sara Bruderer) auf dem Hof. Melanie erkennt in Stefan den jungen Mann wieder, in den sie sich im Vorjahr am Dorffest verliebt hatte, der sie aber damals gar nicht nett behandelt und bloss das «Eine» gewollt hatte. Sie möchte sich nun einerseits für seine uncharmante Behandlung revanchieren und ihn andererseits prüfen, ob er wirklich sie oder lediglich ihr Geld liebt. Zu diesem Zweck schlüpft sie in zwei verschiedene Verkleidungen und gibt vor, eine jüngere Schwester zu haben.

Der alternde Grunder (Edgar Fürer) verliebt sich prompt in letztere und diese hat alle Hände voll zu tun, ihn abzuweisen. Mit der Magd Annelis (Luzia Bolt) hat der Bauer auch nur Scherereien und mit seinem uncharmanten Stefan gibt es auch Probleme. So richtig ab geht die Post jedoch, als Susanne Grunder (Marlies Hildbrand) spannt, dass ihr Mann im zweiten Frühling einem jungen Ding nachsteigt.

ABS- statt BSE-Rinder

Ein Bauer, der sein Wissen vermeintlich in der Baumschule erlangt hat, Rinder mit ABS statt BSE, eine Braut mit Geld wie Heu, indes so dumm wie Stroh, eine Magd mit Haaren auf den Zähnen, Wechselfieber in Liebessachen anstelle von Klimakterium und zu guter Letzt eine Bäuerin, die eher einem plumpen Karpfen gleicht als einem schnittigen Goldfischlein – all diese Komponenten standen in der Unterkirche als Garant für kurzweilige Unterhaltung.

Susanne und Rolf Grunder haben grosse Sorgen, für Magd Annelies ein Grund zur Schadenfreude. (Bilder: Christine Gregorin)

Susanne und Rolf Grunder haben grosse Sorgen, für Magd Annelies ein Grund zur Schadenfreude. (Bilder: Christine Gregorin)